1860 München entlässt Manager Stefan Reuter und begibt sich in die Hand von Geldgebern. Eine Entscheidung, die es in sich hat.

Arme Sechziger: Erst gibt es eine trostlose 0:2-Pleite zum Rückrunden-Auftakt gegen den SC Freiburg, nun wird der Traditionsklub durch einen übermächtigen Investor fremdgesteuert.

Manager Stefan Reuter, das einzige deutschlandweit bekannte Gesicht der "Löwen", fliegt.

Stattdessen heuert "Berufsanfänger" Miroslav Stevic auf seiner Position an.

Seit Januar 2006 versuchte Reuter, 1860 wieder auf Kurs zu bringen.

Sein Konzept war letztlich nicht erfolgreich. Zwar forcierten die "Löwen" ihre ansehnliche Nachwuchsarbeit, doch sportlich und finanziell misslang die Wende.

Immer wieder mussten Talente verkauft werden. Zuletzt ging Timo Gebhardt in der Winterpause zum VfB Stuttgart.

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Hinzu kamen die Querelen im Verein mit Finanz-Geschäftsführer Stefan Ziffzer. Auch Präsident Albrecht von Linde hielt sich nur vorübergehend.

Reuters größtes Defizit: Zahlungskräftige Sponsoren, die ihm mehr Handlungsspielraum verschafft hätten, zog er nicht an Land.

Immerhin stand der Weltmeister von 1990 im Gespann mit Trainer Marco Kurz für Kontinuität und Seriosität bei den Blauen.

Jetzt setzt 1860-Präsident Rainer Beeck auf Miroslav Stevic als sportlichen Leiter.

Der hat zwar von 1994 bis 1998 vier Jahre erfolgreich mit dem TSV 1860 in der Bundesliga gespielt. Sein Engagement hat allerdings ein Geschmäckle.

Denn der neue Investor, die Immobiliengruppe Schwarzer, machte den "Löwen" zur Vorgabe, Stevic in der sportlichen Leitung zu installieren.

Dass Investoren so stark auf einen Klub Einfluss nehmen, dürfte im deutschen Profifußball einmalig sein.

In erster Linie dürfte Stevic als Türöffner für die hinter ihm stehende Investorengruppe fungieren. Zuletzt arbeitete der Ex-Profi als Spielerberater und brachte als Antrittsgeschenk gleich die beiden Serben Antonio Rukavina (Dortmund) und Nikola Gulan (Florenz) mit.

Angeblich sollen die neuen Investoren 20 Prozent der Anleihen für sieben Millionen Euro gekauft haben. Im Klub schweigt man dazu.

Doch wie viel Geld auch immer fließen mag, die "Löwen" begeben sich damit in eine Abhängigkeit, die sie eines Tages noch zutiefst bedauern dürften.

Schon jetzt hat der Meister von 1966 nach den Turbulenzen der vergangenen Tage seinen Ruf als Chaos-Klub aufpoliert.

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