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Neue Ämter: Wolfsburgs Coach Dieter Hecking (l.) und Bremens Manager Thomas Eichin © getty

Liga-Stühle-Rücken: Auch in Wolfsburg und Bremen heißt es Neustart - mit Chancen und Risiken. Teil 2 der SPORT1-Analyse.

Von Christian Paschwitz

München - Ob auf der Trainer- oder der Manager-Position: Gleich vier Bundesliga-Klubs haben die Winterpause mit aufsehenerregenden Personalentscheidungen auf Chef-Ebene aufgemischt.

Während mit Dieter Hecking (vom 1. FC Nürnberg zum VfL Wolfsburg) und Michael Wiesinger (Hecking-Nachfolger beim Club) zwei Übungsleiter-Stühle neu besetzt wurden, vermeldeten der FC Augsburg und Werder Bremen neue namhafte wie unerwartete Strippenzieher.

Stefan Reuter übernahm in Augsburg als Manager für den kurz vor Weihnachten gefeuerten Jürgen Rollmann, Ex-Profi und Eishockey-Macher Thomas Eichin tritt bei den Hanseaten das große Erbe von Klaus Allofs an.

Liga drückt Neustart-Knopf

Alles zurück auf Null - die Liga drückt den Neustart-Knopf: (Teil 1 der SPORT1-Analyse: Mit Reuter und Kenner zurück auf Null)

Die Erwartungen an die auserkorenen Heilsbringer sind groß, die klubinternen Baustellen mitunter ebenso (VEREINSSEITE: Alles zu den Klubs).

SPORT1 wagt eine Analyse - und wägt bei deren Teil 2 Chancen und Risiken der Bremer und Wolfsburger ab.

VfL WOLFSBURG:

CHANCEN:

Das Image des Volkswagen-Klubs ist angekratzt, die Abstiegsgefahr als Tabellen-15. groß. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Schon allein deshalb sind die Ziele für Dieter Hecking und Klaus Allofs in dieser Saison tief gesteckt: Es geht allein um den Klassenerhalt - das nimmt Druck.

Weil nach der Meisterschaft 2009 die Messlatte ohnehin peu a pe nach unten gerutscht ist, wäre alles andere eine unerwartete Zugabe - die aber scheint nicht unmöglich.

Konzentration auf DFB-Pokal

Der kürzeste Weg nach Europa führt über den DFB-Pokal, wo die "Wölfe" im Viertelfinale bei Kickers Offenbach Favorit sind.

[kaltura id="0_4bbz0qu3" class="full_size" title="Heckings Vorstellung in Wolfsburg "]

"Den Pokal zu holen, ist ein tolles Ziel für die Rückrunde", so Hecking.

Nach Felix Magaths Abgang in Wolfsburg und dem damit verbundenen Abschied vom System Trainer/Manager in Personalunion bietet die Rückkehr zum arbeitsteiligen Modell auch mehr Freiräume im und Fokussierung aufs Tagesgeschäft.

Hoffnung auf langersehnte Kontinuität

Die Verteilung der Macht auf ein Duo sollte den VfL überdies flexibler, effizienter und vor allem erfolgreicher machen:

Allofs dürfte angesichts 13 zuvor nahezu unumstrittenen Jahren bei Werder Bremen wesentlich zielsicherer agieren als Magath, vor allem bei Transfers. ( 656124 DIASHOW: Die fixen Winter-Transfers )

Hecking wiederum ist nach drei Nürnberger Spielzeiten erprobt darin, eine Mannschaft aus dem Abstiegskampf herauszuhalten. Das Zusammenwirken des neuen Duos verspricht demnach die langersehnte Kontinuität.

RISIKEN:

Ab kommender Saison ist das Erreichen der internationalen Plätze jedoch Pflicht.

"Der VfL ist einer der Vereine, der neben drei, vier anderen Klubs in Deutschland die Perspektive hat, dauerhaft unter den ersten fünf, sechs Mannschaften zu spielen", weiß auch Hecking um eine Schonfrist nur in dieser Saison.

Aktuell warten zudem weitere Unwägbarkeiten: Hecking bleibt wenig Zeit und nur das Winter-Trainingslager, um seine Vorstellungen sogleich umzusetzen - er übernimmt eine Mannschaft mitten in der Saison.

Hecking hat wenig Zeit

"Es ist eine Schwierigkeit, ob die Mannschaft sofort versteht, wo ich hinwill", bekannte der Coach bei seiner Vorstellung.

Der 48-Jährige hat obendrein die Problematik, dass die VfL-Spieler unter Lorenz-Günther Köstner zuletzt gut funktioniert hta und sie am Interimscoach dem Vernehmen nach gern festgehalten hätte.

Allofs dagegen muss Fingerspitzengefühl und Weitsicht beweisen, den auf weit über 30 Spieler aufgeblähten Kader zu verschlanken.

Und aufpassen, bei Transfers nicht Gefahr zu laufen, bei Ex-Klub Werder zu wildern und damit Renommee zu verspielen.

WERDER BREMEN:

CHANCEN:

Nach Allofs' Abgang benötigen die Hanseaten nur sechs Wochen, um das große Personalloch auf Chef-Ebene zu stopfen.

Als Manager kommt der Gladbacher Ex-Profi Thomas Eichin, der für sich reklamieren darf, nach zuletzt elf Jahren als Strippenzieher bei Eishockey-Traditionsklub Kölner Haien auch Einblicke über den Tellerrand Fußball hinaus vorzuweisen.

Bei seiner Vorstellung punktete der 46-Jährige bereits, wirkte professionell und überzeugend.

Eichin: Unverbraucht wie auch Baumann

Als unverbrauchter Umsteiger mag Eichin damit neue Türen öffnen und Impulse geben, die ein rein im Fußball beheimateter Mann womöglich schuldig bliebe.

Auch die Zusammenarbeit mit dem neuen ebenso frischen Sportdirektor Frank Baumann könnte befruchtend sein - die Chemie mit Cheftrainer Thomas Schaaf stimmt Eichin zufolge ebenso: "Ich hatte das Gefühl, dass es passt."

Nicht zuletzt werden Allofs' bisherige Aufgaben auf nunmehr vier Schultern verteilt, Macht gesplittet wie in Wolfsburg nach dem dort beendeten Magath-Modell.

RISIKEN:

So mutig und ungewöhnlich Werders Lösung ist - abzuwarten bleibt jedoch, inwieweit sie tatsächlich derart "smart" ist, wie sie Aufsichtsratschef Willi Lemke nennt.

Eichin war nach den Absagen von Dietmar Beiersdorfer und Marc Kosicke letztlich nur dritte Wahl.

Allofs' Schatten ist lang und der einstige Abwehrmann Eichin mittlerweile branchenfremd. Auch wenn der glaubt, "dass ich genügend Stallgeruch und Kompetenz im Fußball besitze".

Hierarchie-Konstellation unklar

Nach bereits zwei Spielzeiten ohne Teilnahme am internationalen Geschäft ist die Erwartungshaltung groß - und die hierarchische Konstellation überdies unklar.

Während ein Manager allgemein des Trainers Vorgesetzer ist, scheint es in Bremen so, als habe Schaaf das Sagen - auch gegenüber Eichin.

Die Machtfrage wirkt bis dato unklar.