vergrößernverkleinern
Miroslav Klose bejubelt seine beiden Treffer zum FCB-Sieg über Dortmund © getty

Der Bayern-Stürmer dreht erst kurz vor Schluss auf. Kollege Luca Toni verweigert ihm den Handschlag. Ärger gibt es um Boatengs Foul.

Von Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Links daneben, rechts daneben, übers Tor: Die Angreifer des FC Bayern ließen gegen Borussia Dortmund kaum eine Möglichkeit aus, das Tor zu verfehlen. Ab und zu durfte auch BVB-Keeper Roman Weidenfeller glänzen.

Miroslav Klose musste es vorkommen, als ob da jemand das Ergebnis zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund in Stein gemeißelt hätte.

1:1 blinkte es hartnäckig von der Videowand in der Allianz Arena.

Die Münchner vergaben "100.000 Chancen", wie Manager Uli Hoeneß hinterher kopfschüttelnd und nicht mal mit viel Übertreibung feststellte.

Bis zur 88. Minute. Klose traf, und nach den Toren von Nelson Valdez (2.) und Ze Roberto (24.) lagen die Münchner in Front. ad

"Einfach abwarten"

Kurz danach schob derselbe Klose, der vorher beste Möglichkeiten versiebte, zum 3:1-Endstand ein (Spielbericht).

"Man muss die Dinge einfach abwarten. Das zeichnet mich auch aus, dass ich immer an meine nächste Chance glaube", erklärte der Torjäger (Porträt) nachher.

"Weiter, immer weiter", das Motto des einstigen Bayern-Titans Oliver Kahn hat der Nationalspieler mittlerweile perfekt intus.

Die Bayern feiern, sind jetzt Zweiter und profitieren von einer Konkurrenz, die am Wochenende allesamt Punkte liegen ließ (Spieltag und Tabelle).

Auswechslung bringt Ärger

Doch der Sieg über die wacker kämpfenden Borussen sagt nicht nur etwas über den Seelenzustand der Roten im Titelrennen aus.

Auch die Feinjustierung im FCB-Team wird sichtbar.

Denn 16 Minuten vor Kloses Doppelpack stapfte Luca Toni sauer vom Platz. Er, der Weltmeister und Bundesliga-Torschützenkönig der Vorsaison, musste Landon Donovan weichen. Klose durfte auf dem Feld bleiben. In dem Italiener kochte es.

Toni verweigert Handschlag

Klose hielt ihm die Hand zum obligatorischen Abklatschen hin.

Toni marschierte daran vorbei.

"Das ist kein Problem, das können wir jetzt noch klären", wollte Klose daraus nachher keine große Geschichte machen.

Franz Beckenbauer tat sich da wesentlich leichter, die Sachlage zu schildern. "Toni ist ein typischer italienischer Torjäger, der nur sich, den Ball und das Tor sieht. Er hätte in ein paar Situationen abspielen können, ja müssen - und hat das nicht getan", kritisierte der FCB-Präsident auf "Premiere".

Und fügte ebenso offen hinzu: "Darunter leidet Miroslav Klose, der sich dem unterordnet. Wenn Toni dann nicht mehr mitspielt, wirkt Klose befreit."

"Bauchgefühl" für Klose

Tatsächlich nutzte Klose nach Tonis Auswechslung den Platz im Zentrum, den sonst wie selbstverständlich Toni einnimmt.

Allerdings hatten vorher beide sich darin überboten, Möglichkeiten zu vergeben. Sei es in Eins-zu-Eins-Situation vorm Tor oder bei Schüssen aus dem Gewühl heraus.

Jürgen Klinsmann erklärte dann auch mit einem "Bauchgefühl", warum er Klose und nicht Toni auf dem Feld ließ. "Auch wenn Klose die Dinger in der ersten Halbzeit nicht reinmacht, hat er sehr frisch gewirkt, war sehr laufstark und zweikampfstark."

Klinsmann in Vermittler-Rolle

Den Ärger des Italieners konnte der Trainer, früher selbst ehrgeiziger Stürmer und Werbetonnen-Treter, nachvollziehen. "Klar ist ein Spieler sauer, wenn man ihn runterholt. Da bin ich selbst das beste Beispiel für", erzählte "Klinsi" mit einem Schmunzeln.

Um Ärger im Binnenverhältnis der beiden Stars fürchtet er indes nicht. Sie passen aus seiner Sicht "ohne Probleme" zusammen. "Natürlich beansprucht jeder auch einen gewissen Raum für sich selbst."

Der frühere Bundestrainer muss dann vermitteln: "Meine Aufgabe ist es, mit diesen Charakteren umzugehen."

Beckenbauer und Klopp zoffen sich

Einen Vermittler dürften womöglich demnächst auch Franz Beckenbauer und Dortmunds Trainer Jürgen Klopp benötigen.

Denn die Szene, als der Dortmunder Kevin Boateng (Porträt) offenbar absichtlich Klose aufs Knie trat, brachte den "Kaiser" mächtig in Rage. "Das ist eine Schweinerei. Er wollte Klose verletzen", schimpfte Beckenbauer.

Klopp konnte diese harsche Reaktion nicht verstehen: "Normalerweise interessiert es keinen, wenn ein Moderator etwas sagt. Aber bei Franz Beckenbauer ist das anders. Wenn man bei der Situation aber in das Gesicht von Kevin schaut, wird deutlich, dass dort keine Aggressivität ist. Er wollte über das Bein springen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel