Thomas Berthold stellt Hoffenheim und dem entlassenen Babbel ein vernichtendes Zeugnis aus. Bayern rät er zu einem Einkauf.

Hallo Fußball-Freunde,

Hoffenheim hat Markus Babbel entlassen ? und es darf keinen verwundern.

Man muss der Realität ins Auge sehen: Platz 15 ist vier Punkte weg und in Hamburg und gegen Dortmund läuft man Gefahr, dass sich der Abstand noch vergrößert.

Es war beeindruckend - im negativen Sinn - wie offen und naiv die Hoffenheimer gegen Bremen ins Spiel gegangen sind.

Das Erschreckende dabei ist: Ich sehe auch keine Persönlichkeit in der Mannschaft, die den Karren aus dem Dreck ziehen kann.

Die Zusammenstellung der Mannschaft stimmt für mich nicht. Da sind etablierte Spieler wie Derdiyok, Delpierre und Wiese geholt worden, die vom Typ her aber nicht zusammenpassen.

Da ist keine Hierarchie, keiner, der einen Ruck gibt. Die Spieler treten brav auf und spielen auch so, kommen nicht in Zweikämpfe, die gerade jetzt der Schlüssel wären.

Markus Babbel wird sich nach dieser verunglückten Amtszeit in der Bundesliga wieder hintenanstellen müssen. Ich halte es für fraglich, ob der nächste Klub, bei dem eine Stelle frei wird, auf ihn kommt.

Die Hoffenheimer machen auf mich keinen guten Eindruck, was Fitness und Athletik angeht. Mir fehlt da auch die Frische.

Andreas Müller hat ja nach dem Bremen-Spiel betont, dass die Fehler angesprochen worden sind, aber ich hab das schon oft genug mitgemacht: Es ist das eine, wenn man in der Theorie vor der Taktiktafel sitzt. Der Prozess, das was man da hört, auch auf dem Platz umzusetzen, muss ja auch funktionieren.

Wenn da im Spiel Laufwege und Zuordnungen nicht umgesetzt werden, kann da irgendwas nicht funktionieren. Da muss was schieflaufen in der Kommunikation oder der Trainingssteuerung. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Die Frage ist jetzt: Wer soll es statt Babbel machen? Hoffenheim braucht keinen Feuerwehrmann, sondern einen Trainer, der die Mannschaft und die Spieler wieder weiterentwickelt.

Ich sehe diese Entwicklung bei Hoffenheim nicht mehr, seit Ralf Rangnick da weg ist.

Im Spitzenspiel in München hätte ich mir von Dortmund gegen Bayern etwas mehr Mut gewünscht.

Der Punkt war letztlich doch sehr glücklich, wenn man sich die Torchancen ansieht, die Bayern am Ende noch hatte.

Bayern kann sich aber auch so als Gewinner des Gipfels fühlen, der Abstand auf Dortmund ist ja noch derselbe, das ist das Entscheidende.

Nach Holger Badstubers Kreuzbandriss muss sich Bayern aber fragen, ob sie nicht in der Winterpause auf der Innenverteidiger-Position was machen.

Ich fände es kritisch, wenn sich Bayern auf die Variante verlässt, Sechser wie Tymoshchuk oder Martinez nach hinten zu ziehen, wenn Boateng oder Dante mal ausfallen.

Meine Meinung zur Frage, ob Roman Weidenfeller in die Nationalmannschaft gehört, lautet übrigens: nein.

Auf der Torwartposition haben wir im DFB-Team die wenigsten Probleme. Weidenfeller spielt eine starke Saison, aber da sind für mich die Würfel gefallen.

Wir haben Neuer und Adler, dahinter die jungen Zieler, ter Stegen und Leno. Da einen Älteren dazwischen zu schieben, macht doch gar keinen Sinn.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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