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Fassungslos: Stefan Kießling hadert nach Spielende mit sich und der Welt © getty

Der Trend bei Leverkusen zeigt nach der Pleite gegen Stuttgart deutlich nach unten. Von einer Krise will Völler aber nichts wissen.

Leverkusen - Die nackten Zahlen sind alarmierend und das Gerede vom Titel ist längst schon verstummt, doch von einer Krise wollte die Leverkusener Chefetage nichts wissen.

"Die Niederlage tut weh, wird uns aber nicht umwerfen", prophezeite Bayer-Sportchef Rudi Völler trotz der verpatzten Bundesliga-Premiere im Düsseldorfer "Exil" wieder bessere Zeiten.

"Wir werden uns von dem Rückschlag erholen und wieder aufstehen."

Auch Trainer Bruno Labbadia wollte nach der 2:4 (0:1)-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart keine Negativ-Entwicklung erkennen:

"Die Mannschaft hat in den letzten Wochen vieles zu gut gemacht, um von einer Krise zu sprechen."

Bayer wird durchgereicht

Mit "gut" meinte Labbadia in erster Linie die starke Vorbereitung und den 3:1-Erfolg im Pokal gegen einen erschreckend schwachen Abstiegskandidaten Energie Cottbus - der sportliche Abwärtstrend in der Liga lässt sich damit aber nicht wegdiskutieren.

Nur 5 von 18 möglichen Punkten hat Bayer in den letzten sechs Spielen geholt und ist dabei vom ersten auf den fünften Platz durchgereicht worden.

"Irgendwann gerät man unter Druck"

Doch damit nicht genug: Auch vom beeindruckenden Kombinations- und Angriffsfußball ist nicht mehr allzuviel zu sehen.

"In der Art und Weise haben wir uns in dieser Saison noch nicht präsentiert", musste auch Labbadia einräumen, hatte dafür aber gleich eine Erklärung parat:

"Wenn man so viele Punkte liegenlässt, wie wir es in der Hinrunde und auch in Dortmund getan haben, gerät man irgendwann unter Druck."

Erinnerungen werden wach

Schon werden Erinnerungen an das Vorjahr wach, als Bayer unter Labbadia-Vorgänger Michael Skibbe in der Rückrunde bis auf den siebten Platz abstürzte und den Europacup verpasste.

Ein Szenario, dass sich wiederholen könnte, zumal das anstehende Programm wenig Hoffnung auf Besserung verspricht.

Am kommenden Freitag steht das schwere Gastspiel bei Herbstmeister und Tabellenführer 1899 Hoffenheim auf dem Plan, eine Woche später gastiert Titelanwärter Hamburger SV in der Düsseldorfer Arena.

Doch Völler hält von Schwarzmalerei nichts: "Wir haben die Überzeugung und die Qualität, auch in Hoffenheim zu bestehen. Das haben wir schon in der Vergangenheit bewiesen."

Wacklige Defensive

Davon ist gegen Stuttgart nicht viel übrig geblieben.

Insbesondere die Hintermannschaft geriet ein ums andere Mal ins Schwimmen. So erlebte Nationalkeeper Rene Adler einen bitteren Nachmittag.

Erstmals seit dem 15. Dezember 2007 (2:5 in Bremen) musste der Schlussmann wieder in der Meisterschaft viermal hinter sich greifen.

Inwieweit den Torwart bei den Gegentreffern eine Mitschuld trifft, wollte Völler ("Bei Torhüter-Fragen bin ich unzurechnungsfähig") nicht kommentieren.

Schlechte Stimmung bei Rekord-Besuch

Angesichts der schwachen Vorstellung war es wenig verwunderlich, dass in der Wahlheimat keine rechte Stimmung aufkommen wollte. Rund 33.000 Zuschauer wollten nach fast zwölf Jahren mal wieder ein Bundesligaspiel in Düsseldorf sehen.

Für den Werksverein bedeutete dies trotzdem Vereinsrekord. Schließlich fanden in der BayArena, die bis zum Sommer umgebaut wird, zuletzt nur 22.500 Fans Platz.

Die Leverkusener scheinen Düsseldorf noch nicht so recht ins Herz geschlossen zu haben. Für den Stuttgarter Mario Gomez, der gleich zweimal traf (3. und 75.), ist die NRW-Landeshauptstadt aber in jedem Fall ein gutes Pflaster.

Auf den Tag genau vor zwei Jahren hatte der Stürmer an gleicher Stätte beim 3:1 gegen die Schweiz sein Debüt im DFB-Trikot gegeben und dabei gleich ein Tor erzielt.

"Ich will das ganze Jahr gute Leistung bringen, nicht nur in einem Spiel", meinte der Torjäger, der zudem an der womöglich spielentscheidenen Szene kurz nach der Pause beteiligt war.

VfB pirscht sich ran

So ist beim VfB seit dem Amtsantritt von Markus Babbel ein klarer Aufwärtstrend zu verzeichnen. Für die Schwaben sind die Europacup-Plätze mit nun 31 Punkten wieder in greifbarer Nähe.

Die üble 1:5-Niederlage gegen Bayern München im Pokal ist nach den zwei Siegen in der Meisterschaft inzwischen vergessen.

"Vielleicht war das ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit", meinte Babbel.

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