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Andrej Voronin (r.) erzielte gegen Bielefeld sein viertes Saisontor © getty

Mit einer guten Leistung verhindert Arminia Bielefeld Herthas Sprung an die Spitze. Favre hat dabei seine ganz eigene Logik.

Bielefeld - Nachdem der erhoffte Sprung an die Tabellenspitze der Bundesliga nur zu einem 27-Minuten-Vergnügen geworden war, blickten bei Hertha BSC Berlin alle schon der großen Reifeprüfung gegen Meister Bayern München entgegen.

"Das wird ein tolles Spiel in einem vollen Stadion", meinte Torhüter Jaroslav Drobny nach dem 1:1 (1:1) bei Abstiegskandidat Arminia Bielefeld:

"Das Schöne ist: Wir wollen die drei Punkte, Bayern braucht sie. Die stehen definitiv mehr unter Druck als wir."

Dennoch ist das Spitzenspiel am kommenden Samstag im Olympiastadion auch für die Hertha ein wegweisendes. Denn das Topspiel könnte zeigen, ob der Hauptstadt-Klub wirklich in der Lage ist, in der Liga-Spitze mitzuspielen.

Die Partie in Bielefeld konnte in dieser Hinsicht nämlich keinen sicheren Aufschluss geben.

Taktisch reife Leistung

40 Minuten lang agierte die Hertha scheinbar unbeirrt vom Fehlen des Kapitäns Arne Friedrich, des Mittelfeldstrategen Gojko Kacar sowie des besten Torschützen Marko Pantelic wie eine Spitzenmannschaft.

Sie zeigte keinen berauschenden Offensiv-Fußball a la Hoffenheim, beeindruckte aber mit einer taktisch reifen Leistung.

Was den Auftritt der Berliner von dem einer Spitzenmannschaft unterschied: Nach dem 1:0 durch den sehr starken Andrej Woronin (13. ) machten sie den Sack nicht zu, brachten den eigentlich klar dominierten Gegner durch einige Unachtsamkeiten beim 1:1 des Ex-Herthaners Artur Wichniarek (40.) wieder ins Spiel.

Am Ende hatten sie Torhüter Drobny und sogar Glück, nicht noch verloren zu haben.

Fravres Logik

So blieb es ein Traum, erstmals in der Vereinsgeschichte in der Rückrunde als Tabellenführer zu übernachten. Was aber niemanden so recht zu stören schien.

"Es wäre schön gewesen. Aber bei uns denkt niemand an Platz eins", meinte Abwehrspieler Steve von Bergen.

Und Trainer Lucien Favre übte sich mit ganz eigener Logik gar in tiefster Demut. Mit dem Punkt beim Tabellen-14. müsse man zufrieden sein, "denn man darf nicht vergessen, dass sie 2:1 in Bremen gewonnen und wir dort 1:5 verloren haben."

Geld für Stars fehlt

Ob Favre seinen Spielern genug Selbstvertrauen einimpft, scheint demnach fraglich. Das System, das er seinem Team verordnet hat, greift aber.

Was fehlen, sind die Stars. Doch dafür fehlt den Berlinern das Geld. So wohl auch für eine Verpflichtung der Liverpooler Leihgabe Woronin, die die Hertha im Gegensatz zu Pantelic gerne halten würde.

Dies bleibt angesichts der derzeit aufgerufenen Summen ein frommer Wunsch.

Auch deshalb hatte Manager Dieter Hoeneß vor dem Spiel geklagt, dass ein "Fußballklub nicht gleichzeitg arm und sexy sein kann".

gefestigte Arminia

Besonders mitreißenden Fußball spielt auch die Arminia nicht, der Vereinsrekord einer sechsten Bundesliga-Saison in Folge scheint aber zum Greifen nahe.

Denn auch wenn die Ostwestfalen wie beim Überraschungs-Coup bei den ohne Diego und Claudio Pizarro angetretenen Bremern vom Fehlen zahlreicher Korsettstangen des Gegners profitierten, beweist die Statistik von nur einer Niederlage aus sieben Spielen (in Hoffenheim) eines:

Von den fünf Abstiegskandidaten scheint die Arminia das mit Abstand gefestigste Team zu haben.

Wichniarek der Torgarant

Und vor allem hat sie in Wichniarek eine Art "Lebensversicherung".

Zwölf der 18 Saisontore hat der Pole nun geschossen. Nach dem 1:1 gegen seinen Ex-Klub sprach er von zwei verlorenen Punkten. Den Sieg vergab Sturmpartner Chris Katongo zweimal in aussichtsreicher Position.

"König Artur" kann eben nicht alles alleine richten.

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