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Trainer Huub Stevens (l.) und Schalke warten seit vier Bundesliga-Spielen auf einen Sieg © imago

Auf Schalke wimmelt es nur so von Baustellen, die Laune ist im Keller. Stevens wird wieder zum Knurrer. Heldt spürt Nervosität.

Von Felix Götz

München - Zwei Pünktchen aus den vergangenen vier Bundesligaspielen, eine Torwart-Diskussion, die ungewisse Zukunft des Trainers und Zoff mit Teilen der Fans:

Beim FC Schalke 04 herrscht nach dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach und vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag in Montpellier eine explosive Stimmung.(BERICHT: Dicke Luft auf Schalke)

"Wir spüren eine gewisse Nervosität auf, aber auch außerhalb des Platzes", räumte Manager Horst Heldt ein.

Und SPORT1-Experte Thomas Helmer meinte im Volkswagen Doppelpass: "Vom Potenzial her müssten die Schalker eigentlich mit den Bayern und mit Dortmund mithalten können." (EXKLUSIV: Helmer-Kolumne)

Doch die "Knappen" verlieren immer mehr den Anschluss - Rang vier. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch Stürmer Klaas Jan Huntelaar weiß um die aktuelle Brisanz. "Das war ein langweiliges Spiel und wieder keine gute Leistung von uns. Das müssen wir ändern", fordert er.

Stevens hat Lockerheit verloren

"Die Stimmung in der Mannschaft, auch vielleicht durch den Trainer bedingt, ist nicht gut", erklärt Helmer.

Auffällig ist jedenfalls, dass Huub Stevens die Lockerheit abhanden gekommen ist.

Zwar nimmt Mittelfeldspieler Jermaine Jones den Coach im "kicker" in Schutz: "Der Trainer steht draußen, wir haben die Verantwortung auf dem Platz."

Ob der Niederländer aber auch in der kommenden Spielzeit noch für Schalke an der Seitenlinie steht, vermag Jones vor Schalkes Champions-League-Aufgabe in Montpellier (Di., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) nicht zu prophezeien: "Für die aktuelle Leistung müsste es allen egal sein, ob der Trainer bleibt oder nicht."

Wie reagiert Tönnies?

Fakt ist: Stevens wird wieder immer mehr zum "Knurrer von Kerkrade".

Und genau das könnte Stevens, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, zum Verhängnis werden. Den sportlichen Ergebnissen, die unter dem Strich ja nicht schlecht sind, zum Trotz.

Schließlich stellte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies bereits nach dem ganzen Theater um Felix Magath klar, dass er nicht noch einmal eine vergiftete Atmosphäre auf Schalke haben wolle.

"Wir haben aus unseren Fehler gelernt, als wir manche Verträge zu früh verlängert haben", hatte Tönnies in diesem Zusammenhang bereits im Sommer erklärt.

Büskens für Stevens?

Es scheint also zumindest vorstellbar zu sein, dass Stevens' zweite Amtszeit auf Schalke spätestens am Ende dieser Spielzeit enden wird.

Helmer geht sogar einen Schritt weiter. Der Europameister von 1996 geht davon aus, dass Fürths Trainer und Schalke-Legende Mike Büskens auf Stevens folgen wird.

"Ich glaube, dass Büskens im Sommer Trainer auf Schalke wird."

"Sie machen unnötig Baustellen auf"

Einen Grund für die sportliche Talfahrt haben die "Königsblauen" aktuell in Keeper Lars Unnerstall ausgemacht, der in den vergangenen Spielen nicht immer den sichersten Eindruck hinterlassen hatte.

Deshalb stand gegen Gladbach Timo Hildebrand im Kasten.

Und der 33-Jährige machte prompt beim Gegentor durch Igor de Camargo eine unglückliche Figur. ( 646119 DIASHOW: Der 15. Spieltag )

"Unnerstall aus dem Tor zu nehmen, hat für Unruhe gesorgt. Sie machen unnötig Baustellen auf", kommentiert Helmer.

Torwartwechsel ein Eigentor

Trainer Huub Stevens' Maßnahme, den Wechsel zwischen den Pfosten auch zu vollziehen, um mehr Ruhe im Stadion zu haben, erwies sich als klassisches Eigentor.

Die Fans, die Unnerstall teilweise ausgepfiffen hatten, verschafften ihrem Unmut trotzdem Luft.

"Kein Lob für einen Teil unserer Fans", polterte Stevens nach dem Gladbach-Spiel: "Der große Teil unterstützt die Mannschaft. Ein kleiner Teil nicht. Ich verstehe es nicht."

Und Kapitän Benedikt Höwedes ergänzte: "Die Zuschauer werden schnell unruhig. Es ist schade."

Zoff mit den Fans

Gar keine Unterstützung gab es von den Ultras Gelsenkirchen, die damit gegen eine vor der Partie getroffene Maßnahme des Klubs protestierten.

Da gegen Frankfurt Pyrotechnik abgefackelt worden war, ordnete Schalke an, dass alle Fan-Transparente vor dem Einlass ins Stadion angemeldet werden müssen.

Manche Spruchbänder wurden den Anhängern sogar unter Androhung von polizeilicher Gewalt abgenommen.

Vertrauen verlorengegangen

In einer Stellungnahme werteten die Ultras das Handeln des Klubs als "puren Aktionismus, dessen Ziel nur ist, kritische Fans mundtot zu machen".

Es zeige zudem, "dass scheinbar jegliches Vertrauen der Offiziellen des Vereins in die eigenen Fans verlorengegangen ist".