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Nuri Sahin begann seine Profikarriere 2005 bei Borussia Dortmund © imago

Mehr Flexibilität bei der Systemwahl, eine neue Spieleröffnung und eine bessere Abwehr: Sahins Rückkehr könnte einiges bewirken.

Von Felix Götz und Thorsten Langenbahn

München/Dortmund - Nuri Sahin war angespannt, aber glücklich.

Beim 4:3-Sieg nach Elfmeterschießen im Wintercup-Finale in Düsseldorf gegen Mainz (Bericht) trug der 24-Jährige nach 19 Monaten bei Real Madrid und Liverpool wieder das Trikot von Borussia Dortmund.

"Ich war ungewöhnlich nervös, fast so wie bei meinem Debüt mit 16 Jahren", gab Sahin zu.

In den 45 Minuten Spielzeit machte der türkische Nationalspieler seine Sache dann ordentlich. "Dann hatte ich die Automatismen wieder drin, war alles so wie früher", erklärte er.

Freude über Sahin-Rückkehr

Vielleicht auch, weil Sahin mit offenen Armen empfangen wurde.

"Ich freue mich, dass er zurück ist. Nuri wird uns charakterlich und qualitätsmäßig helfen", sagte Ilkay Gündogan, dem Sahins Rückkehr den Platz im Team kosten könnte.

Und Sebastian Kehl, ebenfalls womöglich leidtragend, meinte: "Wir haben durch Nuri neue Optionen. Der Trainer wird sich was einfallen lassen." (BERICHT: Sahin ist zurück - wer muss weichen?)

BVB wesentlich flexibler

Dank Sahin ist der Meister von 2011 und 2012 auf taktischer Ebene wesentlich flexibler.

Bisher lässt Jürgen Klopp meistens im 4-2-3-1-System spielen. Nun ist auch eine andere Grundordnung denkbar - das 4-3-3-System.

"Nuri gibt uns viel mehr Möglichkeiten. Mit ihm können wir andere Sechser für offensivere Positionen freimachen", erklärte der Coach.

Doppelsechs mit Gündogan oder Bender?

Insgesamt scheinen für den im defensiven Mittelfeld mit Gündogan, Kehl, Moritz Leitner und Sven Bender ohenhin exzellent besetzten BVB vier Varianten möglich zu sein.

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Sahin könnte im 4-2-3-1 gemeinsam mit Gündogan die Doppelsechs bilden, was allerdings auf Kosten der in der Hinrunde ohnehin nicht immer vorhandenen defensiven Stabilität gehen könnte.

Im selben System könnte der Coach allerdings - wie beim Wintercup - auf Sahin und Bender setzen. So wurde die Borussia 2011 Meister. Kehl wäre hierbei eine Alternative für Bender.

Die Schwierigkeit: Sollte Klopp Gündogan in die zentrale Position nach vorne ziehen, dann müsste er Jakub Blaszczykowski, Mario Götze oder Marco Reus aus der ersten Elf nehmen.

BVB könnte wie Spanien spielen

Im 4-3-3 könnten im Mittelfeld Sahin links, Gündogan in der Mitte und Bender rechts agieren. Auch hier wäre Kehl rechts einsetzbar.

Die vierte taktische Ausrichtung könnte ein Modell für die nächste Saison sein, wenn der BVB mit Robert Lewandowski womöglich seinen einzigen hochkarätigen Stürmer verliert.

Nach spanischem Vorbild würden sich dann Blaszczykowski, Reus und Götze als Halbstürmer abwechseln. Sahin würde direkt hinter dem Trio agieren.

"Konkurrenzkampf pur"

Insgesamt balgen sich im defensiven Mittelfeld fünf starke Spieler um zwei, maiximal drei Plätze. "Wir haben viele gute Mittelfeldspieler. Der Trainer hat nun ein Luxusproblem. Wir müssen einfach das tun, was der Trainer von uns erwartet", sagte Sahin.

"Wir haben Konkurrenzkampf pur. Aber das bewirkt, dass man an seine Grenzen geht", erklärte Gündogan.

Sahins Rückkehr wirkt sich aber nicht nur auf das Mittelfeld und die Offensive, sondern auch auf die Abwehr aus.

Veränderte Spieleröffnung

Bender kann bei Verletzungssorgen oder Formschwächen nun jederzeit in der Viererkette aushelfen.

"Rotieren kann man nur, wenn eine entsprechende Qualität da ist. Daran wollen wir in Zukunft arbeiten", meinte Klopp bei SPORT1 und stellte damit klar, dass der BVB riesige Ansprüche hat.

Auch die Spieleröffnung könnte neu geordnet werden. Bisher ist Innenverteidiger Mats Hummels oft Impulsgeber, leitet Angriffe mit Steilpässen ins Mittelfeld oder langen Schlägen auf Lewandowski ein.

Sahin als Ballverteiler

Die Rolle des Ballverteilers könnte mit Sahins Einbau wieder mehr ins Mittelfeld verlagert werden.

Mit seiner tollen Übersicht und seiner Passsicherheit hatte er sich bereits 2010/2011 oft die Bälle in der eigenen Hälfte geschnappt und die Offensive eingesetzt.

Das Risiko das entsteht, wenn Hummels zu weit hinten rausrückt, könnte so minimiert werden. Immerhin sucht die BVB-Defensive nach Stabilität, hat bereits 20 Gegentore kassiert

Sahin fehlt Spielpraxis

Fraglich ist aber, wie schnell Sahin den Dortmundern überhaupt helfen können wird.

Er hat seit seinem Weggang auch aufgrund von Verletzungsproblemen nur 19 Pflichtspiele absolviert.

"Er muss sich noch an unsere Abläufe gewöhnen. Wir haben jetzt vier, fünf Wochen Zeit, mit ihm zu arbeiten, bevor die englischen Wochen wieder losgehen", sieht Klopp kein großes Problem.

Der Trainer wird es schon richten.