Bayer rückt sich in den Königsklassen-Radar
Von Julian Buhl und
Barnabas Szoecs
München - Uralt-Fluch-Brecher und Rekordbayern-Stopper:
Der 2:1-Sieg bei den bis dahin makellosen Bayern ( Bericht) hievt Bayer Leverkusen aus dem Abseits in die Schlagzeilen.
Eines jedoch hatten diese allesamt gemein: statt sich auf die Stärken der Leverkusener zu konzentrieren, stürzten sie sich vielmehr auf die Bayern und ihren ersten Ausrutscher der Saison.
Dass die Mannschaft von Trainer Sascha Lewandowski und Teamchef Sami Hyypiä ihr neuntes Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage feierte, das sechste in der Bundesliga, blieb eine eher unbetonte Randnotiz ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Bayer unter dem Radar
Verwunderlich? Ganz und gar nicht!
Schon vor dem vielbeachteten Sieg gegen den FCB spielte Bayer solide, jedoch unspektakulär.
Ein Team unter dem Radar, wie Kapitän Simon Rolfes bei SPORT1 bestätigt: "Dieses Jahr hat eigentlich keiner etwas von uns erwartet. Das war vielleicht eine Grundvoraussetzung." (DIASHOW: Der 9. Spieltag)
Völler: "Mit viel Herzblut"
Platz fünf in der Liga, punktgleich mit Meister Dortmund, Platz eins in Gruppe K der Europa League, im DFB-Pokal geht es am Mittwoch gegen Drittligisten Bielefeld - eine machbare Aufgabe.
Leverkusens Team scheint sich - abseits des Scheinwerferlichts - gefunden zu haben, still und leise, aber mit "viel Herzblut", wie Sportdirektor Rudi Völler nach dem Bayern-Sieg anmerkte.
Kampfansage an die Konkurrenz
"Es greift alles so langsam, man sieht, dass eine Einheit auf dem Platz ist", beschreibt Lars Bender die positive Entwicklung innerhalb der Mannschaft: "Ich glaube, wenn wir immer so viel investieren und arbeiten, und jeder sich für den anderen einbringt, wird es schwer uns zu schlagen."
Klarer kann ein Statement nicht sein, der positive Lauf scheint der Werkself Flügel zu verleihen - Richtung Europa:
Platz vier als Saisonziel
"Das internationale Geschäft ist unser Ziel", bestätigt Bender die Ambitionen seiner Mannschaft, Simon Rolfes konkretisiert die Marschroute sogar: "Wir haben schon das Ziel, dieses Jahr auch die Champions-League-Qualifikation zu schaffen."
Grund für die breite Leverkusen-Brust und die forschen Töne ist das scheinbar gewaltige Vertrauen ins eigene Spiel: "Wir haben eine gute Mannschaft, auch wenn wir in den letzten Wochen noch zu viele Punkte haben liegen lassen", ärgert sich Rolfes.
Fußball ist Arbeit
Über den Kampf zum Sieg: das scheint die passende Fußball-Floskel für Bayer zu sein, das seinen guten Lauf keinesfalls als Selbstläufer sieht.
"Wir müssen uns aber immer wieder neu beweisen, in jedem Spiel", so Rolfes: "Einfach nur dran glauben hilft nicht. Fußball ist auch Arbeit. Nur dann kann der Erfolg einen Schub und immer mehr Selbstsicherheit geben."
Die passende Antwort auf jede Situation, so Lars Bender, habe man sowieso: "Wenn es spielerisch mal nicht so funktioniert, dann muss es einfach über die Leidenschaft und die Bereitschaft, alles zu investieren, gehen."
Großes Lob für Leno
Dies gilt auch für Torwart Bernd Leno, der gegen die Bayern einmal mehr überragend agierte, sein Team im Spiel hielt und Völler bei SPORT1 zum Schwärmen brachte: Wir wissen bei Bayer Leverkusen, was wir an Leno haben, wir haben einen der besten Torhüter Deutschlands."
Das zehnte Spiel ohne Niederlage in Folge soll nun im Pokal bei Arminia Bielefeld folgen - natürlich dank harter Arbeit und einer Einstellung wie in München. Sonst, so Völler, "gibt es ein böses Erwachen".


