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Martin Bader (l., mit Hecking) ist seit Januar 2004 Sportdirektor in Nürnberg © imago

Nürnbergs Sport-Vorstand Martin Bader spricht bei SPORT1 über Heckings Blitz-Wechsel nach Wolfsburg und den Nachfolger.

Von Reinhard Franke

München - Martin Bader hätte sich gewiss ruhigere Weihnachten gewünscht. Eigentlich wollte sich der Sport-Vorstand des 1. FC Nürnberg ein paar entspannte Tage gönnen, doch am Samstag platzte die Bombe, indem ihm sein Trainer Dieter Hecking verkündete, dass er mit sofortiger Wirkung zum VfL Wolfsburg geht (Bericht).

Da hatte Bader die (vorzeitige) Bescherung. Bei den "Wölfen" unterschreibt Hecking einen Vertrag bis 2016, wird nach den Feiertagen offiziell vorgestellt. Mit der Verpflichtung des gebürtigen Westfalen ist die spektakuläre Wolfsburger T-Frage entschieden.

Und Bader steht nun vor dem Problem bis zum Nürnberger Trainingsauftakt am 3. Januar einen Nachfolger finden zu müssen.

Im SPORT1-Interview spricht der 44-Jährige Sportchef über Heckings plötzlichen Weggang, seinen möglichen Nachfolgekandidaten Michael Wiesinger und zeigt sich tief enttäuscht von der Entscheidung des ehemaligen Club-Trainers.

SPORT1: Herr Bader, wie geht es Ihnen einen Tag nach dem plötzlichen Abschied von Dieter Hecking?

Martin Bader: Die letzten Tage waren sehr turbulent. Ich habe am Donnerstagabend erfahren, dass da Kontaktaufnahme entstanden und dass es für den Trainer interessant ist. Ich habe natürlich versucht, noch mal alles in die Waagschale reinzulegen, was unseren Verein ausmacht und auch unsere dreijährige Zusammenarbeit, die absolut erfolgreich war. Dafür bin ich ihm auch sehr dankbar, es ist nicht nur Enttäuschung da. Ich kann auch vieles verstehen, aber ich habe in den letzten Wochen und Monaten, wo es mal nicht so gelaufen ist, gezeigt, dass ich auch in schwierigen Phasen zu ihm stehe.

SPORT1: Umso bitterer für Sie, dass Hecking dennoch gegangen ist?

Bader: Ich glaube, dass ein Verein wie der 1. FC Nürnberg auch für einen Dieter Hecking in Zukunft nicht uninteressant ist und das Argument habe ich versucht anzubringen, um ihn auch emotional zu packen. Er hat mir am Donnerstag versichert, dass ihm die Entscheidung nicht leicht fallen würde und am Samstag früh hat er mir dann gesagt, dass er noch mal ein Gespräch mit Klaus Allofs (Wolfsburgs Geschäftsführer Sport, Anm. d. Red.) hatte und dass er es machen will.

[kaltura id="0_ohez7hve" class="full_size" title="Hecking freut sich auf Wolfsburg"]

SPORT1: Sie hätten ihn zumindest gerne bis zum Sommer gehalten, oder?

Bader: Ja, ich habe versucht das so hinzukriegen, dass er uns nicht gleich verlässt, sondern das wir das in Ruhe noch bis zum Sommer machen, damit ich auch noch Zeit habe eine vernünftige Nachfolgeregelung hinzubekommen. In Wolfsburg ist es ja auch nicht so dramatisch, dass man die vier Monate jetzt nicht hätte schaffen können, aber es ist wie es ist. Ich hätte mir gewünscht, dass wird das ein bisschen eleganter hinkriegen.

SPORT1: Sie klingen verbittert ...

Bader: Ich bin sehr enttäuscht, aber nicht verbittert. Das ist aber auch normal. Es hat nicht nur hervorragend zwischen uns gepasst, Hecking war auch für den Verein die beste Lösung. Und wenn du dann so eine Lösung verlierst, ist man immer enttäuscht.

