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Dennis Aogo wechselte 2008 vom SC Freiburg zum Hamburger SV © getty

Der HSV gewinnt das Nordderby gegen Werder durch zwei irreguläre Treffer. Aogo sieht bei SPORT1 die Chance, oben ranzukommen

Von Mike Lukanz und Jürgen Blöhs

München/Hamburg - Eigentlich hätte man Thomas Schaaf eine andere Reaktion zugetraut.

Doch der Bremer Trainer wahrte unmittelbar nach Spielende überraschenderweise die Fassung:

"Das war ein echtes Derby. Da haben zwei Mannschaften gespielt, die sich beweisen wollten", sagte Schaaf bei "Sky".

Dabei hätte er allen Grund gehabt, frustriert und sauer zu sein. Nicht nur, dass seine Bremer Mannschaft gerade das Nordderby beim Hamburger SV 2:3 (1:1) verloren und damit die zweite Niederlage im zweiten Rückrundenspiel kassiert hatte. (BERICHT)

Die Spieler kauerten nach Abpfiff zerknirscht auf dem Rasen. "Ich bin es leid, dass wir immer für unser gutes Spiel gelobt werden, aber am Ende keine Punkte holen", ärgerte sich Zlatko Junuzovic bei SPORT1.

Zwei Gegentore irregulär

Denn vor allem das Zustandekommen der Niederlage war mehr als unglücklich.

Denn sowohl der Treffer von Dennis Aogo zum 2:1 (46.) als auch der von Artjoms Rudnevs zum 3:1 (53.) hätten nicht zählen dürfen. Doch das Schiedsrichtergespann um Thorsten Kinhöfer sah weder das Handspiel Aogos noch die Abseitsstellung Rudnevs'. (667129DIASHOW: Der 19. Spieltag)

Zu allem Überfluss muss Schaaf nach den Platzverweisen für Kapitän Clemens Fritz und Top-Scorer Marko Arnautovic kommende Woche gegen Hannover 96 auf zwei Leistungsträger verzichten. "Über die Gelben Karten möchte ich nicht diskutieren, das bringt uns nicht weiter", sagte Schaaf.

Null Punkte, 2:8 Tore

Nicht weiter bringt die Mannschaft ihre bisherigen Auftritte nach der Winterpause. Denn was bleibt, sind null Punkte und 2:8 Gegentore nach zwei Rückrundenspielen und die Erkenntnis, dass die Defensive das große Sorgenkind bleibt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Schnitt kassieren die Bremer zwei Gegentore pro Spiel. Eine Bilanz, mit der sich alle Hoffnungen auf höhere Tabellenregionen erübrigen.

Dabei hatte seine Mannschaft beim HSV zu Beginn tatsächlich eine Reaktion auf das 0:5-Debakel gegen Borussia Dortmund gezeigt. Die Mannschaft spielte vor 55.000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Imtech Arena gut mit, presste früh und war wach in den Zweikämpfen.

Doppelschlag des HSV

So war die Führung von Innenverteidiger Assani Lukimya (9.) in der Entstehung überraschend, jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient.

Doch welche Probleme die Bremer Abwehr hat, sahen die Zuschauer nach dem Ausgleich durch Heung-Min Son (23.). Fortan übernahm der HSV die Spielkontrolle, von Bremen war nichts mehr zu sehen. Angetrieben vom starken Duo Aogo und Marcell Jansen auf dem linken Flügel schnürten die Gastgeber den Rivalen in der eigenen Hälfte ein.

Doch selbst nach dem Doppelschlag des HSV zu Beginn des zweiten Spielabschnitts hätte Bremen durchaus etwas Zählbares mit nach Hause nehmen können. Kevin de Bruyne hatte in der 62. die große Möglichkeit zum Ausgleich, vergab jedoch aus kürzester Distanz kläglich.

Fink: Keine großen Ziele verkünden

Und so durfte der HSV am Ende jubeln. "Nach Punkten sind wir wieder da, doch wir werden weiter keine große Ziele wie die Teilnahme an der Europa Leagie verkünden", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink.

"Ich weiß, wie wichtig dieser Sieg für die Region ist. Wir haben gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Das 0:1 hat uns kalt erwischt, aber wir haben uns wieder ins Spiel zurückgekämpft. Insofern sind wir schon einen Schritt weiter in unserer Entwicklung", stellte Fink fest.

Aogo als Matchwinner

Auch Dennis Aogo kümmerten die Umstände des Sieges wenig. Der Linksfuß zeigte eines seiner stärksten Spiele im Trikot des HSV, war mit einem Tor und einer Vorlage der Matchwinner. 117 Spiele hat er für seinen ersten Treffer benötigt.

Es muss eine besondere Genugtuung für den 25-Jährigen gewesen sein. In der Hinrunde absolvierte er wegen eines Erschöpfungssyndroms nur sieben Spiele von Beginn an, im Sommer hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw kurz vor Beginn der Europameisterschaft aus dem Kader gestrichen.

"Man muss Spaß haben am Fußball ? und den haben wir im Moment alle", erklärte Aogo bei SPORT1: "Und jetzt haben wir eine Riesenchance nach oben zu kommen."

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