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Dietmar Beiersdorfer ist seit dem 1. September 2002 Sportchef beim HSV © getty

Bei Sport1.de spricht Dietmar Beiersdorfer über die Meisterschaftschancen des HSV und die Spielerfluktuation in der Winterpause.

Von Christian Paschwitz

München - Er ist der Drahtzieher des neuen Hamburger Erfolgs:

Dietmar Beiersdorfer steht für wirtschaftliches Geschick und ein gutes Händchen bei Neuzugängen - seien es Spieler oder Trainer.

In der Winterpause fädelte "Dukaten-Didi" - so der neue Spitzname des Sportchefs nach den letzten Millionen-Einnahmen - erneut einige Geschäfte ein.

Vier Akteure transferierte er für teilweise hohe Beträge weg, als Ausgleich holte er sechs Neue.

Im Interview mit Sport1.de rechtfertigt Beiersdorfer die mitunter mutigen Entscheidungen und erklärt die Hintergründe des Neves-Transfers.

Außerdem spricht er über die Titelchancen des HSV und eine mögliche Zukunft beim FC Bayern.

Sport1.de:: Herr Beiersdorfer, wie beurteilen Sie die Niederlage in Karlsruhe?

Dietmar Beiersdorfer: Wir haben den Killerinstinkt vermissen lassen. Die letzte Aggressivität und Zielstrebigkeit hat uns gefehlt, der unbedingte Wille, das Spiel nach Hause zu bringen. Es ist schon sehr ärgerlich, wenn man so ein Spiel noch aus der Hand gibt. Zumal wir in der Tabelle einen großen Schritt nach vorne hätten machen können. (NACHBERICHT: Zu blöd für die Tabellenführung) .

Sport1.de: In der Winterpause holten Sie Ihrem Coach sechs neue Spieler, für Sie gab's sogar einen neuen Spitznamen. Ist alles perfekt gelaufen für "Dukaten-Didi"?

Beiersdorfer: Perfekt ist es, wenn man seine besten Spieler halten kann und noch welche dazu holt. Es war also nicht ganz perfekt. Wenn man so einen Spieler wie Nigel de Jong abgibt, tut es auch ein bisschen weh. Aber als Verein muss man so einen Transfer machen. Nachdem sich Bastian Reinhardt verletzte und wir nach de Jong, Anton Putsilo und Vadis Odjidja-Ofoe auch noch Thiago Neves abgegeben haben, mussten wir natürlich neue Spieler dazu holen. Sonst wären wir mit 17 Leuten in die Rückrunde gegangen. Das wäre durch die Belastung in den drei Wettbewerben grob fahrlässig gewesen.

Sport1.de: Wurde nur in die Breite des Kaders investiert?

Beiersdorfer: Alle Spieler, die wir geholt haben, können sofort spielen - sie müssen aber nicht. Bis auf Tavares und Torwart Sinouh, der ja vereinslos war, haben wir die neuen Spieler zunächst bis zum Saisonende ausgeliehen.

Sport1.de: Albert Streit gilt als "Problemspieler". Warum haben Sie ihn geholt, wo kann er die Mannschaft verstärken?

Beiersdorfer: Wir brauchten nach dem Abgang von Thiago Neves eine Alternative für die Offensive. Albert hat bei uns sportlich immer auf der Liste gestanden. Ich glaube, dass die Chance mit ihm viel größer ist als das Risiko. Auch ihn haben wir ausgeliehen bis zum Saisonende, und Albert fängt hier bei Null an. Er hat auch den Willen und die Lust sich hier gut in die Mannschaft zu integrieren und Leistung für den HSV zu bringen.

Sport1.de: Wie gestaltet sich das bisher?

Beiersdorfer: Sehr positiv. Wir haben ihm klar gemacht, was bei uns wichtig ist: Sich in eine Mannschaft zu integrieren, die kämpft und für einander da ist. Um so auch möglicherweise die paar Prozent wettzumachen, die uns zu den Bayern fehlen. Zum Rückrundenauftakt haben wir gesehen, was dann möglich ist. Dafür braucht man Leute, die sich bedingungslos identifizieren.

Sport1.de: Wie groß ist umgekehrt die Enttäuschung, dass Neves sich nicht durchsetzen wollte?

Beiersdorfer: Ab einem gewissen Zeitpunkt lief es bei ihm leider in eine bestimmte Richtung. Er hat das Finale der Copa Libertadores gespielt, war bei Olympia und ist erst im September zu uns gekommen. Hätten wir ihn früher bekommen, wäre es besser gelaufen. Er hätte mehr Zeit gehabt. Er hat zuletzt aber auch schon besser trainiert, es sah alles schon ein Stück selbstverständlicher aus im Mannschaftskreis.

Sport1.de: Warum haben sich die Wege dann getrennt?

Beiersdorfer: Er hat uns klar mitgeteilt, dass er mit seiner Rolle nicht zufrieden ist und den Verein gern wieder verlassen würde. Wir hielten das dann auch für die beste Lösung. Thiago hat die Diskrepanz zwischen dem Anspruch als Star-Spieler in Brasilien und der Wirklichkeit, sich beim HSV einzugliedern, gedanklich nicht verarbeitet. Deshalb war das natürlich eine Riesen-Enttäuschung für ihn und ihm fehlte am Ende die Motivation, sich durchzubeißen.>>Hier gehts zum zweiten Teil des Interviews

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