Die Entscheidungen der Schiedsrichter sorgen am 19. Bundesliga-Spieltag wieder ein Mal für Diskussionen. Nun ist die Liga gefordert.

Ein Tor zum 1:1 von Ze Roberto in Abseitsposition, ein vermeintliches Handspiel von Lucio im eigenen Strafraum und ein Tritt von Kevin Boateng gegen den am Boden liegenden Miroslav Klose, bei dem Schiedsrichter Michael Kempter im Gegensatz zu Franz Beckenbauer "keine Absicht erkennen" konnte.

Nach der Partie des FC Bayern gegen Borussia Dortmund gab es viel Gesprächsstoff in München - aber nicht nur dort!

Mladen Petric wurde von Marco Engelhardt noch sekundenlang nach dem Pfiff des Unparteiischen gehalten.

Als der HSV-Stürmer sich genervt freischüttelte, sah Thorsten Kinhöfer in der Reflex-Reaktion eine Tätlichkeit und zog Rot. Auf die fällige Nachspielzeit nach vier Toren und zwei Platzverweisen verzichtete der 40-Jährige zum Ärger des HSV.

Den Feldverweis für den Frankfurter Chris nach Foul am Kölner Radu hielt selbst FC-Trainer Christoph Daum für "absolut überzogen".

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Alles umstrittene Entscheidungen, die wieder einmal die Unparteiischen in den Fokus eines Spieltags rücken.

Aber Folgen über den Spieltag hinaus wird ein nicht gegebener Strafstoß für Hoffenheim haben.

Was Lutz Wagner geritten hat, den bereits gepfiffenen Elfmeter nach Rücksprache mit seinem Assistenen Tobias Welz zurückzunehmen, weiß er hoffentlich mittlerweile.

Seine Ausrede nach dem Spiel, es sei die Regel, "immer das erste Vergehen zu bestrafen", führen die TV-Bilder jedenfalls ad absurdum.

Denn bei einer "Blutgrätsche" wie sie Mönchengladbachs Tomas Galasek gegen Chinedu Obasi auspackte, ist nach Regel 12 bereits der Versuch zu bestrafen.

Und der hat eindeutig stattgefunden, bevor der Hoffenheimer das wichtigste Kapital eines Fußballers, seine Beine, instinktiv in Sicherheit brachte.

Immerhin will Obasi in den kommenden Wochen ebenso Prämien kassieren wie der hauptberufliche Fertigungsleiter Wagner, dem schon in der Vorrunde wegen Nichtberücksichtigung in der Bundesliga rund 15.000 Euro entgangen waren - seine Aufwandsentschädigung von 3068 Euro pro Spiel.

Und da liegt das Dilemma: Als ob der moderne Tempo-Fußball von den Unparteiischen nicht schon volle Konzentration fordert, sitzen im Hinterkopf noch die verlängerten Arme von Volker Roth - die Beobachter auf den Rängen.

Immer die Angst im Nacken, dass dem allgewaltigen Schiri-Boss eine Entscheidung nicht gefällt und in der Woche drauf keine Ansetzung - sprich: kein Geld - reinkommt, macht den Referees das Leben schwer.

Es gibt nur einen Weg, die Angst aus den Köpfen der Schiedsrichter herauszubekommen: eine erneute Denkpause für Wagner.

Sollte der 45-Jährige in den kommenden Wochen angesetzt werden, wäre das ein fatales Signal für seine Kollegen, nämlich dass Roth sie bewusst an der kurzen Leine hält und der mündige Schiedsrichter nicht erwünscht ist.

Denn dass sie es besser können, beweisen Deutschlands Schiedsrichter in der Regel bei ihren internationalen Auftritten, bei denen Roth ach so fern ist.

Wer nun der Argumentation des Schiedsrichter-Ausschusses folgt, dass international doch ganz anders gespielt würde, begeht Verrat an der Bundesliga, aus der zu Beginn der Saison immerhin acht Vereine auf europäischer Bühne tanzten.

Sollten die Leistungen der Unparteiischen in Zukunft weiter derart im Fokus stehen, sind die Liga-Verantwortlichen gefragt.

Die DFL kann der Schwächung ihres Prämium-Produkts Bundesliga durch schwache Schiedsrichterleistungen wohl kaum tatenlos zusehen.

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