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Hoeneß (l.), Pfügler (r.) und Dremmler (M.) gewinnen mal wieder in Lautern © imago

Hoeneß greift in die Trickkiste und Kleff lässt sich nicht alles bieten. Teil VI des SPORT1-Rückblicks auf 50 Jahre Bundesliga.

Von Rainer Kalb

München - In den 80-Jahren fielen Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern München sportlich weit auseinander.

Dort der Bökelberg in einem Wohngebiet, beim werdenden Rekordmeister das Olympiastadion mit U-Bahn-Anschluss. Was aber die Anekdoten betrifft, blieben die beiden eng beieinander.

Im November 1984 musste ein Spiel zwischen den beiden verlegt werden ? Gladbach kam nach einem UEFA-Cup-Spiel in Lodz aus Warschau zwei Tage lang wegen Nebel nicht weg. Hätten sie es doch wie Theo und Vicky Leandros gemacht ("Theo, wir fahr'n nach Lodz!").

Bayern lassen Hughes einfliegen

1987 landete Bayern-Manager Uli Hoeneß einen seiner ersten international beachteten PR-Coups. Der teuer eingekaufte Stürmer Mark Hughes musste um 18 Uhr in Prag für Wales gegen die Tschechoslowakei spielen. Er tanzte nur eine Halbzeit, wurde dann mit einem Privatflieger nach München gebracht. (HINTERGRUND: Wiedervereinigung - auch im deutschen Fußball)

Dort hatte das Spiel Bayern ? Borussia um 20.00 Uhr begonnen. Die Gladbacher glaubten an ein Gespenst, als der Waliser zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat.

Überhaupt, die Bayern: Acht Spiele lang hatten sie in Kaiserslautern nicht gewonnen (2:14 Punkte nach der alten Regelung). "Denen können wir die Punkte auch per Post schicken" ätzte der spielmüde Paul Breitner. (HINTERGRUND: Goldene Generation prägt das zweite Jahrzehnt)

Hoeneß' Trick bricht die Serie

Ohne ihn gab es am 26. November 1983 einen 1:0-Sieg ? in gelb-hellblauen brasilianischen Trikots. Darauf hatte Psycho-Trickser Hoeneß bestanden.

Überhaupt, Kaiserslautern: Im September 1991 stieg Stefan Kuntz aus dem Bus in München aus, trat auf die Bordsteinkante und zog sich einen Bänderriss zu. Damit war seine Einladung zum Länderspiel gegen England hinfällig. (HINTERGRUND: Vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan)

Kasalo der erste Wettbetrüger?

Ein wenig weiter oben, in Franken, taten sich andere seltsame Dinge. Ein Jugoslawe namens Vlado Kasalo köpfte 1991 innerhalb von einer Woche zwei Eigentore, beim 0:1 in Stuttgart und beim 0:2 gegen Karlsruhe. Der erste Fall von Wettbetrug? Bewiesen wurde das nie, aber Kasalo schnell transferiert. (HINTERGRUND: Auf der Suche nach Professionalismus)

Überhaupt, Nürnberg: Schatzmeister Ingo Böbel verteilte reichlich Geschenke an Schiedsrichter ? und wies die auch noch in der Kasse aus!

Kleff lässt die Hosen runter

174.000 Mark in der Saison 90/91. Die Schiedsrichter mussten die Geschenke an soziale Einrichtungen spenden, Böbel wurde später zu drei Jahren und sechs Monaten Haft unter anderem wegen Steuerhinterziehung verurteilt, kam nach einem Jahr wegen guter Führung frei. Heute ist er Professor in Monaco. (DATENCENTER: Die Bundesliga)

Dann war da noch der Abschied von Torhüter Wolfgang "Otto" Kleff. Am 20. Mai 1984 ließ er sich beim Spiel Fortuna Düsseldorf ? Waldhof Mannheim in der 77. Minute wegen einer angeblichen Zerrung auswechseln. Fortuna-Präsident Bruno Recht hatte zuvor angekündigt, es sei das letzte Spiel von Kleff. Der ging zur Haupttribüne und zog die Hose runter: "Wann ich aufhöre, bestimme ich. Ich lass mich doch nicht verarschen."

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