SPORT1: Aber der Zeitpunkt trifft Sie schon sehr.

Bader: Natürlich bin ich über den Zeitpunkt nicht glücklich. Ich habe wirklich gehofft, dass wir das bis zum Sommer hinkriegen. Ich bin Hecking aber sehr dankbar für die drei Jahre, wo er viel Tolles auf den Weg gebracht hat.

SPORT1: Was glauben Sie hat Hecking am VfL Wolfsburg gereizt? Der Klub hat in den letzten zwei Jahren sportlich nicht unbedingt für Furore in der Liga gesorgt.

Bader: Die sportliche Perspektive, die Wirtschaftlichkeit und die räumliche Nähe zu seiner Familie sind die drei Schlagworte, das ist doch klar.

SPORT1: Stimmt es, dass Hecking eine Ausstiegsklausel im Vertrag hatte?

Bader: Ja. Das war vertraglich damals sein Wunsch, als er zu uns kam. Als er von Aachen nach Hannover wechselte, hatte er während der Saison eine ähnliche Konstellation und damals war es für ihn über einen längeren Zeitraum schwierig und das wollte er nicht mehr. Aber dafür bekommen wir von Wolfsburg auch eine feste Ablösesumme und Klaus Allofs und ich müssen nicht die nächsten Wochen um Geld feilschen.

SPORT1: Jetzt beginnt für Sie also die Suche nach einem Nachfolger. Da wird der Name Ihres U-23-Trainers Michael Wiesinger genannt. Ist er ein Kandidat?

Bader: Wir wären schlechte Verantwortliche, wenn wir uns keine Gedanken machen würden. Aber das ist noch nicht abgeschlossen. Es ist doch logisch, dass wir mit den Personen aus dem sportlichen Bereich die Lage besprechen. Unser Co-Trainer Armin Reutershahn ist da in alle Entscheidungen eng eingebunden genauso wie Rainer Zietsch (Geschäftsführer des Jugend- und Amateurbereichs 1. FC Nürnberg, Anm. d. Red.) sowie unser Chefscout Christian Möckel, aber auch der Trainerstab mit Michael Wiesinger. Zudem tauschen wir uns immer mit dem Aufsichtsrat aus.

SPORT1: Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Trainer mit "Stallgeruch" Erfolg bringen wie ein Thomas Tuchel in Mainz.

Bader: Dieter Hecking ist seit Samstag nicht mehr Trainer des 1. FC Nürnberg und ich muss das alles erst mal sacken lassen. Ich muss mir jetzt Gedanken machen, werde nichts ausschließen mit Wiesinger, aber ich werde keinen Favoriten nennen. Wiesinger ist zumindest eine sehr gute Alternative, sonst würde er nicht bei uns im Verein arbeiten. Es wäre ja absurd, wenn wir Trainer im Nachwuchsbereich hätten, denen wir nicht auch vertrauen.

SPORT1: Was schätzen Sie an Wiesinger?

Bader: Ich schätze viel an ihm, sonst hätten wir ihn nicht geholt. Aber wir sollten es noch ein wenig offen lassen. Wir machen uns über mehrere Namen Gedanken, aber natürlich auch über den Michael.

SPORT1: Viel Zeit für die Suche nach einem Nachfolger bleibt Ihnen nicht. Ruhige Weihnachten sehen anders aus.

Bader: So ist das im Fußball. Ich werde nicht nur dafür bezahlt, dass ich ruhige Weihnachten habe. Ich bin froh, dass wir schon 20 Punkte haben und eine intakte Mannschaft. Hecking hinterlässt hier keinen Scherbenhaufen. Wir müssen es schaffen bis zum 3. Januar einen Trainer zu haben, mit dem wir unsere sportlichen Ziele erreichen.

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