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Bielefelds Rüdiger Kauf (r.) gab gegen Torsten Frings' Bremer nicht klein bei © getty

In Ostwestfalen hat Werder Bremen seit Jahren wenig zu feiern. Daran änderte sich auch zum Auftakt der neuen Saison nichts.

Von Martin van de Flierdt

München/Bielefeld - Thomas Schaaf schob es auf den "Fluch von Bielefeld":

"Fakt ist, dass wir hier nie unser Spiel durchbringen", meinte der Trainer von Werder Bremen nach dem ernüchternden 2:2 (0:0) seiner Mannschaft zum Saisonauftakt bei einer kampfstarken Arminia. "Dafür fehlt mir jegliche vernünftige Erklärung."

Seit 2001 haben die Hanseaten in neun Spielen nur einen Sieg in der ehemals Alm genannten Arena landen können. Diese Bilanz besserte der Meisterschaftsaspirant am Samstag verdientermaßen nicht auf.

Denn die Bremer präsentierten sich im Spiel nach vorne eine Stunde lang völlig ideen- und daher harmlos, ehe Markus Rosenberg zunächst nach einer Ecke (60.) und dann im Anschluss an einen üblen Ballverlust von Bielefelds Oliver Kirch (80.) Vollstreckerqualitäten bewies.

Dass dies nicht zum Sieg reichte, lag am Kampfgeist der Arminen, deren Torjäger Artur Wichniarek und teilweise haarsträubendem Abwehrverhalten der Werderaner.

Im Spielaufbau wirkte Aaron Hunt mit der Vertretung des bei den Olympischen Spielen in Peking aktiven Spielmachers Diego überfordert.

Schaaf wollte das Fehlen des Brasilianers allerdings nicht als Entschuldigung für die über weite Strecken uninspirierte und tempoarme Vorstellung seiner Offensivabteilung gelten lassen: "Wir haben ja auch schon mit ihm hier gespielt. Da war es auch nicht brillanter."

Hoffen auf Diego und Pizarro

Für einen Diego in Hochform hätten seine Kollegen dennoch durchaus Verwendung. "Wir wünschen ihm Gold in Peking", sagte Kapitän Frank Baumann stellvertretend. "Aber dann soll er zurückkommen und für uns Leistung bringen."

Selbiges gilt auch für Claudio Pizarro, dessen Ausleihe vom FC Chelsea Werder am Freitag perfekt machte. Mit dem Peruaner war ein zweiter Südamerikaner Thema in Ostwestfalen, der gar nicht anwesend war.

"Was man von Claudio verlangen kann, ist, dass er seine Technik, Schlitzohrigkeit, sein Kopfballspiel und sein Pensum in unser Spiel einbringt, gepaart mit der Erfahrung, die er über die Jahre gesammelt hat", meinte Schaaf. "Das sind Elemente, die wir sehr gut gebrauchen können. Ich hoffe, dass er das sehr schnell abrufen kann."

Rosenberg verbessert sein Blatt

Am Dienstag wird Pizarro offiziell vorgestellt, schon am kommenden Wochenende gegen Schalke könnte er statt Hugo Almeida im Werder-Angriff agieren. Dass Rosenberg nach seinem Doppelpack weichen muss, ist unwahrscheinlich.

"Wenn die beiden Treffer Markus' Reaktion auf den Transfer waren, dann haben wir alles richtig gemacht", meinte Sportdirektor Klaus Allofs.

Gegen Schalke wird allerdings eine enorme Steigerung der Abwehr vonnöten sein, die sich bei beiden Gegentreffern (74./82.) böse düpieren ließ.

"Das waren ganz, ganz schlimme Gegentore", zürnte Torsten Frings, der nach der Partie seine Teilnahme am Länderspiel gegen Belgien wegen erneuter Muskelbeschwerden absagte.

Frings war ohnehin schon angefressen. Das Bremer Laisser-faire vor dem postwendenden Ausgleich nach der 2:1-Führung nannte er "Dummheit, einfach nur Dummheit", Allofs bezeichnete es als "fatal. Gegen uns zu treffen ist viel zu einfach".

Wichniarek widmet Doppelpack seiner verstorbenen Mutter

"König Artur" Wichniarek ließ sich genau zwei Mal bitten. Seinen ersten Bundesliga-Doppelpack seit fünf Jahren widmete der Pole seiner im Juni an Krebs verstorbenen Mutter Miroslava.

Zudem hielt er mit seiner Genugtuung über die sehr ordentliche Bielefelder Gesamtleistung nicht hinter dem Berg: "Wenn du eine oder zwei Wochen vor Saisonstart liest, dass wir schon so gut wie abgestiegen sind, dann ist dieses Unentschieden überraschend für alle - nur nicht für uns."

Die Bremer dürften zumindest eine vage Ahnung gehabt haben. Mit dem "Fluch von Bielefeld" schlagen sie sich ja nun schon ein paar Jahre herum.

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