Heckings Blitz-Abgang ist moralisch heikel wie aus VfL-Sicht eine 180-Grad-Wende. Für Allofs ist es ein erster Coup.

Wie fast immer im Leben gibt es zwei Seiten einer Medaille:

Dieter Heckings Paukenschlag-Abgang trifft den abgebenden 1. FC Nürnberg wie einen Hammerschlag, für den wechselnden Coach dagegen kommt er einem Lottogewinn gleich. (BERICHT: Hecking geht nach Wolfsburg)

Natürlich kann man argumentieren, Heckings Ruckzuck-Wechsel zum VfL Wolfsburg - gerade zur Winterpause - verböte sich moralisch, weil er dem nun trainerlosen Club damit unvorbereitet derart heftig vor den Kopf stößt, dass die Tragweite der Erschütterung im Frankenland noch nicht absehbar ist.

Und weil ein Vertrag ja schließlich auch dazu da ist, um eingehalten zu werden:

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Doch wer mag es dem 48-jährigen Fünffach-Familienvater insgeheim verdenken, sich für ein verlockendes Job-Angebot näher bei den Seinen zu entscheiden?

Nicht zuletzt mit einem Gehalt, das beim wirtschaftlich hochpotenten VW-Klub - sagen wir mal vorsichtig - um einiges höher liegen dürfte als in Nürnberg.

Und mit Klub-Mitteln im Rücken, um perspektivisch in oberen Regionen mitspielen zu können statt immer nur um den Klassenerhalt.

Wesentlich spannender ist indes die Frage, was Heckings Transfer aus der Wolfsburger Sicht bedeutet.

Fakt ist: Hecking ist mitnichten die charismatische Trainer-Persönlichkeit, die sich die Konzern-Bosse unlängst noch wünschten, um die graue Maus VfL wieder ein wenig in das schillernde Fahrwasser zu bringen, in dem sie im Meisterschaftsjahr 2009 umher schipperten.

Das wäre Bernd Schuster gewesen, der sich dem Vernehmen nach aber verzockt hat im Poker mit den Klub-Verantwortlichen.

Hecking ist die Anti-Glamour-Variante und offenbar nur 1b-Lösung.

Doch er gilt als berechenbar und unaufgeregt, steht für harte und ehrliche Arbeit - wie Klaus Allofs, der wohl nichts dagegen einzuwenden hat, mit einem gradlinigen Übungsleiter vom Schlag eines Thomas Schaaf zusammenzuarbeiten.

Für den nach wie hanseatisch denkenden VfL-Manager ist es denn auch der erste harte Claim, den er mit Heckings Verpflichtung bei den "Wölfen" einschlägt - ein Achtungserfolg sozusagen über die Konzern-Granden wie Aufsichtsratschef Javier Garcia Sanz.

Aus einem anderen Blickwinkel gerät neben Hecking jedoch auch Allofs auf die moralische Schiene: Schließlich hatte es der 56-Jährige erst vor wenigen Wochen genauso gehalten wie der bisherige Nürnberg-Coach, als er Werder Bremen Hals über Kopf verließ.

Während Hecking im Oktober noch pikanterweise im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 mit Blick auf die T-Frage in Wolfsburg erklärt hatte: "Ein Angebot würde ich mir nicht anhören."

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