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Willy Sagnol (r.) traf sich in München mit SPORT1-Reporter Reinhard Franke © getty

Ex-Bayern-Spieler Willy Sagnol spricht bei SPORT1 über Heynckes' Zukunft, Ribery, Schweinsteiger - und fordert einen Titel.

Von Reinhard Franke

München - Er war Teil einer glorreichen Mannschaft.

Willy Sagnol gewann mit dem FC Bayern 2001 die Champions League und wurde in seinen neun Jahren beim Rekordmeister zu einem Liebling der Fans.

2009 beendete er sein Kapitel beim FCB und arbeitet heute als Sportdirektor des Französischen Fußballverbands.

Doch mit dem FC Bayern und München fühlt sich der 35-Jährige weiter eng verbunden.

Im SPORT1-Interview blickt der Vizeweltmeister von 2006 auf Bayerns turbulentes Jahr zurück und spricht vor dem Beginn des Wintertrainingslagers in Katar über die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes sowie die Entwicklung von Bastian Schweinsteiger und Franck Ribery.

SPORT1: Herr Sagnol, wie haben Sie das Bayern-Jahr 2012 gesehen?

Willy Sagnol: Im letzten Jahr gab es keinen Titel, aber Zweiter in der Liga zu werden und im Pokal- und Champions-League-Finale zu stehen, da konnte man nicht von einer schlechten Saison sprechen. Doch am Ende fehlten eben Titel und Bayern ist immer hungrig nach Titeln. Man hat in der Hinrunde der aktuellen Saison gezeigt, dass man wieder da ist. Die Spieler sind hochmotiviert und zwölf Punkte Vorsprung auf Dortmund zeigen, in welchem Topzustand der FC Bayern ist.

SPORT1: Hätten Sie nach dem "Drama dahoam" gegen Chelsea und der Niederlage im Pokalfinale gegen Dortmund mit so einer Hinrunde gerechnet?

Sagnol: Ich war nicht sehr überrascht, weil Bayern immer stark zurückkommt. Was für mich aber zählt, ist, was am Ende dieser Saison rauskommt. Wenn der Verein dieses Jahr nichts Großes gewinnt, dann müssen einige Veränderungen vorgenommen werden.

SPORT1: Sie fordern die Champions League?

Sagnol: Ja. Man spielt jetzt seit einigen Jahren fast mit der gleichen Mannschaft und irgendwann muss man etwas Großes gewinnen. Sonst sollte der Vorstand etwas in der Mannschaft verändern.

[kaltura id="0_on4gahin" class="full_size" title="Robben und Ribery Schulterschluss in Doha"]

SPORT1: Sollte dann auch die Position des Trainers verändert werden?

Sagnol: Das ist ein schwieriges Thema. Was Jupp Heynckes bisher geleistet hat, ist super. Die Frage ist nur, wie Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer die Zukunft der Bayern sehen. Planen Sie ein neues Projekt von vier oder fünf Jahren, dann müsste am Saisonende ein neuer Trainer her.

SPORT1: Sollte Heynckes also im Sommer gehen?

Sagnol: Ich sage nicht, dass er aufhören soll oder ein neuer Trainer geholt werden muss. Die Frage ist, was Bayern am Saisonende will. Wollen die Bosse ein oder zwei Jahre mit dem gleichen Trainer weitermachen, dann wird Heynckes bleiben, oder will man etwas ganz Neues einleiten? Es gibt aber keine optimale Entscheidung.

SPORT1: Der Name Pep Guardiola wurde zuletzt immer wieder genannt. Jetzt scheint es den Ex-Barca-Trainer wohl aber nach England zu ziehen. Wäre er überhaupt einer für Bayern?

