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Marko Marin wechselte 2005 von der Jugend Eintracht Frankfurts nach Mönchengladbach © getty

Die Mannschaft hat sich gegen die Ausbootung mehrerer Spieler gewehrt. Nationalspieler Marko Marin droht mit Abschied.

Mönchengladbach - Bei Bundesliga-Schlusslicht Borussia Mönchengladbach hängt offensichtlich der Haussegen schief.

Die Mannschaft soll in der Winterpause einen Beschwerdebrief über den Umgang von Trainer Hans Meyer mit den Spielern an Klub-Präsident Rolf Königs geschrieben haben.

"Wir wollten mit diesem Brief unsere Solidarität mit den betroffenen Spielern zeigen. Wir haben als Mannschaft immer gut zusammengehalten. Es hätte ja jeden von uns erwischen können", sagte Kapitän Filip Daems der "Bild"-Zeitung.

Meyer hatte in der Winterpause sieben Spieler und Physiotherapeut Michael Risse aussortiert.

Der Präsident schweigt

In dem Brief soll die Mannschaft beanstandet haben, dass die Ausgemusterten weder mittrainieren noch sich mit dem Rest des Kaders in der Kabine umziehen durften.

Sportdirektor Max Eberl bestätigte den Vorgang, zeigte sich jedoch "traurig darüber, dass eine Sache, die wir längst abgearbeitet hatten, jetzt an die Öffentlichkeit kommt. Wir haben den Brief sehr ernst genommen, haben den Spielern die angesprochenen Dinge erklärt", sagte Eberl.

Eberl droht dem "Maulwurf"

Nach Übergabe des Briefes durch Oliver Neuville habe Meyer die Mannschaft "in Schutz genommen". Am Abend legte Eberl im DSF nach und drohte dem "Maulwurf" in der Mannschaft:

"Dass etwas mannschaftsinternes an die Öffentlichkeit kommt, ist böswillig, und man muss unterstellen, dass dies jemand absichtlich macht, um uns zu schaden. Wenn wir den Spieler oder wer auch immer es in die Öffentlichkeit getragen hat, herausfinden würden, würden wir natürlich fristlos kündigen - ganz klar."

Präsident Königs wollte sich nicht zu dem heiklen Thema äußern.

Marin droht mit Abschied

Unterdessen hat Nationalspieler Marko Marin im "Express" erneut seine Unzufriedenheit mit dem Status quo geäußert. "Mit der jetzigen Situation kann ich nicht zufrieden sein. Ich spiele nicht regelmäßig und werde eben oft vom Trainer kritisiert", klagte der 19-Jährige und drohte mit einem Vereinswechsel im Sommer.

"Über eine Vertragsverlängerung haben wir noch nicht gesprochen", meinte Marin. "Klar ist, dass ich mich weiterentwickeln will. Die WM 2010 ist mein Ziel. Deshalb muss ich regelmäßig spielen. Auch international würde ich gerne einmal spielen."

"Erholungsurlaub" Nationalelf

Seine Auswechslung am vergangenen Samstag gegen 1899 Hoffenheim (1:1) habe er nicht verstanden. "Irgendwie hat er seine Gründe, vielleicht werde ich sie noch erfahren", sagte Marin über Meyer und freut sich über die aktuelle Abwechslung bei der Nationalmannschaft:

"Hier kann ich schon vom Alltag abschalten. Der Bundestrainer hat mir auf jeden Fall gesagt, dass ich wichtig für sein Spiel bin. Er glaubt an mich. Das ist schon super, wenn man so das Vertrauen des Trainers spürt."

Bundestrainer Joachim Löw riet Marin indes, sich "im nächsten Jahr mit Haut und Haaren auf Gladbach und den Abstiegskampf zu konzentrieren". Eine Offerte des Hamburger SV für den Dribbelkünstler hatte der fünfmalige Meister in der Winterpause abgelehnt.

Kein Aufschwung unter Meyer

Meuterei hin oder her - die zweite Amtszeit von Meyer in Gladbach scheint sich immer mehr als großes Missverständnis zu entpuppen. Die Borussia steht da, wo sie der 66-Jährige im Oktober übernommen hatte: auf dem 18. und letzten Tabellenplatz.

In den elf Partien unter Meyer, der die "Fohlen-Elf" 2001 noch zum Aufstieg geführt hatte, sprangen lediglich acht Punkte heraus. Hinzu kamen Unstimmigkeiten hinter den Kulissen, wie der Rücktritt von Co-Trainer Christian Ziege.

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