vergrößern verkleinern
Klaus Allofs (l.) und Frank Baumann holten 2004 das Double nach Bremen © imago

Der Abgang des Managers dürfte die Bremer schmerzen. Ex-Spieler Valerien Ismael spricht bei SPORT1 von einem "Riesenverlust".

Von Christian Stüwe

München - Ein bisschen wehmütig wurde Klaus Allofs am Mittwochnachmittag dann doch.

Als der scheidende Werder-Manager bei seiner Abschiedspressekonferenz über langjährige Begleiter, Bremer Champions-League-Nächte und vor allem über den Double-Gewinn 2004 sprach, stockte ihm ein wenig die Stimme.

Die Meisterschaft und der Pokalgewinn vor acht Jahren waren die Höhepunkte in der 13-jährigen Bremer Zeit des 55-Jährigen ? und ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte des SVW, der für immer mit Allofs verbunden sein wird.(AKTUELL: "Hinterlasse keine Scherbenhaufen")

Ein wichtiger Bestandteil der damaligen Meistermannschaft war Valerien Ismael. Allofs hatte den französischen Verteidiger ein Jahr zuvor von Racing Straßburg an die Weser geholt.

"Allofs Abgang ist ein Riesenverlust für Bremen", sagte Ismael nun im Gespräch mit SPORT1: "Klaus Allofs und Thomas Schaaf waren die Väter des Erfolgs."

Mit seinen Transfers habe Allofs damals die schlagkräftige Truppe geformt.

"Immer wenn ein Topspieler verkauft wurde, hat er es geschafft, gleichwertigen Ersatz zu günstigen Preisen zu holen", beschreibt Ismael das Erfolgsrezept des Managers.

Werder hinkt Ansprüchen hinterher

Von solch glorreichen Zeiten ist Werder derzeit aber ein gutes Stück entfernt. Der Klub hinkt den Ansprüchen hinterher, im Norden macht sich die Angst vor dem Mittelmaß breit.

Seit zwei Jahren waren die Bremer nicht mehr im Europapokal dabei, erst vor wenigen Tagen wurde auf der Jahreshauptversammlung ein Rekordverlust von 13,9 Millionen verkündet.

Die junge Mannschaft befindet sich im Umbruch. Werder spielt ambitioniert, aber nicht konstant. Es scheint völlig unklar, wohin der Weg der Bremer in der näheren Zukunft führen wird.

[kaltura id="0_4lzmvpis" class="full_size" title="Lemke: Wir waren keine Freunde"]

Der Zeitpunkt überrascht

Dass gerade in dieser Phase der Manager von Bord geht, sei "sehr, sehr bitter für Werder", findet Ismael.

Vor allem der Zeitpunkt, mitten in der Saison, sei "sehr überraschend", erklärte der frühere Innenverteidiger.

Offenbar war Allofs in Bremen nicht mehr zufrieden.

Zwischen ihm und Aufsichtsratschef Willi Lemke soll es nicht gepasst haben, der Manager war außerdem zum Sparen gezwungen.

Doppeltes Gehalt in Wolfsburg

In der Autostadt erwarten ihn nun deutlich üppigere finanzielle Mittel. Auch sein Gehalt wird angeblich von 1,5 Millionen auf 3 Millionen Euro verdoppelt..

Bei den "Wölfen" kann sich Allofs auf dem Transfermarkt austoben.

Dass der VfL den Manager lockte, ist für Ismael legitim. "Denn Allofs ist einer der Top-Manager der Liga", sagte Ismael.

Dass Allofs in den letzten Jahren bei seinen Transfers immer mal wieder Mal daneben griff und dafür auch kritisiert wurde, ändert für Ismael nichts an dieser Einschätzung.

Allofs Ausstrahlung dürfte fehlen

Allofs' Auge für neue Spieler, die Ausstrahlung und der Fußballsachverstand des Europameisters von 1980 dürften den Bremern fehlen.(EINWURF: Allofs verdient keine Vorwürfe)

"Das ist sehr, sehr schade und ein großer Verlust", sagte Kapitän Clemens Fritz. Auch Thomas Schaaf dürfte seinen langjährigen Kollegen vermissen.

Im Frühjahr 1999 trat der Trainer seinen Dienst auf der Werder-Bank an, wenige Monate später folgte Allofs.

Gerüchte um Schaaf

Da Wolfsburg zur neuen Saison ziemlich sicher auch einen neuen Trainer sucht, gibt es längst Gerüchte, dass Schaaf Allofs nach Wolfsburg folgen könnten.

Und der neue "Wölfe"-Manager befeuerte diese am Mittwoch.

"Ich kann Ihnen nicht sagen, was irgendwann einmal sein wird", erklärte Allofs zu einer möglichen neuen Zusammenarbeit mit Schaaf: "Ich kann das nicht für alle Zeiten ausschließen."

Um den Verlust der zweiten Bremer Gallionsfigur zu verhindern, ist Werder längst aktiv geworden.

Schaaf soll bei der Suche nach einem neuen Manager eng eingebunden werden, um Werder mit dem neuen Mann wieder auf Kurs Richtung Europa zu bringen.

Baumann oder Beiersdorfer?

Lemkes Favorit soll Dietmar Beiersdorfer sein.

"Er ist ein erfahrener Manager und ein ehemaliger Werder-Spieler. Von daher ist er ein sehr guter Kandidat", glaubt Ismael.

Nach SPORT1-Informationen ist aber der frühere Kapitän Frank Baumann erster Anwärter auf die Allofs-Nachfolge.

"Frank Baumann wäre die interne Lösung. Was immer einfacher und günstiger ist", sagte Ismael.

Baumann habe Allofs in den letzten beiden Jahres assistiert und viel gelernt, erklärte Ismael, er kenne den Verein in- und auswendig und brauche keine Eingewöhnungszeit.

Das Problem ist, dass Allofs zuletzt zwei Jobs innehatte: er war Sportvorstand und Geschäftsführer zugleich.

Ismael traut Baumann den Job zu

"Es wäre natürlich ein gewisses Risiko, weil Frank neu in dem Job ist. Aber ich traue ihm diese Aufgabe zu", sagte Ismael. Werder will diese Tätigkeitsfelder nun wieder trennen: "Wir tendieren zu einer Zweier-Lösung", verrät Lemke.

Dann wäre Platz für Baumann und Beiersdorfer zusammen.

Für Baumann spricht noch ein Argument: Wie Ismael war er ebenfalls Mitglied der Double-Mannschaft von 2004.

Und ein wenig vom Glanz dieser Tage kann Werder in den aktuell schwierigen Zeiten nicht schaden.