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Der FC Bayern verlor keines seiner jüngsten 13 Pflichtspiele © imago

Die Auslosungen kommen Sammer und Rummenigge recht. Der BVB erntet einen forschen Spruch, Riberys Rot soll Lernhilfe sein.

Von Christian Paschwitzund Mathias Frohnapfel

München - Karl-Heinz Rummenigge hatte keine Mühe, die Zeichen der beiden Auslosungen zu interpretieren.

Im DFB-Pokal-Viertelfinale muss der FC Bayern ins nächste Gigantenduell gegen Dortmund, im Achtelfinale der Champions League lauert Arsenal mit Lukas Podolski (Bericht).

"Wir müssen ab dem 2. Januar vom ersten Tag an arbeiten", forderte Bayerns-Vorstandboss daher.

Das Hammerlos Dortmund und die reizvolle Aufgabe gegen die Gunners kommt Rummenigge da zu Motivationszwecken gerade recht.

Soll bloß kein Profi in den Weihnachtsferien auf die Idee gekommen, der FCB sause nach der Prachthinrunde wie auf Skiern den Titeln entgegen.

"Das sind drei Begegnungen, in denen wir unter Beweis stellen müssen, dass wir im UEFA-Ranking im Moment zu Recht Platz zwei einnehmen", sagte Rummenigge.

Rummenigge: "Das war großes Kino"

Mit einem Schmunzeln hatte er am Mittwochabend Fernsehen geschaut und einen Ex-Bayern als Losfee für den DFB-Pokal begutachtet.

"Die Auslosung war ja großes Kino, wenn man unseren Olaf Thon gesehen hat und dann die Reaktionen aus Dortmund", meinte Rummenigge - erfreut über das Heimspiel.

Und eine Spitze in Richtung des BVB-Geschäftsführers folgte sogleich: "Herr Watzke kommt ja immer gerne in das Land, wo Milch und Honig fließt, wenn ich ihn zitieren darf."

Für Rummenigge, aber auch für Sportvorstand Matthias Sammer ist das "verfrühte Finale" wie ein Köder, der die Bayern bis Ende Februar locken soll.

Der große Triumph über Dortmund fehlt dem FCB noch, um die vergangenen zwei titellosen Jahre zu verarbeiten.

Selbst Sammer, bekannterweise superehrgeizig, schaltet aber nun erstmal in den "Weihnachtsmodus".

Ein Zustand, der bis zum Start ins Trainingslager in Katar am 2. Januar andauern soll - bis dahin können sich die Bayern-Stars in ihrem Winterurlaub entspannt zurücklehnen.

Sammer: "Wunderbare Vorgabe" für Rückrunde

Wenig verwunderlich, tanzen die Bayern nach der Herbstmeisterschaft und dem Weiterkommen auch in der Champions League nach wie vor auf drei Titel-Hochzeiten: Vor allem der äußerst komfortable Vorsprung in der Liga mit neun Punkten vor Leverkusen und zwölf vor Dortmund befriedigt.

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Und selbst dem Platzverweis für Franck Ribery nach der Tätlichkeit in Augsburg (Bericht) gewann Sammer mit etwas Abstand etwas Pädagogisch-Positives.

"Wir müssen in diesen Phasen besser und cooler reagieren", meinte Sammer.

Und ergänzte: "Aber das ist doch eine wunderbare Vorgabe für die zweite Halbserie, um in diesem Bereich weiter dazuzulernen und nicht zu meinen, wir sind schon überall perfekt."

Ribery-Rot als Lernhilfe

Eine Rote Karte, wie sie sich unlängst auch schon Jerome Boateng in der Champions League gegen BATE Borissov eingehandelt hatte, quasi als unorthodoxe Lernhilfe für die ganz großen Ziele.

Ist also wirklich niemand böse auf Riberys Fauxpas? Wie man's nimmt.

"Über die Begrifflichkeiten muss ich nachdenken, aber erfreut waren wir sicher nicht", sagte Sammer, den jedoch noch das Zwei-Spiele-Sperre-Strafmaß für Ribery erbost:

"Ich persönlich respektiere es überhaupt nicht und bin stocksauer, dass in dieser Diskussion ein Mann, der einen rabenschwarzen Tag hatte, überhaupt nicht zur Diskussion steht. Das kann ich nicht verstehen?, sagte der Sport-Vorstand der "Bild" mit Verweis auf Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer. (NEWS: Sammer sauer über Ribery-Sperre)

Schweinsteiger begeistert über Dominanz

In einem Punkt sind sich die Bayern indes einig nach 20 Pflichtspielsiegen.

Man sei "sehr stolz, auch wenn wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben und in der Rückrunde weiterhin Gas geben müssen", sagte Bastian Schweinsteiger.

Der Vize-Kapitän, immerhin schon seit 2002 Bayern-Profi, kann sich "nicht erinnern, dass eine Mannschaft in der Hinrunde so dominant war".

Das Team sieht er der "Perfektion sehr nahe, die im Moment nur Barcelona besitzt", erklärte der 28-Jährige in der "Bild".

Sammer: "Sind überall gut dabei"

Der titelhungrige Sammer meinte aber auch kritisch: "Wir sind überall gut dabei. Aber 'dabei' stand noch nie auf einer Autogrammkarte unter Erfolge. Das letzte Jahr sollte uns ein warnendes Beispiel sein."

Mehr als ein kurzes Hochlegen der Füße in die Weihnachtsferien soll es deshalb nicht geben.

"Wir haben aus dem letzten Jahr gelernt, dass wir kein Halleluja machen", warnte auch Rummenigge.

Nur zwei Pflichtspiel-Pleiten

Da waren die Bayern komplett leer ausgegangen. Nun gingen bis zur Winterpause nur zwei von 27 Pflichtspiele verloren.

In der Rückrunde soll es deshalb genauso weitergehen, die Grundlagen dafür sollen im Morgenland gelegt werden.

Sieben Tage lang wollen sich die Bayern während des Winter-Trainingslagers in Katar trimmen, ehe es am 9. Januar per Direktflug zurück nach München geht.

Fürth erster Rückrunden-Gegner

Am 19. Januar kommt Greuther Fürth, der erste Rückrunden-Kontrahent in die Allianz Arena.

Tags darauf - wohl auch auch der Spielpraxis wegen - steht ein Freundschaftsspiel bei Insolvenz-Klub Alemannia Aachen an.

Zuvor testen die Bayern bereits beim FC Basel (12. Januar) und bei der SpVgg Unterhaching (13. Januar).