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Neue Ämter: Nürnbergs Coach Wiesinger (l.) und Augsburgs Manager Reuter © getty

Stühle-Rücken in der Bundesliga um den Jahreswechsel: Auch in Augsburg und Nürnberg heißt es Neustart. Teil 1 der SPORT1-Analyse.

Von Christian Paschwitz

München - Von wegen besinnliche Festtage und ruhige Jahreswende.

Ob auf der Trainer- oder der Manager-Position: Gleich vier Bundesliga-Klubs haben die Winterpause mit aufsehenerregenden Personalentscheidungen auf Chef-Ebene aufgemischt.

Während mit Dieter Hecking (vom 1. FC Nürnberg zum VfL Wolfsburg) und Michael Wiesinger (Hecking-Nachfolger beim Club) zwei Übungsleiter-Stühle neu besetzt wurden, vermeldeten der FC Augsburg und Werder Bremen neue namhafte wie unerwartet Strippenzieher.

Stefan Reuter übernahm bei den Schwaben als Manager für den kurz vor Weihnachten gefeuerten Jürgen Rollmann, Ex-Profi und Eishockey-Macher Thomas Eichin tritt bei den Hanseaten das große Erbe von Klaus Allofs an.

Liga drückt Neustart-Knopf

Alles zurück auf Null - die Liga drückt den Neustart-Knopf: (SERVICE: Winterfahrpläne der Bundesligisten)

Die Erwartungen an die auserkorenen Heilsbringer sind groß, die klubinternen Baustellen mitunter ebenso (VEREINSSEITE: Alles zu den Klubs)

SPORT1 wagt eine Analyse - und wägt bei deren Teil 1 Chancen und Risiken der Nürnberger und Augsburger ab.

FC AUGSBURG:

CHANCEN:

Nach Manfred Paula und Jürgen Rollmann schickt der FCA mit Stefan Reuter in dieser Saison bereits den dritten Manager ins Rennen.

Bei 1860 München bewies der 1990er-Weltmeister zwischen 2006 und 2009, dass er dem Amt gewachsen sein kann - selbst in turbulenten Zeiten.

Neben nach wie vor exzellenten Kontakten und einem guten Ruf zeichnet Reuter vor allem Diplomatie aus. Anders als Rollmann, der sich mit seiner ruppigen Art nach neuneinhalb Wochen selbst aus dem Amt hebelte, tritt Reuter gemäßigt und einigend auf - das kommt schon vor dessen offizieller Vorstellung am 2. Januar gut an beim Tabellen-Kellerkind.

Reuter mahnt zur Geschlossenheit

"In einem Verein wie dem FCA geht es vor allem um Zusammenhalt", so der 46-Jährige. "Führung, Trainer und Mannschaft müssen geschlossen auftreten." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Angesichts der prekären sportlichen Situation bei bereits zehn Punkten Differenz auf einen Nicht-Abstiegsplatz hat Reuter selbst dabei mehr zu gewinnen als zu verlieren.

Der Klub wiederum darf dank Reuters Strahlkraft auf Aufbruchsstimmung hoffen - und manchen Winter-Transfer, wenngleich der Neu-Manager sogleich meint: "Wir werden nur aktiv, wenn es uns auch weiterhilft."

Immerhin: Mit dem südkoreanische Nationalspieler Dong-Won Ji, der bis Saisonende vom FC Sunderland ausgeliehen wird, vermeldet Reuter die erste ersehnte Offensiverstärkung. ( 656124 DIASHOW: Die fixen Winter-Transfers )

RISIKEN:

Auch falls sich Abstieg nicht mehr aufhalten lässt und bei Trainer Markus Weinzierl womöglich die Reißleine gezogen wird - weitere personelle Störfeuer sind kaum noch zu erwarten:

Allerdings nur, wenn der umstritene FCA-Präsident Walther Seinsch Reuter alle Freiheiten und Kompetenzen lässt.

Die Personalien Paula und Rollmann sollten dafür auch Warnung sein.

1. FC NÜRNBERG:

CHANCEN:

Nach der Schockstare über dem völlig überraschen Abgang von Hecking hat sich der Club kurz geschüttelt und mit Nachfolger Michael Wiesinger schnell neue personfizierte Zuversicht gefunden.

Der bisherige U-23-Coach kennt die Nürnberger Verhältnisse bestens, findet zudem eine intakte Mannschaft vor und weiß überdies den bisherigen Assistenztrainer Armin Reutershahn an seiner Seite.

Ein Kompetenzgerangel scheint dabei unrealistisch, Wiesinger "hat das letzte Wort", sagt FCN-Manager Martin Bader und beendet sogleich mögliche Zweifel über die Hierarchie innerhalb der Sportlichen Leitung.

Wiesinger anerkannt

Bei den Franken anerkannt ist Wiesinger auch wegen seiner Erfahrung:

Den FC Ingolstadt führte der 40-Jährige einst in die Zweite Liga, bei den Fans genießt er nicht zuletzt wegen seiner Profi-Zeit beim Club (1993 bis 1999) hohes Ansehen.

Was Wiesinger erst mal Luft gibt, um sich freizuschwimmen im neuen Job, ist zudem die komfortable Tabellensituation: Elf Punkte Abstand sind es auf einen Abstiegsrang, acht Zähler bis zum Relegationsplatz.

RISIKEN:

Sowohl für den Verein als auch Wiesinger ist das Wagnis demnach klein:

Heckings Fußstapfen muten zunächst groß an, nachdem der drei Jahre lang gute Arbeit geleistet hat und ein bestellte Feld hinterlässt.

Doch Wiesinger weiß, wie der Club tickt, und muss sich wohl nicht allzu lange einarbeiten.

Eher ruhiges Naturell

Fraglich ist allein, wie Wiesingers eher ruhiges Naturell im Falle eines massiven Abwärtstrends bei den Club-Granden und Medien ankommt:

Anders als der bisweilen impulsive Hecking gilt der gebürtige Burghausener als Leisetreter, was zum Bungerang werden könnte, wenn mal ein Machtwort vonnöten ist.

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