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Uli Hoeneß ist seit 2009 Präsident des FC Bayern München © getty

Hoeneß schickt eine scharfe Warnung an Ex-DFB-Boss Zwanziger. Auch van Gaal nimmt sich Bayerns wiedergewählter Präsident zur Brust.

Von der FCB-Jahreshauptversammlung berichtet Mathias Frohnapfel

München - Uli Hoeneß gab sich über weite Strecken tiefenentspannt und stolz.

"Es ist ein Traum, Präsident dieses Vereins zu sein", sagte der Präsident des FC Bayern, nachdem er mit überwältigender Mehrheit der 2591 anwesenden Mitglieder während der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters im Audi Dome wiedergewählt worden war. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

In der Heimspielstätte der Basketballer des FCB gab es lediglich 69 Gegenstimmen gegen das neue Präsidium, dem neben Hoeneß Rudolf Schels und Karl Hopfner angehören, weil die beiden bisherigen Vizepräsidenten Fritz Scherer und Bernd Rauch nicht mehr kandidierten.

Harmonie pur - ehe es Hoeneß gegen kurz nach halb zehn am Donnerstagabend dann doch kurzzeitig gehörig die Stimmung verhagelte.

"Geduldsfaden angespannt wie lange nicht"

Im andauernden Zwist mit Theo Zwanziger schickte der 60-Jährige eine deutliche Warnung an den Ex-DFB-Präsidenten: "Mein Geduldsfaden ist angespannt wie lange nicht. Es dauert nicht mehr lange, bis er reißt."

Und der FCB-Boss grollte: "Ich muss mich fast jeden Tag unglaublich zusammennehmen, um diese teilweise sehr unsachlichen Kommentare von Leuten, die es wirklich besser wissen müssten, noch zu akzeptieren. Und ich hoffe, dass mir das auch weiterhin gelingt."

Neben Zwanziger war auch Ex-Coach Louis van Gaal Ziel von Hoeneß' Attacke: "Selbst Querschüsse aus Holland oder aus Altendiez (Zwanzigers Wohnort, Anm. d.Red.) können diesen Verein nicht aus der Ruhe bringen."

Der Niederländer und Zwanziger hatten zuletzt deutlich Hoeneß Führungsstil beim deutschen Rekordmeister kritisiert.

Zukunftsplanung liegt Hoeneß am Herzen

Nach seinem Rüffel richtete Hoeneß den Blick wieder nach vorn: "Es ist eine Königsaufgabe, den Verein personell in die Zukunft zu führen."

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Seine bisherigen Vizepräsidenten Scherer und Rauch lobt er als "phantastische Partner" und hoffte, dass der "letzte Mohikaner", Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, noch möglichst lang im Amt bleiben werde.

Gemeinsam mit Rummenigge peilt Hoeneß auch an, so schnell wie möglich die traumatische Vorsaison vergessen zu machen.

"Jupp Heynckes macht einen tollen Job"

"Wir konnten in den entscheidenden Momenten nicht zusetzen, unsere Kader war zu klein", analysierte Hoeneß, mit den ebenso zahlreichen wie finanzkräftigen Transfers habe man jetzt dieses Defizit aufgearbeitet.

"Jupp Heynckes macht einen tollen Job", sagte Hoeneß zu Arbeit seines Freundes und erklärte: "Was glauben Sie, wie schwierig es ist, jeden Freitag, Samstag einem Topstar sagen zu müssen, dass er nicht spielt, obwohl er gesund ist?"

Stolz zeigte sich Hoeneß auch mit dem Ergebnis seiner Idee, Matthias Sammer zum neuen Sportvorstand zu machen.

Offen gab er aber auch mit Blick auf den Ex-Sportdirektor Christian Nerlinger zu: "Es war vielleicht ein Fehler, einem jungen Mann ohne Erfahrung diese große Aufgabe zu übertragen."

Mit Nerlinger habe es nach dessen Entlassung aber mittlerweile ein gutes Gespräch gegeben.

