

Billard-Tor brockt Bayern erste Pleite ein
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München - Die magische Serie des FC Bayern ist zu Ende: Nach acht Siegen in Folge verlor der Rekordmeister vor eigenem Publikum mit 1:2 gegen Bayer Leverkusen und kassierte so eine historische Niederlage.
Denn zuletzt unterlagen die Münchner vor der gefühlten Ewigkeit von 23 Jahren in einem Heimspiel gegen die Werkself, Torschütze damals: Marek Lesniak.
Dabei dominierte der FCB über weite Strecken der Partie, während Leverkusen dank eines Eigentors von Jerome Boateng (86.) den Überraschungserfolg schaffte.
Zuvor hatte Mario Mandzukic (78.) die Führung durch Stefan Kießling (42.) ausgeglichen (DIASHOW: Der 9. Spieltag) .
Nach der Pleite schmolz der Vorsprung der Münchner auf den ersten Verfolger Schalke auf nur noch vier Punkte ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Zwei blöde Gegentore"
"Ich bin froh, wenn diese Diskussion, wenn wir immer hier hinfahren, vorbei ist", sagte Leverkusens Simon Rolfes: "Das war heute eine Abwehrschlacht."
Bayern-Kapitän Philipp Lahm fasste treffend zusammen: "Wir kriegen ein saublödes 1:0, dann erarbeiten wir uns dieses 1:1, und dann kriegen wir ein genauso blödes 2:1."
Alaba in der Startelf
Jupp Heynckes wechselte im Vergleich zum 1:0-Erfolg in Lille auf zwei Positionen: David Alaba rückte für Franck Ribery in die Startelf, es war der erste Einsatz des Österreichers von Anfang an seit seiner Verletzung.
Zudem spielte Luiz Gustavo für Javier Martinez, der Spanier laboriert an Adduktorenproblemen. Gemeinsam mit seiner Freundin sah der Spanier im Schneewirbel einen starken Auftakt des FC Bayern.
Denn schon nach drei Minuten hätte es 1:0 heißen können: Thomas Müller bediente von der linken Seite Bastian Schweinsteiger, der mit der Hacke um ein Haar getroffen hätte.
Der Ball rutschte am langen Pfosten vorbei, die Münchner behielten den Anfangsschwung bei.
Leverkusen lange ohne Torschuss
Alaba hatte viel Platz, drang in den Strafraum ein, statt selbst zu schießen, versuchte er aber einen Pass aus Schweinsteiger, der aber sein Ziel verfehlte (10.).
Leverkusen beschränkte sich in der ersten halben Stunde fast ausschließlich auf die Defensive, bis zur 31. Minute hatte Bayern sechs Torschüsse vorzuweisen, Leverkusen null.
Dennoch schnurrte der Bayern-Motor nicht so wie zuletzt, als die Roten acht Siege in Folge einheimsten.
Riberys Fehlen machte sich beim Rekordmeister bemerkbar genauso wie die Dauerbelastung in den drei Wettbewerben.
Und Leverkusens junger Keeper Bernd Leno blieb auch beim Versuch von Toni Kroos (35.) und dem Distanzhammer von Schweinsteiger (40.) unbezwingbar.
Lahm unterläuft der Schnitzer
Stattdessen verlor Lahm im Schneetreiben den Durchblick: Die Leverkusener konterten blitzschnell über Kapitän Simon Rolfes, der den Ball auf Andre Schürrle weitergab. Und dessen Zuspiel im Strafraum landete just bei Lahm, der brachial klären wollte und Stefan Kießling anschoss.
Vom Bein des Leverkuseners prallte der Ball ins Bayern-Tor (42.). Es war bereits Kießlings sechster Saisontor.
Shaqiri zündet den Turbo
Heynckes reagierte und brachte zur zweiten Hälfte Xherdan Shaqiri für Holger Badstuber, Alaba nahm damit die Außenverteidiger-Rolle ein, Shaqiri sollte über links wirbeln.
Und der Schweizer bereitete gleich fast von der Grundlinie die Möglichkeit für Kroos vor, doch Leno hielt bärenstark (49.). Die Münchner zogen jetzt ein Powerplay auf, sogar Abwehrmann Jerome Boateng (54.) versuchte dabei aussichtsreich sein Glück.
Der Ausgleich lag in der Luft, Heynckes nutzte jetzt seine Luxus-Bank und brachte Arjen Robben für Luiz Gustavo (60.).
Robben hatte noch unter der Woche genervt von ständigen Muskelproblemen das Wort Rücktritt genommen, das aber schnell revidiert.
Jetzt durfte der Niederländer seine Lust auf Fußball zeigen.
Kießling vergibt die Chance
Umgekehrt verpasste Kießling nach Schürrle-Hereingabe die Vorentscheidung für Leverkusen (61.).
Natürlich hatte Robben nach seiner langen Pause noch nicht die Spritzigkeit seiner besten Form, dennoch mühte der Flügelflitzer immer wieder um Impulse.
So setzte er mehrmals geschickt Lahm ein, der teilweise fast schon wie ein Rechtsaußen Flanke um Flanke schlug, die Linie im Offensivspiel fehlte streckenweise auf dem glitschigen Untergrund aber.
Die Bayern-Fans durften jetzt die offensivste Formation der Saison erleben: Claudio Pizarro kam für Bastian Schweinsteiger (75.).
Mandzukic gleicht aus
Gegen seinen Ex-Klub ging Heynckes jetzt volles Risiko und wurde belohnt.
Während Schürrle eigensinnig einen Konter schwach abschloss, flankte Pizarro wunderbar auf den Kopf von Mandzukic, der zum Ausgleich einnickte (78.).
Jubel und Erleichterung bei den Bayern waren riesig und die Münchner drängten auf das Siegtor.
Das gelang aber Leverkusen. Der FCB-Pechvogel diesmal: Jerome Boateng.
Joker Sidney Sam köpfte mit seinem ersten Ballkontakt den Bayern-Innenverteidiger an, von dessen Schädel der Ball ins Münchner Tor donnerte (87.).
Es war der Schlusspunkt eines ebenso verrückten wie unterhaltsamen Spiels.


