vergrößern verkleinern
"Mikro-Mann" Axel Bellinghausen feiert mit Teamkollegen und Fans das 4:0 © getty

Fortunas Höhenflug geht gegen Frankfurt weiter. Veh kritisiert den Referee, versteht aber auch Spaß. Die Gästefans nicht.

Düsseldorf - Auf dem Höhepunkt rheinischer Glückseligkeit schickten die Fans von Fortuna Düsseldorf einen nicht ganz ernst gemeinten Gruß Richtung Herbstmeister Bayern München.

"Deutscher Meister wird nur die Fortuna" sangen sie auf den Tribünen angesichts des 4:0 (2:0)-Sieges im mit vielen Emotionen vorbelasteten Aufsteiger-Duell gegen Eintracht Frankfurt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mit zwei Heimsiegen innerhalb von acht Tagen und dem Punktgewinn bei Borussia Dortmund fühlte sich die englische Woche für die Düsseldorfer auch irgendwie an wie ein Titelgewinn.

Höchster Bundesliga-Sieg seit 22 Jahren

"Das waren drei richtig geile Spiele", freute sich Kapitän Andreas Lambertz, während Torschütze Stefan Reisinger es "wahnsinnig faszinierend" findet, "wie die Mannschaft mit den vielen Verletzten umgeht".

Neben Reisinger (38.), der auch schon gegen den Hamburger SV und in Dortmund getroffen hatte, machten Oliver Fink (42.), Nando Rafael (58.) und Axel Bellinghausen (85.) den höchsten Bundesliga-Sieg seit 22 Jahren (7:0 gegen den FC St. Pauli am 12. Mai 1990) perfekt.

Veh kritisiert Weiner

Weniger lustig fanden die Gäste das Wiedersehen mit dem Mitaufsteiger vor 51.345 Zuschauern in der Düsseldorfer Arena.

Zwar bemühte sich der nach den Vorfällen aus dem Februar unter besonderen Beobachtung stehende Eintracht-Coach Armin Veh um Besonnenheit, doch angesichts der für ihn "spielentscheidenden" Gelb-Roten Karte gegen Karim Matmour nach nur 34 Minuten fiel es dem Fußball-Lehrer sichtlich schwer.

"Das ist keine Rote Karte, das ist Bezirksliga"

In einem "absolut friedlichen Spiel, in dem nichts los war", hatte Veh keinen Platzverweis gesehen ( 646119 DIASHOW: Der 15. Spieltag ):

"Das ist keine Rote Karte, das ist Bezirksliga", sagte er und fügte in Richtung Schiedsrichter Michael Weiner resignierend hinzu: "Das juckt den gar nicht. Der fährt jetzt nach Hause und gut is'."

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen nannte den Platzverweis "total überzogen", Sportdirektor Bruno Hübner forderte "mehr Fingerspitzengefühl".

Keine Angst vor erneutem Absturz

Bei der Eintracht geht nach dem furiosen Saisonstart ein bisschen die Angst um, dass Geschichte sich wiederholen könnte. Auch vor dem letzten Bundesliga-Abstieg 2011 punktete Frankfurt zu Saisonbeginn fleißig und stürzte danach ab.

"Wir kommen da wieder raus. Wir haben eine super Moral und sollten nicht nervös werden", forderte deshalb Torjäger Alex Meier. Angesichts von nur einem Sieg aus den letzten sieben Spielen klang das ein bisschen schon wie das berühmte Pfeifen im Walde.

Eintracht-Fans fallen negativ auf

Während die Eintracht-Spieler auf der Suche nach ihrer Bestform sind, zeigten sich Frankfurts Fans von ihrer schlechtesten Seite.

65 von ihnen wurden in der Düsseldorfer Altstadt vorübergehend festgenommen, weil sie versucht hatten, eine Polizeiabsperrung zu überwinden und sich Zugang zur U-Bahn zu verschaffen.

Zudem musste die Partie kurzzeitig unterbrechen werden, weil pünktlich mit Ablauf des zwölf Minuten und zwölf Sekunden langen Stimmungsboykotts im Frankfurter Block Bengalos und Feuerwerkskörper gezündet worden waren.

Spottlied gegen Frankfurts Trainer

Mit deutlich mehr Humor empfingen dagegen die Düsseldorfer Armin Veh. Der hatte sich mit seinen Aussagen rund um das 1:1 im Zweitliga-Gipfel im Februar wenig Freunde gemacht.

Vor und nach dem Spiel wurde deshalb in der Arena eine spöttische Version des Hits von Peter Fox "Haus am See" gespielt, in dem es unter anderem heißt: "Und am Ende der Straße steht das Haus vom Veh, Tempotaschentücher liegen auf dem Weg..."

Veh hat Sinn für Humor

Veh nahm's gelassen: "Ich fand's eigentlich ganz lustig, sehr kreativ. Wenn die Fans immer so sind und keine anderen Dinge machen, dann finde ich das gut, auch wenn ich jetzt der Betroffene war. Das ist okay. Da verstehe ich auch einen Spaß."

Das werden sie sicherlich auch in München tun. Auch wenn sich Fortuna für einen Abend wahrlich meisterlich fühlen durfte.