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Benedikt Höwedes (r.) absolvierte gegen Werder sein 19. Bundesligaspiel © getty

Während Schalke 04 erleichtert das vorläufige Ende der Krise feiert, rutscht Vizemeister Bremen weiter ins Bundesliga-Mittelmaß.

Von Matthias Becker und Jan Große-Geldermann

München/Gelsenkirchen - Manchmal kann ein Schlusspfiff wie eine Erlösung sein.

Das zeigte sich in der Schalker Arena nach dem Ende des "Krisengipfels" gegen Werder Bremen exemplarisch.

Geradezu euphorisch lagen sich die Schalker Spieler nach dem 1:0-Kampfsieg gegen Werder in den Armen. (zum Spielbericht)

Während die Gastgeber das vorläufige Ende ihrer Ergebniskrise feierten, schlichen die Bremer gesenkten Hauptes vom umgepflügten Rasen. Alleine die Miene des ohnehin nicht als Strahlemann bekannten Torsten Frings verriet es:

Bei den Gästen sind schwere Zeiten angebrochen.

"Negativtrend irgendwie stoppen"

"Das ist eine extrem schwierige Situation. Wir dürfen uns jetzt nichts vormachen, es geht nur noch darum den Negativtrend irgendwie zu stoppen", sagte Frings zu Sport1.de.

Sportdirektor Klaus Allofs übte sich in Durchhalteparolen und erklärte: "Wir stehen nicht ratlos davor, sondern wissen, warum wir die Spiele nicht gewinnen können."

Neben Almeidas Defensiv-Aussetzer bei Höwedes' Siegtreffer (48.) waren es vor allem spielerische Defizite, die ins Auge stachen: Ohne Diego, dessen Drei-Spiele-Sperre die Bremer vor größere Probleme stellt, als sie selbst zugeben wollen, kamen die Gäste trotz 56 Prozent Ballbesitz nur zu einer Torchance aus dem Spiel heraus.

Gefangen im Mittelmaß

Somit dümpelt Werder weiter hinter den eigenen Ansprüchen hinterher. Nach dem sechsten Auswärtsspiel in Folge ohne Sieg steht der Vizemeister auf Rang zehn und hat mit 26 Punkten schon sieben Zähler Rückstand auf die UEFA-Cup-Plätze - von der Champions-League-Qualifikation ganz zu schweigen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich schaue nicht gerne auf die Tabelle", gestand Allofs ein und betrieb Ursachenforschung: "Uns fehlen die Kleinigkeiten. Das macht den Unterschied aus, zwischen einer Mannschaft die oben steht und einer die im Mittelfeld steht."

Kampf gegen die Trainerdiskussion

Trainer Thomas Schaaf meinte hingegen: "Es ist nicht wichtig, ob es Kleinigkeiten sind, es fehlt etwas ganz entscheidendes, nämlich der Erfolg. Wir haben auch heute wieder sehr viel Aufwand betrieben, aber den Erfolg nicht eingefahren."

Trotz dieser leichten inhaltlichen Differenz versuchte Allofs eine Trainer-Diskussion zu vermeiden. Er sei überzeugt, Schaaf sei der richtige Mann, allerdings sei das "kein prinzipieller Treueschwur".

Schaaf ist also zumindest leicht angeschlagen, auch weil der Trainer selbst Schwächen zeigte. So wechselte er mit Naldo schon in der 74. Minute ohne Not seinen besten Mann aus.

Stimmung schlägt nach dem 1:0 um

Während die ratlosen Bremer den Weg aus der Krise suchen, fiel den Schalkern nach einer turbulenten Woche eine riesige Last von den Schultern.

Schon vor Spielbeginn knisterte die Stimmung in der Arena. Bei Verkündung der Mannschaftsaufstellungen mussten sich die Ersatzspieler Kevin Kuranyi und Orlando Engelaar genauso wie Trainer Fred Rutten deutlich vernehmbare Pfiffen anhören.

Auch nach der schwachen ersten Hälfte ging das Pfeifkonzert weiter, weshalb das 1:0 kurz nach dem Wechsel (48.) auf Spieler und Fans wie eine Befreiung wirkte.

"Wenn das Tor nicht so früh gefallen wäre, wäre es sehr schwer geworden", gestand Halil Altintop, der nach miserabler erster Hälfte ausgewechselt wurde, gegenüber Sport1.de ein.

Rutten lobt die Kampfleistung

Hätte, wäre, wenn: Am Ende hatten die Schalker den Erfolg - und damit Recht.

"Mir ist scheißegal, ob wir die drei Punkte in einem Grottenspiel holen", erklärte Trainer Fred Rutten und lag damit auf einer Wellenlänge mit dem Publikum, dass sich vom großen kämpferischen Einsatz der Mannschaft überzeugen ließ.

"Die Truppe hat sich den Sieg heute richtig erkämpft", stellte Rutten fest. Ein Kampf, der die Schalker, zumindest vorerst, vom Leid der letzten Wochen erlöst hat.

Bordon bricht sich die Hand

Einziger Wermustropfen: Marcelo Bordon erlitt einen Bruch des Mittelhandknochens und wurde am Abend im Marienhospital in Gelsenkirchen-Buer operiert.

Der Brasilianer hatte sich die Verletzung in der Endphase des Spiels zugezogen, hielt aber bis zum Schlusspfiff durch. Wie lange der Kapitän ausfällt, ist noch unklar.

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