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Wolfgang Grobe (M.) und Jean-Marie Pfaff (r.) können das Einwurf-Tor nicht verhindern © imago

Trikotwerbung, ein Horrorfoul und ein kurioses Tor nach einem Einwurf. SPORT1 blickt auf die 3. Dekade der Bundesliga zurück.

Von Rainer Kalb

München - Es gehört zu den Tatsachen, und dennoch zu den Anekdoten: Sepp Maier gab Jahre nach seinem Karrierende zu, dass die Nutzung des Olympiastadions für die Bayern zu jener Goldgrube wurde, welche die Vorherrschaft der Bayern bis heute zementierte.

"Nach dem Umzug hat der Vorstand uns die Prämien verdoppelt." Alles klar? (HINTERGRUND: Vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan)

Der FC Bayern war es aber auch, der am Ende des zweiten Jahrzehnts der Bundesliga zur Lachnummer der Nation wurde.

Am ersten Spieltag der Saison 1982/83 erzielte Bremens Uwe Reinders gegen den FC Bayern den 1:0-Siegtreffer gegen die Norddeutschen per Hand - und das regulär! (HINTERGRUND: Goldene Generation prägt das zweite Jahrzehnt)

Ins eigene Tor gelenkt

Denn der Nationalspieler schleuderte einen Einwurd derart hart Richtung Bayern-Tor, das Jean-Marie Pfaff, der mit einer "Flanke" Richtung Kopf eines Werders-Spieler gerechnet hatte, nur noch mit den Fingerspitzen an den Ball kam.

Einige Puristen streiten das Tor Reinders ab und schreiben von einem Eigentor des Belgiers. Aber wenn es laut Regelwerk beim Einwurf kein Abseits gibt, weshalb soll dann ein Wurf ins Tor nicht gelten?

Reform auf der Brust

Für helle Aufregung hatte 1973 Günter Mast gesorgt. Der Likörhersteller aus Braunschweig wollte nicht mehr Mäzen seiner Eintracht sein, sondern Sponsor. Er verlangte für seine Geldzuwendungen eine Gegenleistung ? Trikotwerbung.

In Zeiten der zunehmenden Fernsehübertragungen ein genialer Gedanke. Der DFB lehnte erwartungsgemäß entrüstet und empört ab und sah das Vaterland in Gefahr.

Mast verfiel auf einen Trick: Er ließ eine Mitgliederversammlung beschließen, dass das Vereinswappen ? der Braunschweiger Löwe ? in sein Markenzeichen, den Hirschen, verwandelt wurde.

Kondomwerbung verboten

Der DFB konnte noch eine Verkleinerung des Wappens von 18 auf 14 Zentimeter durchsetzen ? den Siegeszug von Campari, Magirus Deutz und Hannen Alt hielten sie nicht auf. (DATENCENTER: Die Bundesliga)

Nur als der FC Homburg für einen Kondomhersteller werben wollte, war die moralische Empörung so groß, dass Moral über Geld siegte. Zunächst. Dann kam das Frankfurter Landgericht. Und entschied: Geld siegt über Prüderie.

Stadtinterne Derbys

Was gab es noch in diesem Jahrzehnt? Es war die Zeit, als sich die Städte noch zwei Bundesligavereine leisten konnten.

München (Bayern und die Löwen), Köln (Der FC und Fortuna), Hamburg (den Dino HSV und St. Pauli), Stuttgart (den VfB und die Kickers) und selbst Bochum (den VfL und die SG Wattenscheid). So etwas ist heute unvorstellbar. (HINTERGRUND: Auf der Suche nach Professionalismus)

Schlimmes Foul an Lienen

Aber es waren eben nach den Gründungsjahren die wilden Jahre der Liga. Und da war noch alles möglich.

Selbst, wenn sich eine Elite herauszubilden begann. Alles möglich: Unvergessen das brutale Foul von Norbert Siegmann an Ewald Lienen. Dem der ganze Oberschenkel aufgeschlitzt wurde. Gelb-Rote Karten wurden erst 90/91 eingeführt