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Christoph Daum war vor seinem Job beim FC drei Jahre bei Fenerbahce Istanbul tätig © getty

Nach dem Aufstieg hatte Kölns Coach die "feste Absicht, hinzuschmeißen". Nun gibt er sich noch einige Jahre - und will die Fans aussperren.

Von Julian Meißner

München - Kölns Trainer Christoph Daum war nach eigener Aussage im vergangenen Sommer fest entschlossen, seinen Job beim FC hinzuwerfen.

"Ich bin damals zu Manager Michael Meier gefahren mit der festen Absicht hinzuschmeißen. Ich habe mich in den Zielen des Vereins nicht wiedergefunden", so Daum in der "Sport-Bild".

Daum war nach seinem ersten FC-Engagement von 1986 bis 1990 im November 2006 nach Köln zurückgekehrt und hatte mit seinem Team am vorletzten Spieltag der Saison 07/08 den Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht.

Trotz der riesigen Euphorie in der Rheinmetropole war Daum damals offensichtlich amtsmüde. Er erklärte nun, er habe seine persönlichen Interessen hinten angestellt.

"Ich hatte eine Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung, den Fans, der Region", sagt Daum: "Wir hatten Ende Mai. Ich habe gedacht: Wenn du jetzt abhaust, steht der FC wieder mit einem Bein in der Zweiten Liga. Es gab keinen Zweifel: Deine Mission hier ist noch nicht erfüllt."

Daum will Fans aussperren

Momentan steht der FC als Aufsteiger auf dem respektablen elften Rang - für Daum noch lange kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Mit einem Vorstoß überraschte der Fußball-Lehrer am Mittwoch: Er möchte die Fans zumindest zeitweise vom Training ausschließen, und das nicht nur im fußballverrückten Köln.

"Es gibt viele Bereiche, wo ich sage, dass ein öffentliches Training nachteilig ist", so Daum in der "Bild".

Aufruf an die Kollegen

Dabei möchte Daum seine Trainerkollegen mit ins Boot holen: "Ich würde innerhalb der Bundesliga eine konzertierte Aktion schalten. Da müssen wir einfach stark sein, es sollte auch keiner umkippen."

Man habe ohne Zuschauer "einfach eine andere Arbeits-Atmosphäre." Daum sagt: "Habe ich die Öffentlichkeit nicht dabei, ist der Spieler viel lernfähiger. Ich muss oft aufpassen, was ich sage. Das schränkt mich in meiner Arbeit ein."

"Spionage" am Geißbockheim

Zudem würde die Konkurrenz schon mal zur "Spionage" am Geißbockheim vorbeischauen.

"Oft ist es so, dass andere Vereine Video-Aufzeichnungen von unseren Einheiten machen. Das ärgert mich schon, weil ich dann keine Standardsituationen oder Spielzüge einüben kann, ohne dass es andere Klubs mitbekommen", so Daum.

Im Gegenzug schlägt er vor, zumindest ein öffentliches Training oder ein Testspiel pro Woche abzuhalten: "Ich halte den Fan für unheimlich wichtig, ich will ihn ja nicht ausschließen. Aber wenn ich konzentriert arbeiten will, muss ich alleine sein."

Mit 60 ist Schluss

Ewig möchte sich der gebürtige Zwickauer den Stress in der Bundesliga nicht antun.

"Wenn die 60 erreicht ist, sollte man Platz machen", meint der 55-Jährige: "Andererseits sage ich mir: Bist du verrückt? Du bist in deiner besten Zeit! Wie ruhig, wie souverän, wie gelassen du geworden bist. Jetzt denkst du daran aufzuhören? Das hättest du vor zehn Jahren sagen können, als die Leute gesagt haben: Der brennt wie eine Kerze - nur an beiden Enden!"

Mit 60 würde er die Ziellinie erreichen. "Vielleicht laufe ich noch ein paar Meter aus, mehr aber nicht."

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