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Thomas Schaaf (r.) löste im Mai 1999 Felix Magath als Trainer in Bremen ab © getty

Sportdirektor Allofs lässt erstmals Zweifel am Trainer aufkommen, rudert aber gleich zurück. Auch der Vorstandsboss stärkt Schaaf.

Von Rainer Nachtwey

München/Bremen - Es ist der 27. Januar 2001: Werder Bremen bezwingt nach Toren von Ailton und Claudio Pizarro den TSV 1860 München mit 2:0.

Es ist der sechste Saisonsieg. Mit 24 Punkten belegen die Norddeutschen den zehnten Tabellenplatz - die gleiche Platzierung wie nun acht Jahre später.

Damals spielten in Bremen noch Dieter Eilts, Frank Verlaat, Mike Barten, Andreas Herzog und Bernhard Trares.

Jetzt hat Werder nicht nur andere Führungsspieler, sondern auch andere Ziele als damals.

Frust nach der zweiten Rückrundenpleite

Entsprechend groß ist der Frust in der Hansestadt nach der 0:1-Pleite auf Schalke, der zweiten Niederlage im zweiten Rückrundenspiel.

"Ich schaue nicht gerne auf die Tabelle", wiegelt Manager Klaus Allofs ab.

Doch die Krise führt offenbar zu ersten Zweifeln an Trainer Thomas Schaaf, der bislang einen ähnlichen Stellenwert in Bremen einnimmt wie einst Otto Rehhagel, in Frage.

"Aus meiner Sicht ist es nach zehn Jahren auch mal Zeit für einen Trainerwechsel, auch wenn das bei Werder keiner hören will", sagte DSF-Experte Udo Lattek (Lattek-Kolumne) im Doppelpass.

Und auch Allofs ließ sich nach der Partie in Gelsenkirchen zu einer ungewohnten Aussage hinreißen.

"Das hätte ich lieber nicht gesagt"

Auf die Frage, warum er denn dem Trainer weiterhin die Treue schwöre, rutschte dem Sportdirektor heraus: "Es ist kein prinzipieller Treueschwur."

Weniger später ruderte Allofs aber zurück. "Das hätte ich lieber nicht gesagt", meinte er. "Ich bin total überzeugt von der Arbeit von Thomas Schaaf."

Schaaf selbst wollte direkt nach dem Spiel nichts zu seiner Situation sagen, wirkte am Sonntag im DSF aber nachdenklich.

"Ich stelle mich diesen Dingen und arbeite mit meiner Mannschaft weiter. Was die Zukunft betrifft, muss man sich Gedanken machen, ob alle Seiten auch weiterhin miteinander arbeiten werden", sagte der Ex-Profi.

"Aber ich glaube, dass ich im Moment genügend und gut zu tun habe - und das werde ich auch fortsetzen."

Rückendeckung vom Vorstandsboss

Rückendeckung erhält die sportliche Leitung auch von Vorstandsboss Jürgen Born.

"Klaus Allofs und Thomas Schaaf arbeiten sehr gut, nicht nur zusammen, sondern auch einzeln. Es gibt kein so gut abgestimmtes Paar in der Bundesliga wie das bei uns der Fall ist", sagte Born im NDR und hielt fest: "Die 'Ehe' steht nicht zur Diskussion."

Die Nationalspieler Per Mertesacker und Torsten Frings sprachen sich ebenfalls für den Trainer aus. "Er arbeitet, korrigiert, spricht mit uns, bereitet uns vorbildlich vor. Nur wir schaffen es nicht", erklärte Verteidiger Mertesacker und Frings ergänzte: "Eine Trainerdiskussion ist absoluter Schwachsinn."

Spieler flüchten sich in Durchhalteparolen

Andererseits bemüht auch Mertesacker wie seine Mannschaftskollegen mehr und mehr Durchhalteparolen. Er hakte gar eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb über die Bundesliga ab.

"Unser Hauptaugenmerk sollte dem DFB-Pokal und dem Uefa-Cup gelten. Da kann man auch Möglichkeiten schaffen", sagte der 24-Jährige nach dem Spiel auf Schalke.

Dass es sich hierbei nur um eine Durchhalteparole handle, findet Frings nicht. Der Mittelfeldakteur hatte nach der Partie von "keiner schlechten Leistung" gesprochen, relativierte aber seine Aussage.

"Das hat nichts mit Schönreden zu tun", meinte Frings in der "Bild", "wir müssen jetzt Ruhe bewahren. Ich habe nach dem Schalke-Spiel nur gesagt, dass wir mit dieser Einstellung weiterspielen sollen."

Training verpufft wirkungslos

Mertesacker kritisierte im "kicker" zum wiederholten Mal die schwankenden Leistungen: "Wir müssen es vom Kopf her realisieren, müssen eine andere Bereitschaft mitbringen. Nur so ist konstante Leistung möglich."

Stattdessen aber gibt es immer wieder Aussetzer, so wie beim Schalker Gegentor durch Hugo Almeida.

Dessen Schläfrigkeit brachte Schaaf trotz seiner unterkühlten Art und Weise auf die Palme. Schließlich hatte der Coach vor dem Spiel noch Standards trainiert.

"Wenn man Dinge extra übt, und sie dann nicht zur Wirkung kommen, dann ist man unzufrieden", gab der Coach zu.

"Das ist unprofessionell"

Gerade diese Tatsache, dass Schaafs Maßnahmen offenbar nicht mehr wirken, steht im Widerspruch zu dem, was Allofs erkannt haben will. "Der Trainer erreicht die Mannschaft und bereitet sie gut vor", behauptete er.

Zudem nahm Allofs die Spieler in die Pflicht und kritisierte auch Mertesackers Aussagen: "Wir müssen uns am Wochenende auf die Bundesliga konzentrieren - und auf die anderen Wettbewerbe, wenn sie anstehen. Alles andere ist unprofessionell."

Auf Dürrejahre folgen fette Jahre

Born hingegen nahm die aktuelle Situation mit Galgenhumor: "Es muss auch mal eine schlechte Saison geben, damit man weiß, wie schön es ist, wieder nach oben zu kommen."

Und wenn man den Blick acht Jahre zurück richtet, kommt man ebenfalls zu dieser Erkenntnis:

Nach dem Dürrejahr 2001 folgten sieben fette Jahre mit dem Gewinn des Doubles 2004 und zuletzt fünf Champions-League-Teilnahmen in Folge.

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