[kaltura id="0_sona7ftv" class="full_size" title="Gomez nach Comeback zufrieden"]

"Zweiter Platz ist kein Drama"

Karl-Heinz Rummenigge blickte in seiner Rede sachlich auf die Höhen und Tiefen der Vorsaison zurück.

"Der zweite Platz in der letzten Bundesliga-Saison stellt kein Drama dar", meinte Rummenigge und lobte das Team für eine "grundsätzliche klasse Saison" in der Champions League.

Dass am Ende nur Vizetitel heraussprangen, nervte den FCB-Vorstandsboss in der Rückschau dann aber doch.

"Drei zwei Plätze sollten für uns nicht zur Norm werden, es war mehr drin, diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen."

Als Rummenigge die Neuzugänge aufzählte, gab es für alle großen Applaus, lediglich 40-Millionen-Euro-Mann Javier Martinez erntete ganz vereinzelte Buhrufe.

Der Beifall für Matthias Sammer war dagegen uneingeschränkt, was auch Rummenigge zufrieden registrierte.

Komplimente für Sammer

"Er ist ein sehr engagierter, fleißiger Vorstand, der dem FC Bayern gut zu Gesicht steht und unser aller Vertrauen verdient", sagte er zum neuen Vorstandsmitglied.

Platz 1 in der Bundesliga, gute Aussichten in DFB-Pokal und Champions League - trotz dieser Zwischenbilanz bemühte sich Rummenigge das Profi-Team mit beiden Beinen auf dem Boden zu verketten.

"Ich möchte nicht als Mahner in der Wüste stehen, aber ich warne davor, unsere gute Situation mit zu viel Euphorie zu begleiten", betonte er.

Meisterschale ist erstes Ziel

Als großes Ziel gab der 57-Jährige die Meisterschaft als "ehrlichsten Titel" aus und kommentierte in Richtung der finanzkräftigen Königsklassen-Konkurrenz aus Chelsea, Paris und Manchester: Der FCB sei die beste Antwort auf die "ein oder andere Absurdität des Fußballs".

Und zu den "Oligarchen oder Scheichs" merkte der FCB-Vorstandsboss noch spitzzüngig an, dass die vereinseigene Homepage jetzt auch auf Russisch und Arabisch erreichbar sei - "damit uns die Herren in London, Manchester und Paris auch verstehen".

Milder Spott für Hoeneß

Und da Rummenigge gerade am Austeilen war, musste auch Hoeneß auf dem Podium ein paarmal gequält lächeln.

Denn der FCB-Präsident verweigert sich weiter hartnäckig den neuen Medien und musste sich von Rummenigge angesichts der Münchner Höhenflüge bei Twitter und Facebook einiges anhören.

Hoeneß hätte ja sicher dazu mit einigen Klicks beigetragen, witzelte Rummenigge etwa, ehe er in einer großen Laudation den scheidenden Finanzvorstand Karl Hopfner als "Schnittmenge zwischen Lionel Messi und Wolfgang Schäuble" würdigte.

Mit sichtbarer Rührung nahm der Zahlenmensch all das Lob auf, dann präsentierte Hopfner neue Prachtergebnisse: Die FC Bayern AG, inklusive Allianz Arena GmbH, erzielte in der Saison 2011/2012 einen Rekordumsatz von 373,4 Millionen Euro und erreichte damit den besten Wert in der FCB-Historie.

Eigenkapital wächst und wächst

Zudem erwirtschafteten die Münchner einen Gewinn nach Steuern von 11,1 Millionen Euro, das Eigenkapital hat sich zum Abschluss des Geschäftsjahres zum 30. Juni auf 278,3 Millionen Euro erhöht.

In den vergangenen zwei Jahren hat der FC Bayern sein Eigenkapital um rund 72 Millionen Euro erhöht.

Praller könnte die Kasse des Rekordmeisters kaum gefüllt sein.