Rennpferd Robben: Vollgas bis 40?
Vom FC Bayern berichtet Matthias Becker
München - Zu sagen, dass Arjen Robben kein Vertrauen mehr in seinen Körper hat, wäre sicherlich falsch.
Gerade hatte der Niederländer im Münchner Frühwinter eine anstrengende Trainingseinheit bei Temperaturen um den Gefrierpunkt absolviert.
Trotzdem nahm er nur in kurzer Hose und langärmligem Unterhemd am Tisch im Mediencenter des Rekordmeisters Platz.
Eine Erkältung fürchtete der Flügelstürmer offensichtlich nicht, trotz der für ihn nervend langwierigen Pause vor seinem Comeback gegen Bayer Leverkusen am Sonntagabend. ( BERICHT: Die Angst vor dem frostigen November)
Ein Spiel mit zwei Seiten
Der 30-minütige Einsatz gegen die Werkself war ein großer Fortschritt für Robben - auch wenn das Spiel wegen des späten Gegentreffers zum 1:2 einen ersten Rückschritt für die Bayern bedeutet ( Bericht).
Robben zeigte sich vor der Pokalpartie gegen den 1. FC Kaiserslautern (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) dementsprechend hin und hergerissen.
"Für mich hatte das Spiel am Sonntag zwei Seiten. Einerseits war es enttäuschend, andererseits war ich aber auch zufrieden, wieder auf dem Platz zu stehen", sagte er. (DIASHOW: Der 9. Spieltag)
Es ist zu spüren, dass er nicht zu glücklich ob seines Comebacks bei der ersten Saisonniederlage wirken will. Die von Franz Beckenbauer in der Vergangenheit immer wieder angezettelten Diskussionen um Robbens angeblichen Egoismus will er auf keinen Fall neu entfachen.
"Ich nehme meine Schuhe und…"
Ansonsten gab der 28-Jährige aber offen Einblick in seine Gefühlswelt und stellte dabei auch klar, wie es zur Aufregung um seine angeblich geäußerten Rücktrittsgedanken kommen konnte.
"Einige haben das Holländisch nicht so gut übersetzt", sagte Robben über den Wirbel nach einem Interview mit dem niederländischen TV-Sender "NOS":
"Ich habe nur gesagt, dass mir bei den vielen Verletzungen auch mal durch den Kopf geht, zu sagen: Ich nehme meine Schuhe und ihr könnt mich alle, wie sagt man das schön? Ich wollte sagen: am Arsch lecken!"
Robben zerstreut Rücktritts-Gedanken
In den letzten zwei Jahren habe es die Gedanken wegen einiger komplizierter Blessuren häufiger gegeben als zuvor, erklärte Robben. Zu seiner Frau Bernadien habe er in dieser Zeit häufiger gesagt: "Es wäre mal schön, nur mit meinen Freunden in Holland zu spielen, ganz ohne Druck. Und wenn was passiert, ist es scheißegal."
Zurücktreten werde er aber natürlich nicht, versicherte Robben. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Vielleicht geht es noch bis 40"
Ohnehin wirkt er nach dem Kurzeinsatz gegen Leverkusen wie frisch aufgetankt und scherzt über seine eigene Verletzungshistorie.
"Ich schaue jetzt einfach, was mein Körper macht. In manchen Saisons habe ich ja die Hälfte der Spiele gefehlt. Vielleicht geht es deshalb ja noch bis ich 40 oder 45 bin", witzelte Robben.
"Ich habe viel Vertrauen in meinen Körper. Wenn ich fit bin, habe ich solch eine Power und weiß was ich kann."
Heynckes muss Robben bremsen
Man muss kein Gedankenleser sein, um zu wissen, dass Robben beim Pokalspiel gegen Lautern am liebsten in der Startelf stehen würde.
Zwar müsse er langsam aufgebaut werden, aber: "Ich brauche die Spiele, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Wir haben einen vernünftigen Trainer, der das gut machen wird."
Und eben jener Coach Jupp Heynckes wird wissen, dass er sein edles Rennpferd womöglich noch eine Zeit lang bremsen muss. Selbst sieht das sich dazu nämlich nicht in der Lage.
"Manchmal sollte ich vielleicht nur mit 70 oder 80 Prozent trainieren. Aber für mich ist das schwierig. Wenn ich auf dem Platz stehe, gebe ich immer alles", verriet Robben.
Natürlicher Führungsanspruch
Mit dieser Einstellung ist der Vize-Weltmeister von 2010 für die Bayern aber natürlich auch wertvoll, übernimmt er doch bereitwillig eine Führungsrolle.
Und in dieser warnte er davor, angesichts der vermeintlich leichten Aufgabe gegen den FCK den Schlendrian einkehren zu lassen:
"Wir dürfen nicht denken, dass es gegen einen Zweitligisten leicht wird. Sie haben nichts zu verlieren, wir alles."


