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Huub Stevens begann seine Trainerlaufbahn 1993 bei Roda Kerkrade © getty

Schalkes Krise ist zu einer Debatte um Stevens mutiert. Heldts Aussagen lassen tief blicken. Es geht um Schadensbegrenzung.

Von Christian Paschwitz und Matthias Becker

München - Zeiten ändern sich: Es war erst Ende Oktober, da träumten beim FC Schalke 04 einige bereits von den ganz großen Zielen.

Im Revier-Derby wurde Erzrivale Dortmund ein Denkzettel verpasst, Königsblau als erster Bayern-Jäger im Kampf um die Meisterschale gehandelt.

Und in der Königsklasse hatte das Team von Huub Stevens mit einem 2:0 bei Arsenal erstmals seit 1958 wieder Zählbares von der Insel mit nach Hause genommen.

Der Trainer als der große Erfolgsgarant - doch nach inzwischen fünf sieglosen Spielen in Serie und zuletzt nur fünf Punkten aus sieben Partien steht der Name Stevens für Abschied. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Krisen-Debatte wird Stevens-Debatte

Spätestens nach der desolaten 1:3-Pleite in Stuttgart (Bericht) ist die S04-Krise zu einer Debatte um die Zukunft des Niederländers mutiert.

Hinter vorgehaltener Hand geht es mittlerweile schon gar nicht mehr darum, ob Stevens seinen zum Sommer auslaufenden Vertrag verlängert, sondern ob der 59-Jährige überhaupt noch bis Saisonende weiterarbeiten darf.

"Mein Gefühl sagt mir, dass für Huub Stevens im Sommer auf Schalke Schluss ist", meint dazu auchThomas Berthold in seiner SPORT1-Kolumne. (EXKLUSIV: Die Berthold-Kolumne)

Berthold zweifelt an Trainer-Verbleib

Und Berthold ergänzt: "Ich weiß nicht, ob Stevens noch die Motivation hat, über den Sommer hinaus die Mannschaft zu trainieren. Und die Verantwortlichen bei Schalke müssen sich fragen, ob Stevens der Trainer ist, der die Mannschaft in den nächsten Jahren prägen kann."

Von den Protagonisten selbst gibt es dazu wenig fruchtbare Statements.

Stevens glaubt, dass die Diskussion "nur von außen geführt" wird. Sportchef Horst Heldt wiederum hat keine Lust mehr, sich zur Trainerfrage zu äußern.

Es geht um Schadensbegrenzung

Dennoch: In den beiden verbleibenden Spielen bis zur Winterpause gegen Freiburg und im Pokal gegen Mainz geht es nur noch um Schadensbegrenzung: "Dann gucken wir, wo wir stehen", sagt Heldt, "und bewerten die Arbeit der Mannschaft."

[kaltura id="0_lofab7vf" class="full_size" title="Marica Haben Unruhe und Probleme "]

Doch das Zeugnis für die Mannschaft wird dann automatisch auch eins für den Trainer, der weder auf einen Treueschwur zu warten braucht, noch selbst ein Bekenntnis zum Klub abliefert.

Was tief blicken lässt. Vor einer Woche hatte der Manager hinsichtlich der für die WInterpause angedachten Vertragsgespräche mit dem Coach erklärt: "Huub Stevens genießt eine hohe Wertschätzung. Das heißt aber nicht, dass wir in den nächsten zehn Jahren noch zusammenarbeiten werden."

Und weiter: "Das eine ist eine Wertschätzung - das andere eine Entscheidung für die Zukunft."

Wird Stevens geopfert?

Am liebsten wäre es den Schalke-Bossen wohl natürlich, bekäme ihr - wegen seiner Verdienste nach der Übernahme für Ralf Rangnick - nach wie vor geschätzter Jahrhundert-Trainer nun rasch die sportliche Kurve.

Dann ließe sich am Saisonende auch ein harmonische Verabschiedung mit Blumensträußen und viel Herzschmerz zelebrieren.

Setzt sich der Sinkflug jedoch fort und gerät dadurch auch die erneute Qualifikation für das Millionengeschäft Europapokal in Gefahr, dürfte die Verbundenheit mit Stevens schwer auf die Probe und der Niederländer zweifelsfalls auch geopfert werden.

Spekulationen um mögliche Nachfolger

Und doch könnte Schalke dann in einem Dilemma stecken - wenn nämlich keine personelle Alternative für Stevens in der Pipeline steckt.

Namen von Kandidaten werden immer wieder gehandelt. Der Ur-Schalker und jetzige Fürth-Coach Mike Büskens naturgemäß genannt.

Die "Süddeutsche Zeitung" bringt auch Bruno Labbadia ins Gespräch, dessen Vertrag beim VfB Stuttgart im Sommer ausläuft.

Eher Messi als Tuchel

Das Gerücht, auch Mainz-Coach Thomas Tuchel wäre ein Kandidat, erweist sich als wenig substanziell und sorgt bei den Betroffenen für Verstimmung.

"Ich finde es sehr traurig, dass so viele Journalisten auf eine nichts sagenden Schlagzeile drauf hüpfen, obwohl es weder eine einzige Quelle, noch einen sachlichen Hintergrund gibt", erklärte 05-Manager Christian Heidel im Gespräch mit SPORT1.

"Wenn es nach mir geht, kann Thomas Tuchel morgen einen Vertrag bis 2020 unterschreiben. Fakt ist: Wir beide haben uns in die Hand versprochen, dass wir diesen Weg bis 2015 zusammen gehen", versicherte Heidel weiter:

"Deswegen wird Thomas Tuchel nicht zu mir kommen und sagen: 'Wir haben zwar einen Vertrag bis 2015, aber jetzt hat Schalke 04 angerufen'. Das macht er nicht."

Sorgen um Papadopoulos

Auf Schalke sportliche Trendwende null Einfluss nehmen kann derweil Kyriakos Papadopoulos.

Schalkes Abwehrmann musste sich am Montagmorgen einer Knie-Operation unterziehen und droht lange auszufallen. Zumindest ein Knorpelschaden wird inzwischen ausgeschlossen.

Aber Schalke hat momentan ja auch schon genug Probleme.

Um sich voll auf die Schadensbegrenzung konzentrieren zu können, wurden alle Medientermine der Spieler bis zur Winterpause abgesagt.

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