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Miroslav Klose (r.) erzielte gegen Dortmund seine Saisontore sieben und acht © imago

Klose klagt Boateng an und Klopp zofft sich mit dem "Kaiser": Nach dem Bayern-Sieg gegen Dortmund kochen die Emotionen hoch.

München - Es überwog die Genugtuung.

Doch der Frust saß ebenfalls tief beim Matchwinner Miroslav Klose (Porträt).

Mit seinem Doppelpack in der Schlussphase (der Spielbericht) entschied der Stürmer das Spiel gegen Borussia Dortmund zu Gunsten des FC Bayern (zur Vereinsseite).

Vergessen waren alle vergebenen hochkarätigen Chancen, in den Hintergrund geraten war das kleine Scharmützel mit Kollege Luca Toni, der ihm den Handschlag verwehrte (Toni schmollt).

Obwohl der Rekordmeister mit dem dem 3:1 in der Allianz Arena bis auf einen Punkt an Tabellenführer 1899 Hoffenheim heranrückte, gab es nur ein Thema.

Der Tritt von BVB-Neuzugang Kevin-Prince Boateng auf den Oberschenkel des Nationalspielers vor dem 1:1 durch Ze Roberto in der 24. Minute.

"Das war Absicht"

"Das war klar Absicht, ich habe es in seinem Gesicht gesehen, dass er mich treffen wollte. Da kann er jetzt erzählen, was er will", sagte Klose auf Nachfrage von Sport1.de.

Im DSF ging der 30-Jährige noch ins Detail: "Ich mache es an der Reaktion des Spielers fest. Er kam in der Halbzeit scheinheilig angelaufen und erzählte, dass das keine Absicht war."

Klose in Rage: "Ich bin ja schon ein paar Jahre im Geschäft und weiß, dass man wartet, bis der Spieler runtergeht und ihm dann absichtlich auf den Oberschenkel steigt. Man weiß ja, dass der Spieler vorher was am Knie hatte. Im Nachhinein wünscht man aber nicht, dass ein Spieler gesperrt wird."

Gesperrt wird Boateng auch nicht. Der Kontrollausschuss des DFB wird keine Ermittlungen aufnehmen. "Es wird vom Kontrollausschuss nichts gemacht, da nach Ansicht der TV-Bilder keine Absicht nachzuweisen ist", sagte Klaus Koltzenburg von der DFB-Pressestelle.

Van Bommel verrät Details

Mark van Bommel hatte, wie viele der 69.000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena, die Szene gar nicht richtig sehen können. Im Gespräch mit Sport1.de berichtete der Bayern-Kapitän dafür umso genauer, dass Klose sich in der Kabine "stinksauer" gezeigt hatte.

Unterstützung bekam der Matchwinner von Präsident Franz Beckenbauer: " Das ist auf jeden Fall eine Schweinerei und eine ganz klare Tätlichkeit. Er hat mit Absicht auf den Oberschenkel von Miroslav Klose getreten. Das war unsportlich", wetterte der "Kaiser".

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Allerdings meint er: "Boateng kann froh sein, wenn der DFB diese Bilder nicht bewertet. Denn wenn er diese Bilder bewertet, weiß ich nicht, wie er reagiert."

Klopp auf der Palme

Das wiederum trieb BVB-Trainer Jürgen Klopp die Zornesröte ins Gesicht. Auch wenn er einräumte, "der Franz dürfe in Deutschland alles sagen": In der Mixed-Zone platzte dem Coach der Kragen, er holte zum Rundumschlag aus.

"Normalerweise ist es so, wenn ein Kommentator so etwas sagt, interessiert es niemanden. Aber wenn Franz was sagt, fangen alle an zu rennen. Ich hoffe, es wird noch einmal darüber nachgedacht", zürnte er.

Einmal in Fahrt, fügte er an: "Wer das kann, da drüber springen und gleichzeitig einen Torschuss zu verhindern und noch da drauf zu treten, dann sag ich: Hut ab! Dann kann es nur darum gehen, dem Kevin etwas anzuhängen, nur weil er vielleicht etwas wilder aussieht. Sollte seitens des DFB in dieser Hinsicht etwas passieren, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich werde alles in Bewegung setzen."

Schelte für den "Kaiser"

Die nächste Schelte für den "Kaiser": "Ganz ehrlich, wer da Rot fordert, hat schon lange nicht mehr auf dem Platz gestanden."

Auch Premiere-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis, der vehement die Meinung von Franz Beckenbauer vertrat, bekam sein Fett weg: "Was der gesagt hat, war ein Hammer - da sage ich nur: Brille putzen!", schimpfte Klopp und kündigte an, dem Journalisten keine vertraulichen Interviews mehr geben zu wollen.

Ein wenig Verständnis hatte Klopp aber dann doch für Klose. "Das ist eine sehr schmerzhafte Situation für Miro. Wenn man aber genau hinschaut, und den Gesichtsausdruck von Kevin sieht, sieht man, dass das überhaupt keine Aggression dabei ist, er will drüber steigen, tritt dabei Miro aufs Bein, das tut weh, ist aber niemals eine Tätlichkeit."

Diskussionen gehen weiter

Die übrigen Bayern hielten sich dezent zurück. Van Bommel sicherte sich bei seinen Äußerungen jedenfalls gut ab. "Was sagt der Kaiser dazu?", fragte er nur von Sport1.de auf die Skandal-Szene angesprochen.

Als er es erfuhr, sagte er nur mit einem Lachen: "Dann wird das wohl so sein."

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