vergrößern verkleinern
Gladbachs zwei Torschützen unter sich: Mike Hanke (l.) und Juan Arango © imago

Juan Arango führt die Borussia zum Sieg und weckt wieder Europacup-Hoffnungen. Die Mainzer trauern vergebenen Chancen nach.

Von Tobias Wiltschek

München - Trainer Lucien Favre eilte nach dem Schlusspfiff auf den regenschweren Rasen und feierte mit seinen Spielern einen schmeichelhaften Erfolg.

Eine sehenswerte Kombination und ein "Tor des Monats" genügten, um Borussia Mönchengladbach den Weg in Richtung Europacup-Plätze zu ebnen.

"Wir haben ein bisschen glücklich gewonnen. Aber danach fragt nach Weihnachten niemand mehr", sagte Torschütze Mike Hanke erleichtert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach einer Hinrunde voller Höhen und Tiefen ließ gegen Mainz 05 (Bericht) aber vor allem der Treffer von Juan Arango Erinnerungen an die furiose Vorsaison wach werden.

Nach einem Abwehrversuch des Mainzer Ersatztorwarts Heinz Müller hob der Venezolaner den Ball von der linken Seitenauslinie aus 44 Metern Entfernung ins Tor ( 648991 DIASHOW: Der 16. Spieltag ) .

Müller sieht nicht glücklich aus

Müller war für den Rot-gesperrten Christian Wetklo in den Kasten der Gäste gerückt, sah bei beiden Gegentreffern aber nicht glücklich aus.

"Das war schon ein fantastischer Treffer. Der Torwart war draußen, und ich wusste, jetzt oder nie. Vor allem wusste ich, es muss schnell gehen", schilderte Kunstschütze Arango bei LIGA total! seinen Geistesblitz aus der 63. Minute.

Hanke setzte dem Ball noch nach und hätte Arango den Treffen beinahe noch "geklaut". Doch die verlangsamten Bilder zeigten, dass der Stürmer den Ball erst hinter der Linie ins Netz trat.

Hanke gönnt Arango das Tor

"Ich wusste nicht genau, ob der Ball vorher noch mal auftippt oder an die Latte geht", erklärte Hanke seinen Torschuss. "Letztendlich ist es aber auch schön, dass der Juan so ein Tor gemacht hat. Ich überlasse es ihm."

Der 29-Jährige hatte sein Erfolgserlebnis schließlich schon fünf Minuten zuvor, als er den bis dato schönsten Angriff der Gladbacher mit dem Tor zur Führung abgeschlossen hatte.

Der blonde Angreifer wurde zur zweiten Halbzeit eingewechselt und erzielte nicht einmal eine Viertelstunde später das erste Joker-Tor der Borussia in dieser Saison.

Mit dem Sieg findet die Borussia, die nur eines der vergangenen zehn Pflichtspiele verloren hat, wieder Anschluss an die Europacup-Ränge.

Ein Punkt Rückstand

Nur ein Punkt beträgt der Rückstand auf den fünften Rang.

Dabei täuschten die beiden Tore darüber hinweg, dass der fünfmalige Deutsche Meister gegen die zuletzt stark auftrumpfenden Mainzer lange Zeit das schlechtere Team war.

"Die zweite Halbzeit war entscheidend, nicht die erste. Vor der Pause war Mainz viel besser, vor allem bei Ballbesitz", musste auch Gladbachs Trainer Lucien Favre zugeben.

Mit Zuversicht nach München

Nun tritt Gladbach bei Bayern München an, im letzten Spiel der Hinrunde will es die Borussia dem weit enteilten Tabellenführer aus München so schwer wie möglich machen.

"Zieht den Bayern die Lederhosen aus", skandierte der Anhang noch vor dem Abpfiff. Nach dem Sieg gegen Mainz können die Gladbacher ohne Druck zum Saisonausklang in die bayerische Hauptstadt reisen.

Die Mainzer sind nach ihrem Höhenflug bis auf Platz sechs wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

"Spätestens nach dem 2:0 war die Entscheidung gefallen", sagte ein frustrierter Thomas Tuchel bei LIGA total!. "Danach hatten wir keine Struktur mehr".

Ivanschitz und Parker scheitern

Der Coach sah in der ersten Halbzeit eine überhlegene Mainzer Mannschaft, die ihre Torchancen durch Andreas Ivanschitz und Shawn Parker aber nicht nutzen konnte.

Auch Adam Szalai agierte an seinem 25. Geburtstag vor dem Tor nicht zielstrebig genug.

So mussten die Rheinhessen die Gladbacher wieder an sich vorbeiziehen lassen und fielen bis auf Rang elf zurück.

"Wir haben ein merkwürdiges Spiel verloren", meinte FSV-Manager Christian Heidel. "Mit dem ersten gescheiten Spielzug trifft Gladbach. Aber das Spiel reiht sich an die Auswärtsspiele zuvor in Hamburg und Bremen, in denen wir auch Punkte verdient gehabt hätten."

Heidel lässt Tuchel nicht gehen

Der Manager konnte sich am Ende wenigstens damit trösten, dass der Trainer auch weiterhin in Mainz bleibt. "Bevor Tuchel zu Schalke 04 wechselt, wechselt Messi zu uns", machte er klar.

In den vergangenen Tagen waren Spekulationen aufgekommen, wonach der 05-Trainer bei den Königsblauen als möglicher Nachfolger von Huub Stevens im Gespräch sei.