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Mit vereinten Kräften erzielen Wellington (r.) und Jaissle den Ausgleich © getty

Die Hoffenheimer bleiben Tabellenführer. Obwohl es spielerisch nicht läuft, holen sie einen Last-Minute-Punkt in Mönchengladbach.

Von Mathias Frohnapfel

München/Mönchengladbach - 45 Minuten können ziemlich lang sein. Vor allem wenn es so scheint, als ob sich die ganze Welt gegen einen verbündet hätte.

Fast eine komplette Halbzeit jagte Hoffenheim beim Schlusslicht Mönchengladbach einem Rückstand hinterher.

Der Neu-Münchner Alexander Baumjohann hatte die Borussen in Führung geschossen (44.).

Trainer Ralf Ragnick litt bei der Aufholjagd an der Seitenlinie mit und konnte am Ende doch zufrieden sein.

Denn sein Team bestand auch die schwierige Partie und bleibt damit auch nach dem 19. Spieltag Spitzenreiter. (Tabelle)

Statt Elfmeter gibt es Gelb

Dabei hatte Schiedsrichter Lutz Wagner Stürmer Chinedu Obasi nach einem Zweikampf mit Tomas Galasek einen Elfmeter verweigert.

"Mein Assistent hatte den Eindruck, dass der Spieler schon abgehoben hatte, bevor es zum Kontakt kam", sagte Wagner.

Tatsächlich hatte Wagner erst auf den Elfmeterpunkt gezeigt, korrigierte aber seine Entscheidung nach Rücksprache mit dem Assistenten wieder. Stattdessen sah Obasi Gelb.

Zehn Minuten später knallte Demba Ba den Ball per formidablem Fallrückzieher an die Latte.

Rangnick schaute mit jedem Moment ungläubiger. Dass der Ausgleich durch Wellington (89.) aus abseitsverdächtiger Position fiel, war Ironie des Schicksals.

"Müssen zufrieden sein"

Die Analyse des 1899-Coaches fiel nach dem 1:1 dementsprechend sachlich aus: "Wir müssen am Ende mit dem einen Punkt zufrieden sein, da wir einen zu langen Zeitraum nicht so gespielt haben, wie wir uns das vorgestellt haben."

Lob gab es für die Gladbacher, die "80 Minuten richtig gut verstanden haben, unser Spiel nicht zur Entfaltung kommen zu lassen".

Rangnick vermisst Konzentration

Dennoch: Hoffenheim bleibt an der Bundesliga-Spitze und kann die Effektivität eines Top-Teams für sich verbuchen. Das späte Tor fiel beinahe in Bayern-Manier.

Allerdings müssen die Badener plötzlich gegen ein Phänomen kämpfen, das sonst nur Klubs wie die Münchner, Werder und Hamburg befällt: Gegen die vermeintlich Kleinen fehlt Biss und Konzentration.

"Um zu gewinnen, hätten wir früher mit mehr Leidenschaft spielen und präziser agieren müssen", krittelte daher auch Rangnick.

Schindelmeiser: Potenzial nicht abgerufen

1899-Manager Jan Schindelmeiser schilderte eine weitere Erkenntnis: "Auch diese Spiele, in denen die Mannschaft nicht ihr volles spielerisches Potenzial abruft, sind wichtige Erfahrungen."

Schon beim 2:0-Sieg über Cottbus in der Vorwoche hat das Team laut Schindelmeiser spielerisch nicht überzeugt.

Rangnick erkannte dagegen genauso wie Rechtsverteidiger Andreas Beck einen "gewonnen Punkt". Die Rechnung dazu ist klar. "Wir machen noch den Ausgleich, und Hamburg verliert in Karlsruhe", kommentierte Rangnick.

Man darf getrost davon ausgehen, dass auch die Hoffenheimer - allen anderen Beteuerungen zum Trotz - den Blick fest auf die Meisterschale geheftet haben.

Allerdings ist unübersehbar, wie sehr der verletzte Torjäger Vedad Ibisevic fehlt. Mit dem ordentlichen Start in die Rückrunde beweist der Aufsteiger immmerhin, dass ihm im Dauerlauf Richtung Titel (noch) nicht die Puste ausgeht.

Borussen mit mehr Ordnung

Die Gladbacher hätten nur zu gerne solche Sorgen. Letztlich mussten sich die Borussen mit einem Punkt begnügen, wo sie drei Zähler dringend gebraucht hätten.

Im Vergleich zur Niederlage in Stuttgart präsentierten sie sich jedoch deutlich verbessert, eine stabile Grundstruktur war erkennbar.

Umso mehr trauerten die Gladbacher dem vergebenen Sieg hinterher.

"Das macht mich total kaputt. Es ist sehr, sehr bitter. Es war ein Abseitstor", jammere Trainer Hans Meyer. Über die TV-Monitore flimmerte gerade der Ausgleich der Hoffenheimer.

Was ist der Punkt wert?

Auch Torschütze Baumjohann konnte kaum hinsehen, als Hoffenheims Joker Wellington jubelnd Freudentänzchen vollführte.

"Es ist natürlich schön, dass ich meiner Mannschaft mit einem Tor helfen konnte", erklärte Baumjohann. "Letztlich bringt es aber nichts, wenn wir nicht gewinnen."

Neuzugang Paul Stalteri bemühte sich trotz der Ergebnisse der Konkurrenz - Karlsruhe und Bielefeld punkteten - um Optimismus.

"Wir haben heute zwei Punkte verloren", meinte der Kanadier: "Aber vielleicht kann dieser eine Punkt am Ende ganz wichtig sein."

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