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Mladen Petric sah in der 76. Minute nach einer Tätlichkeit die Rote Karte © getty

Der HSV sucht nach der vergebenen Chance auf Platz eins die Schuld bei sich selbst. Ein Neuzugang erwischt einen rabenschwarzen Einstand.

Von Rainer Nachtwey

München/Karlsruhe - Manager Ralf Dohmen hüpfte auf dem Spielfeld auf und ab, riss die Arme in den Himmel, fasste sich an den Kopf und konnte nicht glauben, was passiert war: Sebastian Freis hatte nur wenige Sekunden zuvor seinen Karlsruher SC mit dem Tor in der Nachspielzeit zum 3:2-Sieg über den Hamburger SV geschossen.

Nicht nur, dass der KSC durch den Sieg die Abstiegsränge verließ, er hatte auch ein verloren geglaubtes, turbulentes Spiel noch gedreht.

"Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, deren Etat für das Begleitpersonal wahrscheinlich höher als unserer für die Fußballer ist. Gegen solch eine Mannschaft was zu holen, spricht für das Team und den Trainer", sagte Manager Dohmen, der sich bereits wieder gefangen hatte.

"Das ist blöd"

Während die Karlsruher himmelhoch jauchzend ihren ersten Sieg nach 0:2-Rückstand seit 14 Jahren bejubelten, wurden die Hamburger nach dem 1:0 über den FC Bayern München beim Rückrundenauftakt bitterböse auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Und das, obwohl sie den Dreier doch bereits in der Tasche hatten und nur durch individuelle Fehler und Nachlässigkeiten noch den Karlsruhern überließen. "Das ist blöd", brachte es Trainer Martin Jol auf den Punkt.

Gravgaard erwischt miserablen Einstand

Vor allem Innenverteidiger Michael Gravgaard, der für den verletzten Bastian Reinhardt (Mittelfußbruch) in die Startelf gerückt war, hatte großen Anteil an der fünften Saisonniederlage des HSV. An allen drei Gegentreffern durch Freis (53./90.) und Giovanni Federico (56.) war der Neuzugang aus Nantes beteiligt.

"Ich habe Karlsruhe mit einem Fehler zurück ins Spiel gebracht. Das waren dumme Fehler. Es ist für mich nicht allzu günstig gelaufen", übte der Däne Selbstkritik

Coach Jol nahm es erst mit Galgenhumor und anschließend Gravgaard in Schutz: "Ich würde sagen: 'Willkommen in der Bundesliga'", scherzte der Niederländer, "normalerweise passiert ihm so etwas nicht, aber es war sein erstes Spiel. Ich hoffe, ich kann ihn wieder aufrichten."

Petric versteht Platzverweis nicht

Aber es lag nicht an Gravgaard allein, dass die mögliche Tabellenführung - Hoffenheim lag zu diesem Zeitpunkt in Mönchengladbach mit 0:1 hinten - verspielt wurde.

Denn die Hamburger agierten nach den Toren von Paolo Guerrero (7.) und Collin Benjamin (48.) überheblich - dabei hatten die Spieler genau davor noch vor dem Spiel gewarnt. "Es haben sich dann viele Ballverluste eingeschlichen", gestand Jol.

Zudem leistete sich Stürmer Mladen Petric einen unnötigen Schubser gegen Marco Engelhardt, den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit einer Roten Karte quittierte. "Er hat mich gehalten, ich hab ihn nur weggeschubst. Für so einen Schrott bekommt man dann die Rote Karte", echauffierte sich der Kroate.

Schiedsrichter mit rätselhaften Entscheidungen

Nicht nur beim Platzverweis, auch bei mehreren weiteren Aktionen entschied sich der Unparteiische für das falsche Strafmaß. So beließ er es bei Karlsruhes da Silva - obwohl schon mit Gelb verwarnt - nach dessen Grätsche von hinten gegen Streit bei einer Ermahnung.

Zudem ließ Kinhöfer trotz dreier Tore, vier Auswechslungen, zweier Platzverweise - Engelhardt sah nach einem Foul an Streit noch die Gelb-rote Karte - und acht Gelber Karten lediglich eine Minute nachspielen und pfiff nach dem Siegtreffer von Freis 45 Sekunden nach Ablauf der regulären Spielzeit nicht mehr an.

Lohn für die harte Arbeit

Doch trotz der schwachen Leistung des Schiedsrichters suchte Jol die Fehler bei seiner Mannschaft. "Wir haben uns selbst geschlagen", resümierte der HSV-Coach.

Die Karlsruher erfreuten sich indessen an ihren Stehauf-Qualitäten und dem Sprung auf Rang 15. "Wir können richtig stolz auf uns sein. Wir haben extrem viel investiert und sind dafür belohnt worden", jubelte Matchwinner Freis.

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