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Grenzenloser Jubel: Fortuna Düsseldorf spielte zuletzt vor 25 Jahren in der Bundesliga © getty

Fortunas Fans feiern nach dem Hannover-Sieg ein traumhaftes Jahr. Nur der Trainer macht nicht mit, gibt aber immerhin trainingsfrei.

Düsseldorf - Am Ende eines fast perfekten Jahres war bei Fortuna Düsseldorf Zeit für Besinnlichkeit.

Die Fans sangen noch einmal siegestrunken die Toten-Hosen-Hymne "Tage wie diese", der Matchwinner Ken Ilsö berichtete von seinem Traumfreistoß, und sehr viele dachten zurück an die verrückt-chaotischen Relegationsspiele gegen Hertha BSC.

Norbert Meier jedoch war nach dem 2:1 gegen Hannover 96 (Bericht) zum Hinrunden-Abschluss für Sekunden so bissig wie nach einem Abstieg. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich frage mich, ob ich mir Strähnchen machen lasse, so viele graue Haare bekomme ich! Es ist unfassbar, wenn ich sehe, wie man so verantwortungslos sein kann", schimpfte der Trainer während der Pressekonferenz.

Sein Opfer: Aushilfs-Innenverteidiger Adam Bodzek.

Das Vergehen: ein Fehlpass beim Stande von 0:0. ( 651835 DIASHOW: Der 17. Spieltag )

"Heiligabend trainingsfrei"

Mit etwas Abstand besann sich aber auch der Trainer auf die "nötige Nächstenliebe", gespielt gnädig verkündete er:

"Das Team hat sich verdient, an Heiligabend trainingsfrei zu haben."

Das war vor allem das Verdienst von Spielmacher Ilsö, der in der 83. Minute aus 20 Metern genau in den Winkel zum Siegtor traf.

"Halt die Schnauze - dann habe ich das Ding reingemacht"

Dabei ging es vor dem Siegtor etwas herzhafter zur Sache.

"Stefan Reisinger hat mich provoziert, ich würde eh nicht treffen", sagte Ilsö.

Seine Reaktion: "Halt die Schnauze - dann habe ich das Ding reingemacht."

Am Abend auf ein Altbier

Und so konnte der Däne seine beiden eigens für das Spiel angereisten Cousins am Abend auf ein Altbier einladen.

Und eine wahlweise "sensationelle" (Torhüter Fabian Giefer), "überragende" (Leon Balogun) oder "unfassbare" (Andreas Lambertz) Hinrunde auch gebührend begießen.

Manager Wolf Werner konnte es kaum glauben - 21 Punkte bedeuten vielleicht schon mehr als die halbe Miete im Kampf gegen den Abstieg.

"Ich bin hier hingekommen, um diesen Verein aus der 3. Liga zurück in die 2. Liga zu bringen", sagte der 70-Jährige.

"Dass wir jetzt in der Bundesliga sind und solch eine Halbserie spielen, ist unglaublich."

2004 noch viertklassig

2004 war die Fortuna noch viertklassig, der Aufstieg verlief derart atemberaubend, das manchmal jemand bremsen muss, ehe noch alle durchdrehen.

"Schicki-Micki-Fußball" jedenfalls, forderte Norbert Meier, dürfe nicht Einzug erhalten.

Und, übrigens, Montagmittag, am Tag vor dem Pokal-Achtelfinale bei Drittligist Kickers Offenbach, sei natürlich keine Pressekonferenz:

Kein Bock auf Kartoffelsalat mit Würstchen

"Da gibt's immer Kartoffelsalat mit Würstchen, das habe ich satt."

Ganz andere Sorgen hat Mirko Slomka. Nicht nur, weil seiner Mannschaft am Mittwoch die deutlich schwierigere Pokalaufgabe bei Borussia Dortmund bevorsteht, sondern auch, weil seine Mannschaft gerne Punkte verschenkt.

"Wir müssen viel cleverer werden", sagte der neue Bundesliga-Rekordtrainer der 96er (101 Spiele), "auswärts auch einfach mal ein 1:1 mitnehmen." So überwintert "96" im grauen Mittelfeld der Liga.