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Michael Wiesinger (l.) und Armin Reutershahn treten die Nachfolge von Dieter Hecking an © imago

Nürnbergs Duo soll den Club von der Abstiegszone fernhalten. Dass Wiesinger das letzte Wort hat, ist für Reutershahn kein Problem.

München/Nürnberg - Martin Baders Verwandte haben in diesem Jahr also nur Gutscheine bekommen.

Zeit, um am Heiligen Abend in einem Anfall von Power-Shopping noch Geschenke zu kaufen, war dem Sportvorstand des 1. FC Nürnberg nicht mehr geblieben.

Kurz vor Geschäftsschluss hatte Bader aber noch schnell sein drängendstes Problem gelöst:

Ziemlich schnell fand er in Michael Wiesinger und Armin Reutershahn zwei Nachfolger für den zum VfL Wolfsburg getürmten Dieter Hecking.

"Ich hoffe", sagte der 44-Jährige zu SPORT1, "dass wir mit dieser Lösung Erfolg haben werden und ich bin da zuversichtlich."

Aus seiner Sicht sei das Gespann "eine ideale Kombination. Beide sind im Team stark."

Wiesinger: "Etwas ganz Besonderes"

Das Duo wird beim Trainingsbeginn am 3. Januar offiziell vorgestellt und steht zunächst bis zum 30. Juni 2013 in der Verantwortung (BERICHT: Wiesinger neuer Chefcoach).

Maßstab für den Erfolg dieser internen Lösung ist einzig und allein der Verbleib in der Bundesliga: In die Rückrunde geht der Club mit einem Vorsprung von immerhin elf Punkten auf die Abstiegsplätze sowie acht Punkten auf den Relegationsplatz.

"Es ist für mich etwas ganz Besonderes, für den Verein, in dem ich groß geworden bin, arbeiten zu können", sagte Wiesinger zu SPORT1. Er sei "sicher, mit einer funktionierenden Mannschaft in der Rückrunde erfolgreich zu sein und die Ziele des FCN erreichen zu können." (BERICHT: Wiesinger und Bader sind zuversichtlich)

Leverkusen als Vorbild

Ein bisschen, das sagte Bader, habe er schon zu Bundesligarivale Bayer Leverkusen geschielt, als ihm plötzlich sein Trainer abhanden gekommen war.

Die Doppel-Chef-Lösung mit Wiesinger, bislang Trainer der Club-U-23, und Reutershahn, zuletzt Co-Trainer von Hecking, sei ein "ähnliches Modell" wie in Leverkusen, erklärte Bader.

Bei Bayer tragen seit dem 1. April Sami Hyypiä und Sascha Lewandowksi die sportliche Verantwortung. Doch anders als in Leverkusen, wo Hyypiä die Fußballlehrer-Lizenz noch fehlt, haben Wiesinger und Reutershahn allerdings beide die nötige Ausbildung absolviert.

Reutershahn als Ratgeber gefragt

Dass Wiesinger, wie es Bader erklärte "die finalen Entscheidungen treffen" und Ansprechpartner für die Medien sein werde, damit hat Reutershahn wohl kein Problem:

"Die vergangenen drei Jahre unter Dieter Hecking waren keine One-Man-Show", betonte er. Alles sei "gemeinsam besprochen und meist im Konsens entschieden worden", Hecking habe ihn "stark in die Verantwortung genommen und Rat eingefordert".

Bader trifft mutige Entscheidung

Bislang hat Bader, seit Januar 2004 beim Club, immer ganz gut gelegen mit seinen Trainerentscheidungen. Nur die Verpflichtung von Thomas von Heesen von Februar bis August 2008 erwies sich als Flop.

Mutig ist seine jetzige Wahl allemal: Wiesinger jedenfalls hat außer seiner eineinhalbjährigen Arbeit als U-23-Trainer beim Club nur noch seine Zeit beim FC Ingolstadt als Referenz vorzuweisen.

Dort war er am 6. November 2010 im Anschluss an den Aufstieg in die 2. Liga und nur vier Punkten aus elf Spielen beurlaubt worden.

Mintal hält viel von Wiesinger

Wiesinger hat allerdings auch ein Zeugnis ausgestellt bekommen, das am Valznerweiher in Nürnberg zumindest wahrgenommen wird.

Marek Mintal, Club-Ikone, früher Torschützenkönig in der 1. und der 2. Bundesliga und seit Saisonbeginn in der zweiten Mannschaft unter dem Trainer Wiesinger aktiv, attestierte dem jungenhaft aussehenden Coach in einem Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten "Autorität und Überzeugungskraft".

Vor allem die Mannschaftsführung sei gut angekommen. Allerdings: Ab sofort trainiert Wiesinger Profis.

Reutershahn verfügt über viel Erfahrung

Wiesingers Partner Reutershahn ist schon mit ziemlich vielen Wassern gewaschen.

Dennoch findet er es selbst ziemlich "ungewöhnlich", dass er nach seinen 22 Jahren als "Co" bei Bayer Uerdingen, beim Hamburger SV, bei Eintracht Frankfurt und nun beim Club jetzt "Chef" vor das Wort "Trainer" setzen kann.

Das mit Wiesinger und ihm, das werde schon funktionieren, glaubt er: "Das Leverkusener Modell mit zwei Chef-Trainern zeigt, dass man auch im Team erfolgreich arbeiten kann."

Bis zu Bayer 04 fehlt den Nürnbergern allerdings noch ein Stück: Leverkusen ist hinter Tabellenführer FC Bayern und vor Meister Dortmund Zweiter, der FCN steht nach der Hälfte der Saison auf Platz 14.

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