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Jerome Boateng (l.) ersetzte bei Bayern den verletzten Holger Badstuber © getty

Die Bayern sehen das Gipfel-Remis mit gemischten Gefühlen, Präsident Hoeneß hofft den Rivalen künftig "zur Weißglut" zu bringen.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Bastian Schweinsteiger nickte Roman Weidenfeller freundlich zu, dann entschwand auch Bayerns Vizekapitän in den Katakomben der Münchner Arena.

Falls er Frust auf den Dortmunder Keeper verspürte, ließ es sich Schweinsteiger zumindest nicht anmerken.

Dabei hatte Weidenfeller - wie mit Magneten-Handschuhen ausgerüstet - in der Schlussphase jeden noch so schwierigen Ball pariert. (Weidenfeller: Held in Strumpfhosen)

Keine Gelben Karten

Der Gruß passt zur Grundmelodie dieses Ligagipfels, der zuerst ein Taktikwettkampf war und im zweiten Durchgang richtig leidenschaftlich ausgekämpft wurde.

Doch am Ende hatte kein Akteur eine Gelbe Karte gesehen - schiedlich, friedlich war diese Bilanz, wie das 1:1 (Bericht und 646533Einzelkritik).

Trotz des gesicherten Elf-Punkte-Vorsprungs auf Dortmund blickte Schweinsteiger dann aber kurz grantig aus seiner tief ins Gesicht gezogenen Mütze hervor (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es nervt immer"

"Es nervt immer, wenn man nicht gewinnt", sagte der Mittelfeldantreiber, "zumal man beim Gegentor keine gute Zuordnung hatte, Mario Götze steht da recht frei. Das darf nicht passieren."

Und insgeheim hätten die Bayern natürlich nur zu gerne ihre schon jetzt rekordverdächtige Hinrunde mit einem Sieg über den Erzrivalen mit einem Zuckerüberguss versehen (646119DIASHOW: Der 15. Spieltag).

Doch auch taktisch hatte Schwarzgelb im fünften Aufeinandertreffen binnen eines Jahres den Bayern erneut arg zugesetzt.

Jürgen Klopp hatte in Sven Bender, Ilkay Gündogan und Jakub Blaszczykowski drei defensive Mittelfeldspieler auf den Platz geschickt, weshalb Schweinsteiger anerkannte, dass es "nicht einfach war durch die Mitte zu spielen".

Bayerns Führung fiel dann auch nach einem langen Ball von Franck Ribery Richtung Strafraumkante, den Toni Kroos nach Müller-Abspiel vollendete.

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Hoeneß sieht "super Spiel"

Was dieses Remis aus Bayern-Sicht wert war, zeigte am besten die Interpretation von Uli Hoeneß: "Wir wollen nicht unzufrieden sein", meinte der Bayern-Präsident im "ZDF" und sprach von einem "super Spiel".

Und als er nach der verpassten Revanche gegen den bisherigen Dauersieger Dortmund gefragt wurde, schaute Hoeneß, als ob er gerade aufgefordert wurde, Weihnachten auf den Bahamas statt zu Hause am Tegernsee zu feiern.

Klare Kampfansage Richtung Dortmund

"Traumabewältigung muss man beim Psychiater machen", knurrte der 60-Jährige.

Die vorangegangen sportlichen Lehrstunden des BVB beantwortet Hoeneß auf seine Weise: "Ich denke, dass wir sie in den nächsten Jahren zur Weißglut bringen werden."

Sein Spezl Jupp Heynckes ließ sich zu solchen Gefühlsausbrüchen nicht verleiten, sondern stellte ganz Siegertyp fest: "Die Mannschaft ist hungrig und gierig, wieder Deutscher Meister zu werden."

Und der Trainer fügte an: "Wir haben bis zum 15. Spieltag gezeigt, dass wir das können und höchstwahrscheinlich auch tun werden."

Dante fordert Mentalität

Heynckes' verordnete Angriffslust sind im Team ohnehin angekommen.

"Wir müssen diese Mentalität behalten", sagte Innenverteidiger Dante im Gespräch mit SPORT1, "wenn wir glauben, wir sind schon Meister, dann wird es richtig gefährlich für uns."

Die Bewertung, dass man diesmal Dortmund überlegen war, teilten fast alle Bayern-Profis.

"Wir hätten den Sieg verdient gehabt?, urteilte Keeper Manuel Neuer, dem vor allem der aggressivere Auftritt gefiel. "Wir sind ganz anders aufgetreten als in den letzten Spielen gegen Dortmund."

"Es tut a bisserl weh"

Die Münchner Arena war rundum mit Bayern-Fähnchen auf den Sitzen versehen worden und spätestens als der zwölfminütige Fanprotest gegen die DFL endete, bekamen die 71.000 tatsächlich ein couragiertes Team zu sehen.

Vor allem die Schlussviertelstunde trug den Titel "Bayerischer Powerfußball". Allein der Ertrag fehlte.

"Es tut a bisserl weh, denn wir hätten sie packen können", gestand Thomas Müller.

"Mir ist das nicht so wichtig, aber für die Außendarstellung wäre es schön gewesen. Das ist mir aber wurscht, wenn wir am Ende Meister werden."

Badstuber Verletzung schmerzt alle

Nicht nur aus Müllers Sicht können die Bayern "mit dem Ergebnis leben", böse trifft das Team allerdings die Verletzung von Holger Badstuber.

Der Innenverteidiger musste nach 37 Minuten schwer verletzt vom Feld, wird mit einem Kreuzbandriss wohl sechs Monate ausfallen.

Am Sonntag bestätigte sich die erste Diagnose, am Montag wird der Nationalspieler in Augsburg operiert.

"Das ist enorm bitter für uns, Holger ist ein sehr wichtiger Spieler für uns", sagte Schweinsteiger über den verletzten Kollegen. "Das tut doppelt weh", klagte er.

Die Grübeleien nach dem Remis gegen Dortmund wirkten dagegen wie Luxussorgen.

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