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Klaus Allofs (r.) und Thomas Schaaf gewannen als Spieler für Werder den Europapokal © getty

Im zweiten Teil des Interviews der Woche spricht Klaus Allofs über Spielmacher Diego und einen Verzicht auf die Champions League.

Von Christian Paschwitz

München - Im zweiten Teil des Sport1-Interviews der Woche erklärt Werder-Sportdirektor Klaus Allofs seine Personalpolitik, Diegos Rolle in der Mannschaft und einen möglichen Verzicht auf die Champions League.

Sport1.de: Öffentlich wird Kritik an Ihrer Personalpolitik laut. Müssen Sie sich persönlich tatsächlich etwas ankreiden?

Allofs: Das Potenzial der Mannschaft ist groß genug. Wir brauchen uns auch nicht vorwerfen, wir hätten nicht genug getan. Wir haben im letzten Winter einen Mesut Özil verpflichtet, wir haben Claudio Pizarro dazu geholt. Wir haben jetzt Alex Tziolis dabei. Wir sind in allen Mannschaftsteilen gut aufgestellt. Wer gewinnt, hat am Ende recht. Aber trotz allem glauben wir, dass wir eine Mannschaft haben, die dauerhaft viel besser spielen kann.

Sport1.de: Aber: Werder macht Rekordumsätze, hat Millioneneinnahmen aus fünf Champions-League-Teilnahmen in Folge. Muss man dieses Geld dann nicht in neue Spieler investieren?

Allofs: Werder Bremen ist kein Klub, der im Geld schwimmt. Wir haben in der Vergangenheit Spieler verpflichtet und diverse Verträge verlängert. Unsere Mannschaft kostet Geld. Da sind nicht beliebig viele Mittel da, um einen Transfer zu realisieren. Wir verfolgen einen Kurs, der nicht jedes Risiko in Kauf nimmt.

Sport1.de: Fehlt Werder für einen Top-Platz schlichtweg ein Diego in Top-Form?

Allofs: Diego hat am Mittwoch gespielt und wir waren erfolgreich. Danach hat er nicht gespielt und wir waren nicht erfolgreich. Ich glaube keine Mannschaft der Welt könnte auf einen Diego in Top-Form verzichten. Aber auch auf keinen Claudio Pizarro oder auch Naldo oder Baumann.

Sport1.de: Es wäre also zu einfach, alles an Diego festzumachen?

Allofs: Natürlich müssten wir trotz allem gegen Bielefeld besser spielen können. Aber ohne diese Spieler ist es schwierig, diese Erwartungen zu erfüllen. Auch Aaron Hunt und Daniel Jensen haben uns gefehlt. Das alles macht uns sehr zu schaffen. Aber trotzdem wollen wir nicht das große Jammern anstimmen.

Sport1.de: In der Hinrunde gab es einige Rote Karten. Hat die Mannschaft ein Disziplin-Problem?

Allofs: In dieser Beziehung haben wir sicher ein Problem gehabt. Die Karten von Diego und Pizarro waren unnötig. Wir haben uns dort selber unsere stärksten Waffen geraubt.

Sport1.de: Erlebt Thomas Schaaf seine schwierigste Situation als Werder-Coach?

Allofs: Wir haben immer wieder Phasen gehabt, in denen die Entwicklung nicht so weiter gelaufen ist, wie geplant oder ein gewisser Stillstand da war. Das sind dann auch schwierige Situationen. Wir sind noch im DFB-Pokal und im UEFA-Cup. Aber unsere derzeitige Position in der Bundesliga wurmt uns schon.

Sport1.de: Ist die Symbiose Werder-Schaaf ein unauflösliches Modell a la Bremen, oder würde Schaaf irgendwann doch in Frage gestellt?

Allofs: Es ist kein besonderes Modell. Es ist ein Modell guter Trainer und gut geführter Verein. Solange die Arbeit gut fortgesetzt wird und der Verein auch weiterhin gut geführt wird, dann setzen wir das auch fort. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass Thomas Schaaf der richtige Trainer für uns ist und gute Arbeit leistet. Wir sind überzeugt und die Trainerfrage stellt sich bei uns nicht.

Sport1.de: Und eine Niederlage auf Schalke würde daran auch gar nichts ändern?

Allofs: Natürlich nicht. Das Ganze ist nicht von einer Bundesliga-Partie abhängig. Solche Entscheidungen werden lang- oder mittelfristig getroffen. Darauf hat ein Ergebnis keinen Einfluss.

Sport1.de: Ist Schalke für Sie ein Schicksalsspiel?

Allofs: Bielefeld war auch ein Schicksalsspiel. Dementsprechend muss man die Spiele auch angehen. Das erwarte ich auch. Man wird dann sehen, ob die Mannschaft gut genug ist. Gegen Dortmund hat man gesehen, dass jeder alles gegeben hat. Das erwarte ich auch gegen Schalke.

Sport1.de: Welches Saisonziel ist für Werder jetzt noch realistisch?

Allofs: Unser Ziel ist es, möglichst alle Spiele zu gewinnen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir am Ende eine bessere Tabellenposition haben, als es jetzt der Fall ist. Ich hoffe, dass diese dann reicht, um international zu spielen.

Sport1.de: Was würde für Werder ein Jahr ohne die Königsklasse bedeuten?

Allofs: Wir sehen die Champions League nicht als selbstverständlich an. Deshalb darf man die Planung auch nicht zwangsläufig darauf aufbauen. Natürlich würde das bedeuten, dass man den Gürtel enger schnallen müsste, weil man Einnahmen um die 20 Millionen nicht zu Verfügung hätte, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass wir anfangen würden, unsere Spieler zu verkaufen.

Zum ersten Teil des Interviews der Woche>>>

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