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Schürrle (l.) gab die Vorlage für Kießlings neunten Treffer in der Saison © getty

Nach dem glücklichen Sieg gegen Nürnberg beschwört Leverkusen seinen neuen Kampfgeist. Club-Coach Hecking muss unters Messer.

Leverkusen - Bayer Vizekusen ist zurück, denn die "Schleicher" der Liga gewinnen inzwischen auch die "Schweine-Spiele".

Statt manchmal brotlosem Fußball-Zauber stehen inzwischen in Leverkusen Kampf, Wille und Leidenschaft ganz oben auf der Qualitäten-Liste, doch damit ist Bayer wieder so erfolgreich wie in besten Tagen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und so ist, von vielen unbemerkt, nicht Borussia Dortmund oder Schalke 04, sondern Bayer Leverkusen kurz vor Ende der Hinrunde erster Jäger von Tabellenführer Bayern München ( 646119 DIASHOW: Der 15. Spieltag ) .

Durch das Remis des Rekordmeisters im Spitzenspiel gegen den BVB holte Bayer har zwei Punkte auf.

"Die Schleicher der Liga"

"Wir sind eben die Schleicher der Liga", sagte Nationalspieler Lars Bender nach dem zähen 1:0 (1:0) gegen den 1. FC Nürnberg (Bericht) schmunzelnd: "Aber jetzt stehen wir oben, und da wollen wir auch so schnell nicht mehr weg."

"Vizekusen", das Wort, das sie in Leverkusen nach knapp verpassten Meisterschaften nicht mehr hören können, das sie sich inzwischen aber patentrechtlich schützen ließen, sei aktuell "eine Auszeichnung und Bestätigung für unsere Arbeit", sagte Trainer Sascha Lewandowski: "Die Mannschaft gewinnt inzwischen auch die sogenannten Schweine-Spiele."

Ein Spitzenteam sei sie deshalb noch nicht zwangsläufig, glauben viele. "Dazu fehlt uns noch vieles", sagte Gonzalo Castro, Bayers wohl bester Spieler in dieser Hinrunde: "Aber wir wollen eine werden und sind auf einem guten Weg."

Trainer mahnt vor Überschätzung

Dies sieht auch Lewandowski so. "Wir tun sicher gut daran, die Situation und uns selbst nicht zu überschätzen", meinte der Coach: "Doch wenn man am Ende der Hinrunde oben steht, ist das kein Zufall, sondern hart erarbeitet."

Arbeit, Kampf, Mentalität, Bereitschaft, das sind die Begriffe, die sie derzeit unterm Bayer-Kreuz beschwören. "Drei erkämpfte Punkte zählen genauso viel wie drei erspielte", sagte Bender: "Unser Kennzeichen ist, dass wir uns die Spiele nicht mehr nehmen lassen und Führungen auch mal über die Zeit schaukeln. Wenn wir mit elf Mann zusammen kämpfen, sind wir schwer zu schlagen."

Neuer Kampfgeist

Auch Castro beschwört den neuen Kampfgeist der Rheinländer. "Das ist unsere neue Qualität", sagte er: "So reicht dann auch mal ein Tor, und wir gewinnen Spiele, die wir im Vorjahr noch nicht gewonnen hätten."

Viermal in Folge gewann Bayer nun in der Liga, und dass das Siegtor gegen den Club aus klarer Abseitsposition erzielt wurde (37.) störte auch den Schützen und ehemaligen Nürnberger Stefan Kießling nicht weiter.

"Ich stand mit einem Fuß im Abseits, aber Hauptsache, das Tor zählt", sagte der mit 22 Toren bisher beste Bundesliga-Schütze des Kalenderjahres 2012. Und Castro antwortete sofort zurecht: "Dafür hätten wir auch einen Elfmeter bekommen müssen, und ich wurde zu Unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen."

Hecking sauer auf die Spieler

Vielleicht war auch das der Grund, dass Nürnbergs Coach Dieter Hecking nicht wegen des irregulären Tors lamentierte, sondern stattdessen sauer war auf seine Spieler.

"Dass der Schiedsrichter etwas nicht sieht, kann immer passieren", sagte er: "Auch wenn ein Meter Abseits schon nicht mehr knapp ist. Das ist wie zehn Kilometer Stau."

Torwart Raphael Schäfer ärgerte sich umso mehr über die Fehlentscheidung des Unparteiischen. "Das war ein klares Abseitstor - deshalb ist diese Niederlage für uns sehr ärgerlich", sagte er bei LIGA total!

Doch viel mehr störte Hecking, dass sein Team, das gewöhnlicherweise über den Kampf kommen muss, genau in dieser Hinsicht Nachteile gegenüber dem Spitzenteam aus Leverkusen hatte.

"Die Niederlage ärgert mich, weil sie unnötig war, weil wir nicht erkannt haben, dass hier mehr möglich war", schimpfte Hecking.

Hecking muss operiert werden

Leiden wird der Coach in der nächsten Woche noch mehr. Wegen eines Knorpelschadens muss er am Montag operiert werden, seiner Mannschaft wird er deshalb einige Tage fehlen. "Am Dienstag werde ich sicher nicht da sein, ich weiß nicht, ob es am Mittwoch wieder geht", sagte er.

Eigentlich wollte sich Hecking erst in der Winterpause auf den OP-Tisch legen, "aber das Knie wird immer schon warm dick, deshalb kann ich es nicht mehr weiter aufschieben".