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Klaus Allofs konnte als Manager mit Werder Bremen 2004 das Double gewinnen © getty

Der neue Wolfsburg-Manager nimmt motiviert seine Arbeit beim VfL auf. Dieter Hoeneß äußert gegenüber SPORT1 Kritik am Wechsel.

Von Reinhard Franke

München - Klaus Allofs dürfte froh sein, dass sich der ganze Wirbel etwas gelegt hat.

Mit viel Tatendrang und wenig Wehmut hat der 55-Jährige nach dem spektakulärem Wechsel von Bremen nach Wolfsburg seinen neuen Posten angetreten.

Rein äußerlich hat sich dabei eigentlich nur die Trainingsjacke mit dem neuen Klub-Logo geändert.

Allofs in neuer Trainingsjacke

Allofs stand am Freitag auf dem Trainingsplatz neben Trainer Lorenz-Günther Köstner und beobachtete seine neue Mannschaft, die sich auf das Spiel am Sonntag bei 1899 Hoffenheim (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) vorbeitete.

Er habe "sehr viel geredet", sagte Allofs bei seiner ersten Pressekonferenz an der Seite von Köstner, "über die Mannschaft, über die Situation."

Trotz der vielen Arbeit fühle er sich befreit: "Die Erleichterung hat die Erschöpfung verdrängt."

Nicht nur mit dem Trainer habe Allofs in den letzten zwei Tagen viel geredet. "Auch mit den anderen Mitarbeitern ist viel geredet worden, die restliche verbleibende Zeit habe ich mit den Journalisten gesprochen."

Hoeneß übt Kritik am Wechsel

Während sie in Wolfsburg alle froh über die Ankunft des neuen, starken Mannes sind, gibt es aber auch Kritik für dessen Wechsel während der Saison.

"Aus Vereinssicht war es richtig, die Managerfrage zuerst zu klären, dann die Trainerfrage. Ein Aspekt macht mich allerdings nachdenklich: Dass Verträge auch bei Managern heute nichts mehr wert sind", sagte Ex-VfL-Manager Dieter Hoeneß bei Bundesliga Aktuell:

"Wenn sich am Ende alle einig sind, ist es aber auch okay."

[kaltura id="0_29mp052l" class="full_size" title="Allofs hat eine neue Liebe"]

Hoeneß traut Allofs jedenfalls zu, dass er Wolfsburg in die Spur bringen kann. "Ich bin überzeugt, dass Klaus Allofs alles mitbringt, um nachhaltig mit Wolfsburg erfolgreich zu sein."

Heidel zeigt wenig Verständnis

Auch der Manager von Mainz 05, Christian Heidel, betrachtet den Allofs-Deal kritisch: "Da sieht man mal wieder, dass man mit Geld alles hinkriegt", kommentierte Heidel in der "Bild".

"Ich kann Klaus ja absolut verstehen, dass er das Angebot annahm", so Heidel weiter, "ich kann aber auch verstehen, dass das bei Werder für Unstimmigkeiten sorgt."

Abgesehen davon, dass Heidel "so einen Wechsel unter der Saison zu einem Liga-Konkurrenten nicht gut" findet - das Wie stört ihn: "Ich finde es sehr, sehr bedenklich, wenn es jetzt los geht, dass auch für Funktionäre Ablöse bezahlt wird."

Allofs meint dazu nur: "Das man das kritisch sehen kann, verstehe ich auch."

Heldt: "Nicht als Unsitte betrachten"

Für weniger problematisch hält Horst Heldt die Personalie.

"Alle Beteiligten haben sich darauf geeinigt, von daher würde ich das nicht als Unsitte betrachten, weil Werder Bremen grünes Licht gab. Da herrschte Einigung", erklärte der Schalker Manager.

Viel Zuspruch hat Allofs auch aus seinem direkten Umfeld.

"Ich habe an die 100 Nachrichten bekommen und diese waren fast ausschließlich positiv. Auch aus Bremen. Viele fanden es schade, aber haben auch Verständnis für meine Entscheidung", berichtete er.

Allofs gespannt auf den Ernstfall

Drängender sind ohnehin die Aufgaben in Wolfsburg. Die Mannschaft der "Wölfe" ist für den neuen Boss noch eine Wundertüte.

"Ich bin selbst gespannt. Ich kann noch nicht sagen, was sie leisten kann oder wie sie im Ernstfall reagiert", sagte der 55-Jährige vor der Aufgabe bei 1899 Hoffenheim.

Allofs zeigte sich jedoch angesichts der ersten Trainingseindrücke optimistisch: "Mein Gefühl sagt mir: Das sieht gut aus."

Neben Köstner auf der Bank

Beobachten wird er den potenziellen Ernstfall, wie schon zu Bremer Zeiten, von der Bank aus.

Coach Köstner will den jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen. "Ich wäre sehr froh, wenn die Mannschaft so konzentriert auftritt wie zu Hause oder in der ersten Halbzeit in Düsseldorf. Ohne großen Grund möchte ich nichts ändern", sagte er.

Dass es schon bald eine Änderung auf der Trainerposition gibt, gilt trotz der aufsteigenden Tendenz als wahrscheinlich.

Sanz lobt Slomka

Allofs, der in seinen 13 Jahren bei Werder nie einen Trainer suchen musste, ist langfristig wohl gefordert, einen neuen Chef-Coach zu suchen.

Ein Kandidat: Hannovers Trainer Mirko Slomka. "Es gibt keine Gespräche mit Slomka", sagte Allofs bei seiner Vorstellung am Donnerstag.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der "Wölfe", Javier Garcia Sanz, erklärte im "kicker": "Mirko Slomka würde jedem Klub gut zu Gesicht stehen."

Mit dieser Formulierung fing im Poker um Allofs auch alles an.

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