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Lewis Holtby wechselte 2009 von Alemannia Aachen zu Schalke 04 © getty

Schalkes Nationalspieler Lewis Holtby erklärt seinen Wechsel zu Tottenham. Beim Anhang wirbt er um Verständnis und verrät Details.

Vom Trainingslager des FC Schalke 04 berichten Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

Doha - Wie die anderen Spieler sitzt Lewis Holtby auf dem kleegrünen Rasen in der Aspire Academy und hört Trainer Jens Keller zu.

Es ist der erste Tag nach Bekanntgabe seines Wechsels zu Tottenham Hotspur.

Der U-21-Nationalspieler wirkt ruhig und unaufgeregt genauso wie im Training, als er beherzt jedem Ball hinterhersprintet.

Fünfeinhalb Flugstunden von Gelsenkirchen entfernt spürt der Mittelfeldmann in Doha etwas gedämpfter, welche Welle sein Transfer ausgelöst.

Nicht wenige Schalker Fans nehmen ihm den Abschied krumm, hatten lange auf Holtbys Verbleib gehofft. Noch in der Hinrunde hatte der vor der Krise der Königsblauen gesagt: "Ich weiß nicht, warum ich weggehen sollte."

"Sie haben einen wahnsinnsguten Trainer"

Doch dann kam die Offerte der Spurs, bei denen er einen Fünf-Jahres-Vertrag erhält.

"Tottenham Hotspur ist kein kleiner Verein, sie haben Top-Fans, einen wahnsinnsguten Trainer", erklärte Holtby mit Verweis auf den künftigen Coach Andre Villas-Boas.

"Im Vordergrund stand, meinen Traum zu erfüllen. Tottenham ist ein Riesenverein in England und auf der Welt."

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Dank Vater großer Premier-League-Fan

Für Holtby geht mit dem neuen Arbeitgeber aus London ein Wunsch in Erfüllung.

Sein Vater Chris ist Engländer, viele Verwandte leben auf der Insel und die Premier League verfolgte der S04-Spielmacher schon als Kind mit großen Augen.

"Wenn ich das Angebot aus England nicht bekommen hätte, hätte ich mich für Schalke entschieden."

Lange quälte sich Holtby dennoch mit dem Für und Wider, wie er auf SPORT1-Nachfrage gestand.

"Es war keine einfache Entscheidung, das ging nicht über einen Tag. Ich habe mit meinen Berater und Mentalcoach gesprochen, wir sind alles durchgegangen, die Entscheidung lag aber bei mir."

"Ich hatte ein Top-Angebot von Schalke"

Über astronomische Summen für sein neues S04-Jahresgehalt wurde zwischenzeitlich spekuliert, doch das sei nicht ausschlaggebend gewesen.

"Ich hatte ein Top-Angebot von Schalke, ich kenne die Wahrheit", stellte das Offensivtalent fest.

[kaltura id="0_tjse77wa" class="full_size" title="Afellay bricht Training ab"]

"Ich habe mir Gedanken gemacht, habe mich gefragt: Was hast du erlebt in Bundesliga? Was hast du noch vor?" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und dann gab er Einblick in seinen Karriereplan, der aus seiner Sicht stets von neuen Herausforderungen und mutigen Chancen geprägt war.

Karriereweg mit klarer Zielrichtung

"Ich habe immer schnell die Wahl getroffen - auch als es darum ging, ob ich die Schule weitermache oder mich auf Fußball konzentriere."

In Bochum verzichtete der Jungstar sogar auf Geld, um Spielpraxis zu erlangen.

Dann mauserte er sich vom Bruchweg-Boy und Leihspieler in Mainz zum wichtigen Spielgestalter bei den "Knappen" und Nationalspieler.

Im Luxushotel "The Torch" ("Die Fackel") war dem Blondschopf allerdings anzumerken, wie ihn die vergangenen Wochen beschäftigt hatte.

"Ich respektiere jede Meinung"

Emotional dankte er Schalke für die gemeinsame Zeit, sprach über seine "mutige Entscheidung" und den sich andeutenden Aufruhr der Anhänger.

"Ob die Fans pfeifen oder nicht, ich respektiere jede Meinung."

Holtby bemühte sich, den Balanceakt irgendwie zu schaffen zwischen den eigenen Wünschen, den Erwartungen des königsblauen Anhangs und seiner eigenen Rolle im Team.

Also versprach er weiter für Schalke alles rauszuhauen, was er zur Verfügung hat und verkündete - angesprochen auf einen prominenten Ersatzmann bei Chelsea: "Ich bin nicht Marko Marin, sondern Lewis Holtby".

Mehrere Positionen bei Tottenham möglich

Spurs -Coach Andre Villas-Boas sehe ihn auf der "6, 8 oder 10" und habe ihn von der Philosophie des Ex-Klubs von Jürgen Klinsmann überzeugt.

"Ich spiele Fußball, um mir Träume zu erfüllen", sagte Holtby. Das klang ehrlich, in einem Millionengeschäft aber auch auf eine bestimmte Weise mutig und naiv zugleich.

In die tägliche Pressekonferenz in Doha hatte Schalke neben Holtby den Routinier Christoph Metzelder beordert.

Der Abwehrspieler hörte dem jungen Kollegen zu, ehe er seinen eigenen Weg schilderte.

"Den Königsweg gibt es nicht, ich bin als gestandener Nationalspieler zu Real Madrid gegangen", sagte er, doch er habe sich nicht durchsetzen können.

Letztlich müsse eine solche Entscheidung jeder selbst treffen.

Holtby hat die Heimkehr ins Vaterland mehr als eine schlaflose Nacht gekostet.

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