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Holger Badstuber (r.) wechselte 2002 vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München © imago

Bayerns Verteidiger fällt lange aus, gibt sich vor seiner OP aber kämpferisch. Die Münchner müssen über den Kader nachdenken.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Über den Rasen in der Münchner Arena hatte Holger Badstuber bereits nach dem 5:0-Sieg über Hannover bei SPORT1 geklagt.

Als "nicht so top" bewertete der Bayern-Verteidiger jenen Untergrund, der ihm just im Ligagipfel zum Verhängnis werden sollte.

Bei einem Zweikampf mit Dortmunds Mario Götze blieb Badstuber im Rasen hängen, Javier Martinez prallte obendrein noch von hinten in den Abwehrhünen. (646119DIASHOW: Bilder des Spiels)

Die schlimme Folge: Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie.

Lange Reha steht bevor

Am Montagvormittag folgte die Operation in Augsburg, die nach Klub-Angaben "gut" verlief.

Lange Reha-Monate warten auf den 23-Jährigen. Mit einer Rückkehr Badstubers ist erst in gut einem halben Jahr zu rechnen.

Auf Krücken und in Turnschuhen humpelte Badstuber am Samstagabend durch die Mixed Zone der Allianz Arena, nachdem ihn in der Kabine sofort Arjen Robben und Mutter Helga Trost gespendet hatten.

Badstuber bemühte sich am Sonntag so gut es ging Richtung Zukunft zu schauen.

"Ich werde zurückkommen"

"Die Innen- und Außenbänder sind zum Glück nicht beschädigt, Knorpel und Meniskus auch nicht", sagte der Nationalspieler der "tz".

"Jetzt werden wir einen Plan aufstellen, dann werde ich operiert und dann kommt halt die Reha. Aber ich werde zurückkommen, das ist klar."

Doch die Verletzung hat auch Spuren hinterlassen.

"Psychich ist das nicht einfach. Da gerät man natürlich ins Grübeln. Es ist ja meine erste größere Verletzung", gab Badstuber zu. In der Nacht nach dem Spiel habe er "kein Auge zugetan".

Für den Blondschopf war der Knockout der negative Schlusspunkt einer Hinrunde, die bereits mit einigen Tälern versehen war.

Erst Außenverteidiger, dann Muskelfaserriss

Badstuber erledigte zwar zu Beginn den Job auf der ungeliebten Außenverteidiger-Position weitgehend klaglos, wollte aber unbedingt zurück ins Zentrum.

Nach einem Muskelfaserriss und kurzer Pause spielte er dann auch dort - bis zu jener vertrackten 35. Minute gegen Dortmund.

"Das ist bitter", meinte Trainer Jupp Heynckes, der in den kommenden Partien auf Jerome Boateng setzen dürften.

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Rummenigge: Stehen zu Badstuber

Die Verletzung sei natürlich "schon etwas, was uns bedrückt", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

"Holger hat gesagt, dass er im Rasen hängengeblieben ist und es dann sofort knack gemacht hat. Nichtdestotrotz: Wir werden das packen und stehen total zu ihm."

Die Bayern müssen jetzt überlegen, ob sie mit drei etatmäßigen Innenverteidigern die Saison zu Ende spielen wollen oder ob sie sich im Wintertransfermarkt nach einer Ergänzung umsehen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kommt noch ein Abwehrspieler?

Rummenigge wiegelte da ab, wollte von einem "Schnellschuss" nichts wissen.

Zudem hat der FCB aus seiner Sicht neben Dante, Jerome Boateng und Daniel van Buyten auch noch Javier Martinez, der ebenfalls als Innenverteidiger agieren könnte.

"Wir sind gut aufgestellt", findet Rummenigge.

Auch Anatoliy Tymoshchuk hat ja bei den Roten bereits als Innenverteidiger ausgeholfen.

Skeptisch kommentiert das SPORT1-Experte Thomas Berthold: "Ich fände es kritisch, wenn sich Bayern auf die Variante verlässt, Sechser wie Tymoshchuk oder Martinez nach hinten zu ziehen, wenn Boateng oder Dante mal ausfallen." (EXKLUSIV: Die Berthold-Kolumne).

Hoeneß: "Boateng muss sich beweisen"

Die Bayern hoffen inständig, dass auch mit dem Duo Dante/Jerome Boateng die bisherige Abwehrstärke Bestand hat.

"Jetzt muss sich Boateng beweisen", fordert Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Bis zum 15. Spieltag kassierte der Rekordmeister erst sechs Gegentreffer, Boateng - kurz vor dem Dortmund-Spiel von seinem Muskelfaserriss genesen - hielt dabei mit Dante lange das Zentrum erfolgreich dicht.

Verletzungspech hält an

Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer hat indes aus der Dauerbelastung dieser Saison seine Lehren gezogen.

"In dieser Halbserie hatten wir unseren großen Kader noch nicht einmal komplett zur Verfügung, Minimum zwei Spieler waren immer weg, das geht leider so weiter", sagte er im "ZDF".

"Daran sieht man, wie wichtig es ist, mit allen Spielern immer zu arbeiten, auf und neben dem Platz."

Die Wertschätzung für Routinier Daniel van Buyten - einige Zeit nur Nummer 4 in der Reihenfolge der Innenverteidiger - dürfte so automatisch gewachsen sein.