vergrößernverkleinern
Wegen der Steueraffäre könnte die Ära Uli Hoeneß ein unrühmliches Ende finden. Den Aufsichtsratsvorsitz beim deutschen Rekordmeister behält Hoeneß aber zunächst
Uli Hoeneß ist seit 2009 Präsident des FC Bayern München © imago

Bayerns Präsident will sich von Zwanzigers und van Gaals Vorwürfen nicht provozieren lassen - und nennt SPORT1 Gründe.

Vom FC Bayern berichtenMathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

München - Uli Hoeneß will sich nicht reizen lassen.

Zu schön ist die Harmonie beim FC Bayern angesichts eines glänzenden Zwischenstands in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal, als dass sich der Bayern-Präsident wie ein Stier von einem wedelnden roten Tuch kirre machen ließe.

Dabei haben ihn die Attacken von Ex-Trainer Louis van Gaal und dem früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ziemlich entnervt.

Der Hauptvorwurf der beiden: Hoeneß habe deutlich zu viel Macht und regiere in München ohne Widerspruch.

"Mein Geduldsfaden ist angespannt"

"Mein Geduldsfaden ist angespannt wie lange nicht. Es dauert nicht mehr lange, bis er reißt", grollte Hoeneß daher während der Jahreshauptversammlung des FCB (BERICHT: Jahreshauptversammlung).

Und fügte an: "Ich muss mich fast jeden Tag unglaublich zusammennehmen, um diese teilweise sehr unsachlichen Kommentare von Leuten, die es wirklich besser wissen müssten, noch zu akzeptieren. Und ich hoffe, dass mir das auch weiterhin gelingt."

Um kurz nach zehn Uhr am Donnerstagabend schickte der 60-Jährige diese Warnung an seine Kontrahenten, um sich dann auf der Bühne des Audi Domes selbst emotional wieder einzufangen.

[image id="cd23e5f9-63ea-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Rosige Situation im Verein

Die Geschicke seines Klubs, der Rekordumsatz, die hervorragende sportliche Ausgangssituation, all das ist Hoeneß wichtiger als ein persönliches Scharmützel, das Zwanziger und van Gaal reichlich gallig austragen wollen

Als sich die Fans nach dem Ende des Bayern-Familientreffs schon ihr Freibier abholten, erklärte Hoeneß auf SPORT1-Nachfrage, warum er diesmal auf den Gegenangriff verzichten will.

"Ich habe aber keine Lust, diese Ruhe, die um den FC Bayern herrscht, durch meine zusätzlichen Attacken zu stören", meinte der 60-Jährige. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hoeneß müht sich um Gelassenheit

Und zur medialen Auseinandersetzung stellte er knapp fest: "Wenn ich jetzt auf so viele unsachliche Kommentare geantwortet hätte, vor allem aus Altendiez, dann hätte es wirklich eine Schlammschlacht gegeben. Es hat ja nur einer erzählt und ich nie was erzählt."

[kaltura id="0_6xbs53wt" class="full_size" title="Hoene Geduldsfaden am Ende"]

Altendiez ist der Heimatort von Theo Zwanziger.

Der Ex-DFB-Boss war Hoeneß zuletzt heftig angegangen, hatte ihm unter anderem eine "Philosophie des Provozierens" vorgeworfen und erklärt, Hoeneß kenne keinen Respekt und sei "eine kleinkarierte Seele".

Rummenigge und Hopfner meinungsstark

"Der FC Bayern ist jetzt eine Oase der Ruhe, wenn ich da Nebenkriegsschauplätze eröffnet hätte, wäre das für den Verein nicht gut gewesen", so Hoeneß dazu.

Den Vorwurf, allmächtig zu regieren, sieht Hoeneß indes indirekt auch als eine Watschn für den Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und den bisherigen Finanzvorstand Karl Hopfner an: "Ich habe sie als Vorstandsmitglieder kennengelernt, die absolut ihre Meinung haben."

Und außerdem: Wenn er - Hoeneß - versucht hätte, die beiden zu bevormunden, hätte man nach seiner Argumentation "nie so lange so gut zusammen arbeiten können".

"Werde Dinge nicht kommentieren"

Dass die Sticheleien Hoeneß dennoch ärgern, ist bei dem meinungsstarken Charakterkopf klar.

Doch am Donnerstagabend versprach er hinter der Bühne in der Heimspielstätte der FCB-Basketballer gegenüber SPORT1: "Ich werde diese Dinge nicht kommentieren, es sei denn der Bogen wird überspannt."

Auch das war eine Warnung an Zwanziger und van Gaal.

Auch Rauball kritisiert Zwanziger

DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisierte ebenfalls Zwanziger, der in seiner Autobiografie auch gegen den DFB schießt, heftig.

"Wir haben gerade im Ligavorstand darüber gesprochen und missbilligen, dass Theo Zwanziger wichtige Interna herausgegeben hat", sagte Rauball im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt".

Und ergänzte: "Wir müssen deutlich die Frage stellen, ob das für einen ehemaligen DFB-Präsidenten und ein noch aktives Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees angemessen ist."

Uli Hoeneß hat zu dieser Frage sicherlich eine klare Antwort parat.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel