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Vom HSV zu Bayer: Seeler-Enkel Öztunali erhält in Leverkusen einen Vertrag bis 2018. © imago

Der HSV zieht im Poker um Talent Levin Öztunali den Kürzeren. Der Enkel von Klub-Ikone Uwe Seeler wechselt zu Bayer.

Hamburg - Der Hamburger SV verliert ein Stück Zukunft und büßt zeitgleich auch ein wenig Tradition ein.

Levin Öztunali wird den Verein verlassen und zum Ligarivalen Bayer Leverkusen wechseln. Der 16-Jährige ist deutscher Juniorennationalspieler - so ein Abgang tut immer weh.

Vor allem ist Öztunali aber der Enkel von HSV-Ikone Uwe Seeler - da blutet das hanseatische Herz noch ein wenig mehr.

Der Jungstar war fest eingeplant als kommendes Aushängeschild des Klubs, doch Karriere macht er jetzt woanders. Bis 2018 unterschrieb der Mittelfeldspieler bei Bayer.

Hamburgs Angebot reicht nicht

"Wir haben ihm die größtmögliche sportliche Perspektive geboten. Er hätte ab Sommer bei den Profis trainiert", sagte Sportdirektor Frank Arnesen der "Bild": "Aus wirtschaftlicher Sicht hat es beim HSV nie zuvor so ein gutes Angebot für einen Nachwuchsspieler gegeben."

Insgesamt mehr als eine halbe Million Euro sollen die Hamburger dem Teenager für seine ersten drei Profi-Jahre in Aussicht gestellt haben. Doch Leverkusen hatte die besseren Argumente. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir sind sehr froh, ein solch herausragendes Talent langfristig für uns gewinnen zu können. Levin hat tolle fußballerische Perspektiven", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler.

Man sei "überzeugt, dass er sich bei uns hervorragend weiterentwickeln und in naher Zukunft ein prägendes Gesicht der Bayer-Mannschaft werden kann".

Öztunali mit "gutem Gefühl" bei Bayer

In Hamburg hatten sie ebenfalls auf Derartiges gehofft. Auf lange Sicht sollte der Sohn des HSV-Scouts Mete Öztunali und Seelers Tochter Frauke das Aushängeschild der Hanseaten werden, eine Identifikationsfigur für die Fans.

Doch "Uns Özi", wie ihn der Boulevard in Anlehnung an Seelers Spitznamen taufte, entschied sich gegen den Herzensklub seines Opas.

"Bei Bayer 04 Leverkusen haben schon viele junge deutsche Spieler ihre Karriere gestartet. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei meiner Entscheidung und freue mich auf eine tolle Herausforderung bei einem Topklub", sagte Öztunali, der sich anders als sein ebenfalls von anderen Vereinen umworbene Nachwuchskollege Jonathan Tah gegen einen Verbleib beim HSV entschied.

HSV-Talente zuletzt mit wenig Perspektive

In Hamburg setzt sich damit der Abgang hoch veranlagter Talente fort. Die Perspektiven der Youngster waren beim Bundesliga-Dino in den vergangenen Jahren wenig vielversprechend. Kaum ein Spieler schaffte es über die U19 oder die U23 in den Kader der ersten Mannschaft.

Torjäger Heung-Min Son und der selten eingesetzte Zhi-Gin Lam sind die Ausnahme. Zwar kündigte Arnesen an, sich in diesem Bereich deutlich verbessern zu wollen, den Beweis dafür ist der HSV allerdings noch schuldig geblieben.

Bayer sticht Bayern aus

Neben Leverkusen war auch Bayern München an einer Verpflichtung Öztunalis interessiert. "Wenn so ein Spieler auf dem Markt ist, bemüht sich auch der FC Bayern um ihn", hatte Nachwuchskoordinator Michael Tarnat der Süddeutschen Zeitung gesagt.

Doch statt nach München muss Uwe Seeler wird ab kommendem Sommer nach Leverkusen fahren müssen, um seinen Enkel in Aktion zu sehen.

Bisher schlug er sich bei den Heimspielen der U19 des HSV ins Gebüsch und sah versteckt zu: "Wenn Levin spielt, soll er nicht wissen, dass ich da bin. Nachher meint er noch, er müsste etwas Besonderes für den Opa machen."

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