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Patrick Herrmann spielt seit 2010 im Profiteam von Borussia Mönchengladbach © getty

Patrick Herrmann schildert bei SPORT1, wie er mit der Aufgabe als Reus-Nachfolger umgeht. Zwei Neuzugänge lauern auf ihre Chance.

Von Julian Buhl und Mathias Frohnapfel

München - Den Fahrplan bis zum Rückrundenauftakt gegen Hoffenheim haben sie bei Borussia Mönchengladbach mit Akribie ausgetüftelt.

Nach dem Trainingsauftakt am Donnerstag ging es einen Tag später nach Dubai, wo Trainer Lucien Favre dem Team Passwege und Ballstaffetten eintrichtern will. 658331 (DIASHOW: Die Bundesligisten im Trainingslager)

Der Schwung aus dem Hinrunden-Abschluss (acht Punkte aus den letzten vier Spielen) soll mitgenommen werden und in der Offensivplanung Favres dürfte ein Name eine besondere Rolle spielen: Patrick Herrmann.

Herrmann übernimmt Reus? Position

Gladbachs Chefstratege hatte lange gegrübelt, dann beorderte er Hermann am neunten Spieltag gegen Hannover 96 auf die zentrale Position in der offensiven Dreierreihe.

Seitdem spielt der 21-Jährige dort, wo bis zum Sommer noch Gladbachs prominentester Abgang Marco Reus wirbelte.

Mittlerweile hat sich Hermann, zuvor Flügelflitzer, an die neuen Freiheiten und Pflichten gewöhnt und trotz bisweilen schwankender Leistung seinen Stammplatz hinter der Angriffsspitze verteidigt.

"Ich spiele in etwa seine Position", erklärt Herrmann im Gespräch mit SPORT1.

"Da fehlt noch ein ganzes Stück"

"Bei den Kontern klappt es ganz gut, aber ansonsten brauchen wir noch nicht darüber reden, dass ich an Marco herankommen würde. Da fehlt noch ein ganzes Stück."

Drei Tore erzielte der Saarländer für den Tabellenachten, bereitete ebenso viele Treffer vor (DATENCENTER: Die Bundesliga).

In der Vorsaison glänzte er mehr als einmal an Reus' Seite, profitierte aber eben auch davon, dass der zig Gegenspieler auf sich zog.

Durch Reus' Wechsel zum BVB positionierte sich Herrmann im Team neu.

"Marco ist ein überragender Fußballer und ich habe immer sehr gerne mit ihm zusammen gespielt", berichtet er.

"Jetzt spiele ich vorne und da müssen sich die anderen natürlich schon etwas drauf einstellen. Aber inzwischen klappt das ja ganz gut."

In Europa begehrt

Auch in Europas Topligen haben sie das bereits registriert. Inter und Tottenham Hotspur sollen zuletzt Hermann auf ihren Transferradar genommen haben, der sich aber sogleich zur Borussia und seinem Vertrag bis 2014 bekannte.

Der U-21-Nationalspieler rackert auf seiner Position und hält damit teamintern eine spezielle Bestmarke: Herrmann hat in dieser Saison die meisten Fouls aller Gladbacher ein und handelte den "Fohlen" 24 Freistoßpfiffe gegen sich ein.

Eberl sieht Entwicklung

Für den Borussen-Sportdirektor Max Eberl ist das Talent ein Bestandteil von Gladbachs Weg im Jahr eins nach dem Abgang von Reus, Roman Neustädter (zu Schalke) und Dante (zu Bayern).

"Wir haben nun begonnen, ein neues Team aufzubauen - und es ist zu erkennen, wie es wächst", sagte Eberl.

"Wir sind auf einem guten Weg", ist er sich sicher.

Mit Selbstvertrauen in die Rückrunde

Herrmann sieht das genauso und relativiert im Rückblick Gladbachs holprigen Saisonauftakt.

"Es war klar, dass wir uns am Anfang der Saison erst mal finden und einspielen mussten. Gegen Ende der Hinrunde hat das immer besser funktioniert und so können wir auch die Rückrunde optimistisch angehen."

Die Borussia trotzte dem FC Bayern zum Hinrunden-Finale in München ein 1:1 ab - ein weiterer Beweis für die gestiegene Qualität.

"Es ist vor allem die Routine, die da nach und nach ins Spiel kommt. Man lernt die Laufwege der Kollegen besser kennen", stellt Herrmann gegenüber SPORT1 fest.

Neue Chance für die Zugänge

Auch die Neuzugänge wie Granit Xhaka und Luuk de Jong könnten aus seiner Sicht ab Rückrundenstart für den Klub vom Niederrhein wertvoll werden.

"Sie haben beide ihre Qualitäten. Ich war zu Beginn der letzten Saison auch hinter Marco Reus hinten dran, ich kenne das. Aber wenn man dran bleibt und im Training alles gibt, kommt der Rest ganz von allein."

20 Millionen Euro investierte Gladbach in Mittelfeldmann Xhaka und Stürmer de Jong.

De Jong wird nach seiner Verletzungspause zuvor ebenso um einen Platz kämpfen wie der Schweizer Xhaka heiß auf mehr Einsatzzeit ist.

"Am 3. Januar beginnen wir wieder mit dem Training und ab dann werden die Karten neu gemischt", kündigte Xhaka schon vor dem Weihnachtsurlaub an.