Sagnol: Guardiola hat in Barcelona nur einmal eine Mannschaft trainiert, aber da gibt es viele Topstars. Ich will damit nicht sagen, dass jeder Trainer mit Barca Meister wird, aber da waren Spieler wie Lionel Messi oder Cesc Fabregas in seinem Team. Ob er bei Bayern diesen Erfolg haben könnte, ist eine andere Frage, weil der deutsche Fußball ein anderer ist als der spanische. Ich bin aber skeptisch, ob Guardiola bei Bayern funktionieren kann.

SPORT1: In der Champions League müssen die Bayern im Achtelfinale gegen den FC Arsenal ran. Können die "Gunners" zum Stolperstein werden?

Sagnol: Nein. Bayern wird zu 100 Prozent weiter kommen. Sie sind von der Substanz und von den Einzelspielern viel besser als Arsenal. Die haben zwar mit Per Mertesacker und Lukas Podolski zwei deutsche Spieler, Arsenal fehlt jedoch die deutsche Mentalität. Ich habe viel Respekt vor Arsenal, aber die haben zuletzt 2005 einen Titel gewonnen. Wenn ein Klub so lange keinen Titel mehr geholt hat, dann kann man nicht mehr von einer großen Mannschaft sprechen.

SPORT1: Wie bewerten Sie als früherer Abwehrspieler das Fehlen von Holger Badstuber und Jerome Boateng gegen Arsenal?

Sagnol: Bayern hat noch Dante, der bisher viel Gutes geleistet hat. Zudem haben sie nach hinten mit Luiz Gustavo oder mit Anatoliy Tymoshchuk noch gute Möglichkeiten. Das ist für mich kein großes Problem. Das größte Problem wird für Bayern das Fehlen von Franck Ribery im Pokal gegen Dortmund sein.

SPORT1: Wie sehr schmerzt seine Sperre?

Sagnol: Mit ihm fehlt dem FC Bayern viel Kreativität. Gegen den BVB wird es ganz, ganz schwierig, weil Dortmund wieder nach oben will und gegen die Bayern immer super spielt.

SPORT1: Franck Ribery wurde SPORT1-Spieler der Hinrunde. Teilen Sie diese Einschätzung?

Sagnol: Absolut. Leider kann ich die Bundesliga nicht regelmäßig verfolgen, aber ich habe die Bayern in der Champions League gesehen. Franck war großartig und begeistert alle. Ich habe mit ein paar Leuten in München gesprochen und sie sind sehr zufrieden mit Franck.

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit Bastian Schweinsteiger? Er war im Sommer am Boden, spielte dann aber eine starke Hinrunde.

Sagnol: Bei "Schweini" kann ich nicht neutral sein (lacht). Er war einer meiner besten Freunde, als ich bei Bayern war, und der einzige Spieler, den ich zu meiner Hochzeit eingeladen hatte. Er war, ist und wird das Herz der Mannschaft bleiben und wird seine Karriere in München beenden. Er ist die Nummer eins.

SPORT1: Die Bayern bereiten sich jetzt im Trainingslager in Katar auf die Rückrunde vor. Wie wichtig wird das für Bayerns Sorgenkind Arjen Robben werden?

Sagnol: So ein Trainingslager ist nicht nur für den Körper sehr wichtig, sondern auch für die Atmosphäre in der Mannschaft. Die Jungs müssen hart arbeiten und ab dem ersten Spiel wieder Gas geben. Ich hoffe, dass Robben dann fit ist. Wenn er gesund ist, ist er ein unheimlicher Mehrwert für das Team. Auch die Ersatzspieler müssen ihre Chance nutzen, die sich durch ein gutes Trainingslager bietet. Eine große Chance kommt nur einmal.

SPORT1: Gibt es eigentlich die Möglichkeit, Sie bei Bayern in einer Funktion zu sehen?

Sagnol: Ich war neun Jahre Spieler bei Bayern, lebte zwölf Jahre in München und bin auch jetzt immer noch dort. Aber mit Matthias Sammer hat man den besten Menschen für die beste Position gefunden. Mit Sammer muss man so lange wie möglich zusammenarbeiten, weil er fachlich einfach top ist.

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