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BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH: Die Vereinsführung um Sportchef Max Eberl sieht keinen akuten Optimierungsbedarf beim Tabellen-Vierten. Auch Abgaben sind derzeit nicht geplant
Max Eberl löste im Oktober 2008 Christian Ziege als Sportdirektor in Gladbach ab © getty

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl spricht bei SPORT1 über die Abkehr vom Spektakel-Fußball und die Integration der Neuzugänge.

Von Mike Lukanz

München - Für Borussia Mönchengladbach endet in wenigen Tagen das erfolgreichste Kalenderjahr seit langem.

Nach Platz vier in der Vorsaison überwintert die Mannschaft von Trainer Lucien Favre in dieser Spielzeit im Europapokal (BERICHT: Gladbach spielt gegen Klose).

Auch den personellen Umbruch im Sommer hat die Borussia mittlerweile gut gemeistert. Mit Platz acht und nur einen Zähler Rückstand auf die Europa-League-Plätze kann man am Niederrhein zufrieden sein (DATENCENTER: Die Bundesliga).

Entsprechend positiv fällt auch das Fazit von Max Eberl aus. Zumal sich Gladbachs Sportdirektor auch auf Lazio, Gegner in der Zwischenrunde der Europa League, freut.

"Das ist ein super attraktives Los für uns, aber auch ein sehr schweres. Die Spiele gegen Lazio werden zu einer tollen Herausforderung", meint Eberl.

Bei SPORT1 spricht er über die vergangenen zwölf Monate, den neuen Pragmatismus und die schwere Integration der Neuzugänge.

Außerdem fordert Eberl Transferperioden für Trainer und Manager.

SPORT1: Max Eberl, die Borussia begann das Jahr 2012 mit einem spektakulären 3:1-Sieg über den FC Bayern und schloss es nun mit einem glücklichen 1:1 beim Rekordmeister. Wo steht der Verein denn im Jahr 2012?

Max Eberl: Für mich war von Beginn meiner Arbeit klar, dass wir uns als Verein sukzessive entwickeln und kein Harakiri machen wollen. Clever wirtschaften, junge Talente entdecken und auch durch Spielerverkäufe Geld verdienen. Das ist uns, das bisschen Eigenlob sei erlaubt, bislang ganz gut gelungen. Wir stehen nun auf Platz acht mit 25 Punkten ? das ist die Tabellenregion, die ich mir vor vier Jahren als mittelfristiges Ziel erwünscht hatte.

SPORT1: Diese 25 Punkte haben Sie ohne die teuren Zugänge geholt. De Jong fiel lange aus, Xhaka sitzt seit Wochen auf der Bank, Dominguez hatte anfangs Abstimmungsprobleme. Hätte es da das viele Geld im Sommer überhaupt benötigt?

Eberl: Granit musste lernen, ein bisschen Demut vor der Bundesliga zu zeigen und Luuk fiel zu einem Zeitpunkt aus, wo er sich langsam zu akklimatisieren begann. Wir haben jedoch eine Basis, die so gefestigt ist, dass die Neuen sich integrieren können. Das war immer unser Bestreben. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass ter Stegen erst 20 ist, Nordtveit und Jantschke erst 22 und Herrmann 21.

SPORT1: Optimistisch gesprochen, machen die Zugänge die Mannschaft möglicherweise noch stärker und erfolgreicher. Negativ gedacht: Wenn Borussia ihre zuletzt gezeigte Effektivität verliert, geht es tabellarisch schnell wieder nach unten, denn das Team spielt zurzeit weder dominant noch attraktiv.

Eberl: Ich erinnere mich an vergangene Saison. Da hieß es immer: "Wenn Euch der Reus bald fehlt, wer soll denn da die Tore schießen?", jetzt haben wir zehn oder zwölf verschiedene Torschützen, da sagen alle: "Euch fehlt ein Knipser!" Es gibt nicht die eine Wahrheit. Richtig ist, dass wir nicht mehr so attraktiv spielen. Doch auch hier möchte ich an die vergangene Saison erinnern, als wir sehr viele Partien hatten, in denen wir uns zu einem 0:0 oder 1:1 gequält haben. Und zwar mit Marco Reus, Roman Neustädter und Dante.

SPORT1: Dennoch: Ist der rauschende Offensivfußball nicht zwangsweise einem gewissen Pragmatismus gewichen?

Eberl: Schauen Sie doch, welche Führungsrolle Reus, Dante und Neustädter nach diesen vier Monaten in ihren neuen Vereinen innehaben! Und das sind nicht irgendwelche Vereine, sondern die drei besten Teams Deutschlands, die ihre Champions-League-Gruppen alle gewonnen haben. Das zeigt in meinen Augen, dass wir mit dem aktuellen Team und Rang acht etwas sehr Gutes erreicht haben. Für die Attraktivität kannst Du Dir schon einen Tag später nichts mehr kaufen, aber die Punkte, die bleiben.

SPORT1: Vor der Saison hatten sogar Jürgen Klopp oder Jupp Heynckes Gladbach als erweiterten Favoriten auf die Spitzenplätze gesehen. Oder buchen Sie das als Taktik der Konkurrenz ab?

Eberl: Es ehrt mich und unseren Verein, dass es Taktik war (lacht). Jürgen weiß ganz genau, dass wir kein ernsthafter Kandidat für die oberen drei Plätze waren. Aber wir werden wieder wahrgenommen, das ist richtig.

SPORT1: Der Wechsel Ihres Kollegen Klaus Allofs von Bremen nach Wolfsburg hat in dieser Saison für Wirbel gesorgt. Haben Sie Verständnis für dessen Entscheidung?

Eberl: Ich finde, dass es für Sportdirektoren und vielleicht sogar für Trainer Transferperioden geben soll. Denn gerade als Manager nimmst Du Know-how mit, Du nimmst Kontakte mit, Du nimmst vielleicht sogar Gespräche mit. In Wirtschaftsunternehmen gibt es nicht umsonst dreimonatige Sperrfristen. Warum ist das im Fußball nicht möglich? Aber: Ich schätze Klaus Allofs sehr, er gehört für mich zu den zwei, drei besten Managern dieser Liga. Er hat in Bremen zusammen mit Thomas Schaaf Unglaubliches geleistet. Wenn jemand das Recht hatte, mal einen neuen Schritt zu machen, dann Allofs.

SPORT1: Ihr Vertrag bei Borussia Mönchengladbach endet 2014. Sind Sie denn mit diesem Verein verheiratet?

Eberl: Momentan ja. Wir haben etwas auf den Weg gebracht, und wir sind noch nicht fertig.

SPORT1: Gab es noch keine Momente, in denen man auf Sie zugegangen ist mit dem Hinweis, dass man sich schon vorstellen könnte, mit Ihnen ?

Eberl: Ich formuliere es so: Meine Arbeit ist nicht ganz unbemerkt geblieben.

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