vergrößernverkleinern
Arjen Robben durfte seine Kunst in Mainz nur etwa 15 Minuten lang zeigen © imago

Beim Sieg in Mainz bricht der Spitzenreiter Bestmarken; die Bosse schwärmen. Nur Robben ist sauer. Tuchel attackiert den FCB.

Aus Mainz berichtet Martin Volkmar

Mainz - Uli Hoeneß wollte nicht reden, doch sein Gesicht sprach für sich.

Bester Laune schlenderte der Bayern-Präsident nach dem souveränen 3:0-Erfolg des designierten neuen Deutschen Meisters beim Tabellenfünften Mainz 05 dem Mannschaftsbus entgegen.

Karl-Heinz Rummenigge dagegen ließ seiner Begeisterung freien Lauf. "Wir sind rundum zufrieden. Drei Spiele, neun Punkte, sieben Tore, keines zugelassen: Wir haben einen Rückrundenstart nach Maß gehabt", schwärmte der Vorstandsboss:

"Viel besser als wir die zweite Halbzeit gespielt haben, kann man nicht spielen. Das war eine super Leistung. Wir müssen wie ein Eichhörnchen die Punkte einfahren."

Eine Bestmarke nach der anderen

Schaut man sich die Bilanz an, erinnert der runderneuerte Rekordmeister auf dem Weg zur 22. Meisterschaft allerdings eher an ein gefräßiges Raubtier: Eine Bestmarke nach der anderen wird derzeit pulverisiert.

51 Punkte nach 20 Spieltagen hatten die Bayern zwar auch schon 2005/2006 unter Felix Magath, aktuell aber ist das Torverhältnis von plus 44 fast doppelt so gut wie damals. Der neunte Sieg im zehnten Auswärtsspiel der Saison ist ebenfalls neuer Rekord (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und hinten steht die Null nun seit bereits 340 Minuten, so dass bei nur sieben Gegentoren nach 20 Spieltagen der eigene Topwert aus der Saison von 2007/2008 (21 Gegentreffer) erheblich in Gefahr ist.

Doch das alles zählt nach zwei titellosen Jahren nichts, wenn am Ende nicht die Meisterschale zurück nach München geholt wird. Entsprechend große Bedeutung maß Jupp Heynckes dem 16. Sieg im 20. Saisonspiel bei.

"Wichtiger Sieg Richtung Meisterschaft"

"Das war ein ganz wichtiger Sieg für uns in Richtung deutsche Meisterschaft", erklärte der Chefcoach.

[image id="a1d9d2eb-6377-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Wir wussten, dass es kein einfaches Spiel wird und haben uns sehr gewissenhaft darauf vorbereitet. Die Mannschaft hat das sehr gut umgesetzt. Wir haben gezeigt, dass wir Lust aufs Fußballspielen haben."

Allerdings gelang es den Mainzern immerhin 41 Minuten lang, den Münchnern diese Lust zu nehmen. Mit einer taktisch beeindruckenden Disziplin entzog das Team von Thomas Tuchel den Gästen jegliche Torgefahr.

Müller lässt die Luft raus

Doch dann passte Toni Kroos, dem vorher nur wenig gelungen war, traumhaft auf den bis dahin ebenfalls unglücklich agierenden Thomas Müller, der den Ball an Christian Wetklo vorbei zur auf der Bayern-Bank frenetisch bejubelten und letztlich entscheidenden Führung ins Tor schoss (670001DIASHOW: Der 20. Spieltag).

"In der ersten Hälfte war Mainz, wie man Mainz kennt: unangenehm zu Hause und sehr giftig", gab der Torschütze nach seinem elften Treffer zu. "Das 1:0 war ganz wichtig. Dann war die Luft raus."

Und Heynckes analysierte mit Blick auf das bittere 2:3 beim letzten Duell bei den Rheinhessen im November 2011: "Wir wussten aus Erfahrung, dass es hier immer schwer ist. Mit dem 1:0 haben wir dann den Schlüssel zum Erfolg gefunden."

Schnelle Entscheidung nach der Pause

Tuchels defensive Marschroute, zumal ohne den gesperrten Torjäger Adam Szalai, war über den Haufen geworfen. "Nach dem Rückstand war uns klar, dass das die schlechteste Konstellation ist, die passieren konnte", gab der Coach zu.

Fünf Minuten wehrten sich die tapferen Platzherren vor den 34.000 Zuschauern in der ausverkauften Coface-Arena noch, dann sorgte Mario Mandzukic mit seinen Saisontoren 13 und 14 (50., 57.) für die frühe Entscheidung.

"Die Tore waren überragend, auch in der Entstehung", lobte Heynckes, und Rummenigge schwärmte: "Das zweite und dritte Tor waren Delikatessen."

Mandzukic lobt den Teamgeist

Der Torjäger vom Dienst, der derzeit klar die Nase vorn hat vor Mario Gomez, gab das Lob weiter. "Wir machen das, was wir auch in der Vorrunde gemacht haben: Wir spielen alle zusammen, wir kämpfen auf dem Platz", sagte Mandzukic.

"Wir wissen, dass wir Qualität haben. Wichtig ist, dass einer für den anderen da ist. Es zeichnet uns aus, dass wir eine gute Truppe sind."

Robbens rasanter Abgang

Nur Arjen Robben wollte sich der allgemeinen bayrischen Begeisterung nicht anschließen. Nachdem er gemeinsam mit Gomez erst nach 76 Minuten zu einem Kurzeinsatz gekommen war, raste er direkt nach dem Abpfiff mit gesenktem Kopf in die Kabine und unmittelbar darauf direkt weiter in den Teambus.

"Ich war auch ein Top-Stürmer und wäre nicht erfreut gewesen, wenn mein Trainer mir gesagt hätte, du spielst nicht. Das ist bei Robben, Gomez und allen, die auf der Bank sitzen, genauso", zeigte Heynckes bei LIGA total! sogar Verständnis für Robbens Unmut.

"Ich finde das gar nicht so schlimm. Er wird noch so viele Spiele spielen - wir brauchen ihn!"

Tuchel sauer auf Sammer

Noch verärgerter als Robben war offenbar Thomas Tuchel über die Münchner. "Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Sportmanager so oft an der Linie war wie Matthias Sammer und mich dann noch verbal attackiert", sagte der 39-Jährige bei LIGA total!.

"Dafür habe ich kein Verständnis! Er war ständig an der Linie, hat sich beschwert und mit mir beschäftigt. Das kann ich nicht nachvollziehen."

Sein Boss Christian Heidel wollte sich den Vorwürfen allerdings nicht anschließen. "Ich habe hier schon anderes erlebt. Emotionen gehören dazu. Aber fünf Minuten nach Spielschluss ist das schon wieder vergessen", erklärte der Manager, der trotz der Pleite alles andere als unzufrieden wirkte:

"40 Minuten haben wir es richtig gut gemacht, doch nach dem 0:2 waren wir chancenlos. Aber da sind wir ja in guter Gesellschaft. Es gibt schlimmere Dinge."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel