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Marcel Schmelzer (l.) sah die erste Rote Karte seiner Bundesliga-Karriere © imago

Die Rote Karte für Schmelzer erhitzt nach der Dortmunder Pleite gegen Wolfsburg die Gemüter. Die Spieler bekommen einen Maulkorb.

Von Martin Hoffmann und Thorsten Langenbahn

Dortmund/München - "Unfassbar!", zischte es deutlich vernehmbar von Michael Zorcs Lippen.

Deutlich vernehmbar auch für Schiedsrichter Wolfgang Stark, der sich nach der bitteren Dortmunder 2:3-Pleite gegen den VfL Wolfsburg (Spielbericht) vor dem BVB-Manager auf dem Weg in die Kabine machte.

Geschützt von Regenschirmen der Ordner vor fliegenden Bierbechern und anderen Wurfsgeschossen erboster BVB-Fans.

Den Spielern verboten die Oberen von Borussia Dortmund lieber gleich ganz den Mund.

Zu groß war die Angst, dass ihnen vor den Reportern etwas rausrutschte, was "menschlich, aber nicht mehr hilfreich" ist, wie Coach Jürgen Klopp bei LIGA total! erklärte.

"Ungerecht behandelt"

Klopp fasste selbst zusammen, was seine Schützlinge dachten über die unberechtigte Roten Karte gegen Marcel Schmelzer und den ebenso unberechtigten Elfmeter:

"Meine Spieler fühlen sich sehr ungerecht behandelt."

Vor allem deshalb, weil Starks Fehlentscheidung dazu führte, dass aus dem bis dahin "besten Heimspiels seit ewigen Zeiten" (Klopp) noch ein ganz bitterer Nachmittag wurde ( 648991 DIASHOW: Der 16. Spieltag ).

Handspiel, das keines war

Ein Handspiel hatte Stark gesehen, als Schmelzer sich in Minute 35 einem Schuss von Wolfsburg Bas Dost in den Weg stellte.

In Wahrheit war der Ball an Schmelzers Knie und Oberschenkel abgeprallt - ganz davon abgesehen, dass die Situation wegen einer Abseitsstellung zuvor ohnehin hätte abgepfiffen werden müssen.

Stark sah es anders und die Konsequenz war nicht nur, dass Diego Marco Reus' frühe Führung per Elfer ausglich.

"Nach der Roten Karte dem Chaos Tür und Tor geöffnet", ärgerte sich Klopp: "Alle waren hektisch, alle waren unruhig."

Keine Kraft für ein Aufbäumen

Dem daraus resultierenden 1:2 durch Naldo (41.) konnte der BVB zwar noch den Ausgleich durch einen Foulelfmeter von Jakub Blaszczykowski (61.) entgegensetzen.

Nach dem dritten Wolfsburg-Tor durch Bas Dost 17 Minuten vor Schluss aber war die Luft raus bei den von Champions League und Verletzungen zermürbten Westfalen.

"Irgendwann haben wir dem Riesenaufwand, den wir betreiben mussten, Tribut zollen müssen", gestand Klopp ein.

14 Punkte hinter Platz eins

Die Konsequenz ist, dass Dortmund sich Sorgen um das Verpassen der Champions-League-Qualifikation machen muss.

Von den nun 14 Punkten Rückstand auf den erstplatzierten FC Bayern redet in Dortmund schon keiner mehr (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Für ein wenig Genugtuung sorgte an dem Abend nur, dass Stark hinterher Abbitte für seinen Fehler leistete.

Stark entschuldigt sich

Von einem "Wahrnehmungsfehler" sprach der Unparteiische nach Ansicht der TV-Bilder und bezeichnete Strafstoß wie Platzverweis als Irrtum: "Es tut mir leid, das darf nicht passieren."

Um eine Sperre kommt Schmelzer wegen Starks Ehrlichkeit wohl auch herum: Der DFB kündigte an, dass der Kontrollausschuss die Einstellung des Verfahrens beantragen werde.

Für Klopp wird es nur bedingt ein Trost sein, fand er doch: "Der Elfmeter und die Rote Karte haben das Spiel entschieden."

Diego: "Waren besser als sie"

Die Wolfsburger mochten das so dann nicht stehen lassen.

"Die Situationen vor dem Elfmeter und dem Platzverweis war keine Geschenke, sondern Dinge, die man sich herausgearbeitet hat", meinte VfL-Manager Klaus Allofs.

Und Diego, der neben seinem Tor auch noch durch zwei Vorlagen - und seinen neuen Retro-Schnauzbart -glänzte, hielt gegenüber SPORT1 fest:

"Das war kein glücklicher Sieg. Wir waren heute besser als sie."

Klopp trifft es brutal

Klopp sah das anders: "Klar ist, beim Spiel elf gegen elf hätte es nur einen Sieger gegeben."

Was stattdessen passierte, nannte er "skurril und brutal hart für uns", war dabei aber sichtlich bemüht, in Sachen Stark nicht zu viel Öl ins Feuer zu gießen.

Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nahm nach eigenen Worten "meinen letzten Rest an Selbstbeherrschung" zusammen.

Watzke-Seitenhieb auf Fröhlich

Nicht verkneifen konnte er sich in der "ARD" aber einen Hieb auf DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich, der Klopp kürzlich als Seitenlinien-Aggressor gebrandmarkt hatte.

"Der Herr Fröhlich, der sich sonst zu jedem Unfug äußert, sollte sich mal damit beschäftigen, dann hätte er genug zu tun."

Ehrliche Gelassenheit verströmte beim Schiedsrichter-Thema nur einer.

"Es war ein Fehler, aber Schiedsrichter sind nun mal keine Maschinen", meinte nach Abpfiff gönnerhaft ein gewisser Spieler mit auffälligem Schnurrbart.

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