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Klaas-Jan Huntelaar hat in dieser Saison erst fünf Tore für Schalke erzielt © imago

Nach der peinlichen Niederlage gegen den Tabellenletzten schießt Jermaine Jones gegen die eigenen Fans. Fürth ist nur glücklich.

Von Mike Lukanz und Thorsten Langenbahn

München/Gelsenkirchen - Die entscheidende Situation des Spiels ging am Ende völlig unter.

Der Siegtreffer von Fürths Nikola Djurdjic in der Nachspielzeit zum 2:1 (Bericht) beim FC Schalke hätte nicht zählen dürfen, da der Serbe beim Schuss zuvor von Ilir Azemi klar im Abseits stand. ( 670001 DIASHOW: Der 20. Spieltag )

Doch für diese Feinheiten hatte nach Spielende offenbar niemand Muße. Zu tief saß der Frust bei den Schalkern, zu groß war der Jubel bei den zuvor 17 Spielen sieglosen Gästen.

Jones kritisiert Schalker Fans

Für Trainer Jens Keller, schon vor dem Spiel nicht sonderlich fest im Sattel, werden die kommenden Tage und Wochen ungemütlich.

"Ich bin seit sechs Jahren hier. Und immer wird jeder Trainer infrage gestellt und von außen Unruhe reingebracht", sagte Jermaine Jones im Gespräch mit SPORT1 genervt und kritisierte offen die eigenen Fans:

"Die Mannschaft ist jung, braucht Selbstvertrauen und nicht das Gefühl, ein Auswärtsspiel zu haben."

Die überraschende Pleite gegen den Tabellenletzten birgt also jede Menge Sprengstoff für Königsblau, die auf Schalke fast schon traditionelle Selbstzerfleischung bahnt sich erste Wege. "Wir wissen, dass das Ganze hier kochen wird, wenn so etwas passiert", sagte Jones. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Feldüberlegen, aber ideenlos

Zuvor hatte der Mittelfeldspieler schon bei LIGA total! Richtung Fankurve ausgeteilt: "Nichts gegen Gerald (Asamoah), aber als er ausgewechselt wird, feiern ihn die Fans mehr als die ganze Schalker Mannschaft ? und wollen aber, dass wir uns hier den Arsch aufreißen, Punkte holen und sie hier feiern können."

Jones und seine Mannschaftskollegen hatten in den 90 Minuten zuvor nicht sonderlich viel dafür getan, um die Fans hinter sich zu bringen. Schalke war über weite Teile der Begegnung feldüberlegen, und dennoch wirkte das Spiel pomadig und oft ideenlos.

Bezeichnend, dass die Führung durch Zugang Michel Bastos eine Einzelaktion war ? wenn auch eine spektakuläre.

"Ich bin traurig über die Niederlage, deshalb kann ich mich über das Tor nicht freuen", sagte der Brasilianer, der neben Julian Draxler einer der Aktivposten war.

Turbulente Schlussphase

Fürth nutzte nur fünf Minuten nach Bastos' Sonntagsschuss mit seinem zweiten ernsthaften Angriff die Schläfrigkeit der Schalker Hintermannschaft eiskalt aus, als Felix Klaus aus kurzer Distanz zum überraschenden Ausgleich traf.

Erst in der Schlussphase drängte Schalke wieder auf den Sieg und hatte zugegebenermaßen Pech, als der zweite Winterzugang Raffael nur den Pfosten traf.

Kurz zuvor hatte bereits Fürth die große Chance zur Führung, doch Timo Hildebrand wehrte einen Kopfball von Bernd Nehrig mit einem starken Reflex ab.

Beim Treffer von Djurdjic war er schließlich machtlos.

Hildebrand korrigiert Saisonziele

"Das war ein Rücktritt und eines Champions-League-Teilnehmers unwürdig", sagte S04-Kapitän Benedikt Höwedes und Hildebrand korrigierte sogleich die Saisonziele: "Das Gerede von der Champions League brauchen wir nicht mehr und ist weit weg."

Unruhige Zeiten also auf Schalke, und ausgerechnet jetzt wartet das Auswärtsspiel bei den so starken Bayern.

Büskens: "Für diese Momente lebst du!"

Bei Fürth hatten sie für Krisengerede aus nachvollziehbaren Gründen nichts übrig.

Trainer Mike Büskens wurde nach dem Sieg bei seinem Ex-Klub gar pathetisch: "Für diese Momente lebst du! Egal, was passiert ? das wird mir immer im Gedächtnis bleiben."

Asamoah spürt "blau-weißes" Blut

Auch für Asamoah war es ein perfekter Tag bei seiner ersten Rückkehr nach Schalke in einem fremden Trikot.

" Wenn du jahrelang weg bist, wieder nach Hause kommst und vom ganzen Stadion gefeiert wirst, ist das einmalig! Das blau-weiße Blut ist bei mir immer noch drin."