

Naive Hoffenheimer: Die Nerven liegen blank
Mainz - Erst trat Mittelfeldspieler Daniel Williams fast ein Loch in die Kabinentür, dann prügelte Manager Andreas Müller verbal auf die Mannschaft ein.
"Ob ich enttäuscht bin? Ich habe Frust. Mainz läuft mehr, Mainz sprintet mehr, Mainz zeigt mehr Willen und hat mehr Torschüsse - soll ich noch fünf weitere Dinge aufzählen? Dieses Zweikampfverhalten reicht nicht für die Bundesliga", polterte der vor Wut schäumende Müller nach dem 0:3 (0:1) von 1899 Hoffenheim beim FSV Mainz 05. (Spielbericht: Szalai schießt Hoffenheim ab)
Der Manager konnte sich nach dem Schlusspfiff ebenso wenig beherrschen wie die mitgereisten Anhänger, die die Profis wüst beschimpften.
Genervt von Fragen nach Babbel
"Der Unmut der Fans ist verständlich, ich bin genauso sauer", äußerte Müller. Als dann auch noch die unangenehmen Fragen zum erfolglosen Trainer Markus Babbel gestellt wurden, sah der Manager fast rot.
"Ja und ja", antwortete Müller, der sich gerade noch zusammenreißen konnte, auf die Fragen, ob Babbel die Mannschaft noch erreicht und ob der Coach das Vertrauen des Managers besitzt.
Abstiegskampf steht bevor
Die Fragen waren allerdings berechtigt. Schließlich hatten die Kraichgauer, die seit vier Punktspielen auf einen Sieg warten, nach dem 9. Spieltag noch nie so wenige Punkte wie derzeit (8) auf dem Konto.( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Statt der erstmaligen Teilnahme an der Europa League, die Babbel vor der Saison als Ziel ausgegeben hatte, droht nun der Abstiegskampf.
Auch der Trainer selbst muss sich mit diesem Thema beschäftigen. "Auf alle Fälle", antwortete Babbel auf die Frage, ob seine Schützlinge einem möglichen Kampf um den Klassenerhalt mental überhaupt gewachsen wären: "Wir wollen da aber nicht rein, auch wenn es derzeit so aussieht."
Szalai mit Dreierpack
In Mainz sah es in der Tat so aus. Beim ersten Bundesliga-Dreierpack des Ungarn Adam Szalai ("Man darf in der Bundesliga nicht oft drei Tore schießen") wirkten die Kraichgauer, die die schlechteste Defensive der Liga (20 Gegentore) stellen, wieder einmal wie Statisten. (DIASHOW: Der 9. Spieltag) .
Der Angreifer der Mainzer, die aus den zurückliegenden vier Partien zehn Punkte holten, hatte bei seinen Saisontoren Nummer fünf bis sieben vor 28.067 Zuschauern in der 21., 46. und 64. Minute kaum mit Gegenwehr zu kämpfen.
"Großes Stück Naivität"
"Wir machen zu einfache Fehler. Jedes der Gegentore ist ohne große Probleme zu vereiteln. Wir sind als Mannschaft in der Defensive aber nicht wach gewesen", kommentierte Babbel die Abwehrleistung seiner Schützlinge.
"Mainz war bissiger, leidenschaftlicher und lauffreudiger. Wir wollten alles nur spielerisch lösen, ohne dagegenzuhalten. Da war ein großes Stück Naivität im Spiel", legte Babbel den Finfer in die Wunde.
Wiese kritisiert Abwehr
Der Begriff "naiv" kam Torwart Tim Wiese zwar nicht über die Lippen, dennoch haute auch der Kapitän seine Vorderleute in die Pfanne.
"Wir machen einfach dumme Fehler. Da wird die Zuteilung nicht angenommen, wir sind nicht bei den Leuten. Das verstehe ich nicht", äußerte der frühere Nationaltorhüter, der bei seinem neuen Klub immer noch nicht angekommen ist.
Miese Bilanz mit Wiese
Mit Wiese zwischen den Pfosten holten die Hoffenheimer in sechs Spielen erst ein Remis, fünfmal gingen sie als Verlierer vom Platz.
Vom drohenden Abstiegskampf will Wiese, der laut der Statistik der abgewehrten Schüsse derzeit der schwächste Bundesliga-Torhüter ist, aber nichts wissen.
"Nach dem 9. Spieltag über Abstiegskampf zu reden, wäre übertrieben. Wir dürfen nur nicht weiter verlieren", äußerte der Keeper: "Bis jetzt ist es nur eine schlechte Phase, aber wir dürfen nicht weiter solche Leistungen abliefern."


